Interview

Adrian Leimgrübler nimmt Stellung: «Erleichterung ist gross»

Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts ist Adrian Leimgrübler bereit für einen Neuanfang mit Justizdirektorin Fehr. Er sei nicht nachtragend, sagt er im Interview.

David Egger
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Vor dem Bezirksgebäude in Dietikon: Adrian Leimgrübler spricht mit der Limmattaler Zeitung und TeleZüri über das Urteil des Verwaltungsgerichts.

Vor dem Bezirksgebäude in Dietikon: Adrian Leimgrübler spricht mit der Limmattaler Zeitung und TeleZüri über das Urteil des Verwaltungsgerichts.

David Egger

Adrian Leimgrübler, wann und wie haben Sie vom Urteil erfahren? Und wie gross ist Ihre Erleichterung?

Die Erleichterung ist sehr gross. Am Donnerstagabend kündigte mir mein Anwalt an, dass der Entscheid am Freitagmorgen publiziert wird. Das Urteil selber habe ich dann gleichzeitig wie die Presse erhalten.

Welche Konsequenzen ziehen Sie sonst noch aus dem Urteil, ausser dass Sie im Recht sind?

Für mich ist wichtig, dass ich nicht nur aus formellen Gründen Recht erhalten habe, sondern auch in materieller Hinsicht. Das heisst, dass man festgestellt hat, dass ich keine Verfehlungen begangen habe.

Das Verwaltungsgericht hält aber fest, dass Sie in verschiedener Hinsicht die Amtspflichten verletzt haben, es sich dabei aber nicht um schwerwiegende Verstösse handle. Sie selber bezeichneten die Pflichtverletzungen schon 2015 in einem Interview mit der Limmattaler Zeitung als «Bagatellen». Ist es denn normal, dass Statthalter leichte Amtspflichtverletzungen begehen?

Ich würde jetzt mal von mir behaupten, dass ich im Vergleich unter den Ämtern nicht schlecht dastehe. Es ist ganz einfach: Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Aber die halten sich wie erwähnt in einem minimalen Rahmen. Das hat ja jetzt auch das Gericht so festgestellt.

Sie sagen also, dass es sich um Amtspflichtverletzungen handelt, wie sie bei jedem staatlichen Amt regelmässig passieren?

Ja, das würde ich so behaupten.

Dank des Urteils sollen Sie nun 20,5 Monatslöhne erhalten. Wahrscheinlich sind das fünfstellige Beträge pro Monat. Von wie viel Franken sprechen wir genau?

Frau Fehr hat mich ja direkt aufs Arbeitslosenamt geschickt. Von daher erhalte ich jetzt die Differenz zu den Arbeitslosengeldern. Wie viel Geld genau das ist, habe ich noch nicht ausgerechnet. Ich habe aber auch genug Schulden machen müssen, um Wahlkampf und Lebensunterhalt zu bestreiten.

2017 fängt gut an für Sie. Kürzlich wurde ja auch das Strafverfahren eingestellt. Ihnen wurden aber die Hälfte der Kosten des Strafverfahrens auferlegt. Sie haben damals angekündigt, dagegen Rechtsmittel zu ergreifen. Haben Sie das bereits erledigt?

Mein Anwalt und ich haben das bereits vorbereitet und werden das Rechtsmittel am Montag einreichen. Denn dann läuft die Frist für Rechtsmittel ab.

Die ganze Affäre scheint nun ein teurer Ausrutscher der Justizdirektion zu sein. Gibt es eigentlich auch irgendetwas Positives, das Sie daraus ziehen können?

Ja, die Spreu trennt sich vom Weizen. In so einer Situation – und diese dauert immerhin schon seit Herbst 2015 an – merkt man, wer die wirklichen Freunde sind und wer nicht. Das und der ganze Rückhalt in der Familie und dem Umfeld sind wirklich die einzigen positiven Erkenntnisse aus dieser ganzen Sache.

Gehen Sie davon aus, dass Ihre Wahlchancen jetzt höher sind?

Durchaus. Im ersten Wahlgang hatte man die Auswahl zwischen einem mutmasslichen Straftäter, einem Auswärtigen aus Zürich und Ramon Steffen aus Dietikon, der ja jetzt nicht mehr antritt. Ich habe schon die Hoffnung, dass ein Grossteil von Steffens Stimmen nun zu mir wechselt, denn seine Wähler haben klar gemacht, dass sie lieber einen Limmattaler in ihrem Statthalteramt wollen.

Sollten Sie wiedergewählt werden, wie wird dann Ihre Zusammenarbeit mit der Justizdirektion aussehen? Von einem normalen Verhältnis kann ja nicht die Rede sein.

Die eigentliche Zusammenarbeit zwischen Statthalter und Justizdirektion beziffere ich auf eins bis zwei Prozent des ganzen Arbeitspensums. Zudem bin ich nicht nachtragend und hoffe, dass sich das alles wieder einrenkt und man einen guten gemeinsamen Weg findet. Auf dem Statthalteramt selber wird meine Rückkehr auch kein Problem sein. Die Mitarbeiter, die ich noch kenne, die freuen sich auf meine Rückkehr.

Ein Teil der Arbeit als Bezirksratspräsident wird daraus bestehen, dass Sie zum Beispiel über Beschwerden gegen Amtsträger im Bezirk Dietikon zu entscheiden haben. Können Sie solche Beurteilungen denn noch neutral vornehmen, nachdem die einen Amtsträger respektive Lokalpolitiker sie unterstützt und die anderen Sie frontal angegriffen haben?

Zum einen entscheiden wir im Bezirksrat ja zu dritt. Zum anderen bin ich seit über 27 Jahren im Dienst der Justiz und der Polizei. Im Dienst des Rechts und der Gerechtigkeit steht für mich immer die Sache im Mittelpunkt. Ich habe auch noch nie jemanden begünstigt. Ein entsprechender Vorwurf wurde ja bereits vor längerer Zeit entkräftet.

Vielleicht liest Justizdirektorin Jacqueline Fehr dieses Interview. Was möchten Sie ihr auf den Weg mitgeben?

Ich masse mir nicht an, ihr etwas auf den Weg mitzugeben. Falls ich gewählt werden würde, würde sie mich sicher zu einer Art Anstellungsgespräch einladen. Ich bin offen und nicht nachtragend. Politisch haben wir das Heu zwar nicht auf der gleichen Bühne, aber die Parteipolitik steht für mich nicht im Mittelpunkt. Und natürlich hat mir Frau Fehr keine Freude bereitet, denn es ist nicht schön, eineinhalb Jahre aufs Arbeitslosenamt zu gehen. Aber ich wäre bereit für einen Neuanfang.