Familiengespräch

«Am Weihnachtsabend machen wir einen Töggelimatch»

Weihnachten bei der Familie Berri aus Schlieren ist besinnlich und stimmungsvoll, vor allem aber fröhlich.

Gabriele Heigl
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Heidi Berri (rechts) spielt gerne die Gastgeberin für Tochter Karin und den Rest der Familie – nicht nur an Weihnachten.

Heidi Berri (rechts) spielt gerne die Gastgeberin für Tochter Karin und den Rest der Familie – nicht nur an Weihnachten.

Alex Spichale

Frau Berri, Sie kommen gerade von
einer Indienreise zurück. Hätten Sie sich vorstellen können, Weihnachten auch dort zu verbringen?

Heidi Berri: In der Weihnachtszeit zu verreisen, damit hätte ich kein Problem, es müsste nur nicht unbedingt am Heiligen Abend sein. Wenn allerdings die ganze Familie zusammen verreisen würde, dann wäre es auch zu diesem Zeitpunkt für mich kein Problem.

Was halten Sie von einem Weihnachten unter Palmen?

Karin Berri: Einmal habe ich Weihnachten in Seattle gefeiert. Aber dort gab es Schnee und keine Palmen. An Weihnachten mit der Familie zu verreisen, könnte ich mir schon auch vorstellen. Allerdings würde es schwierig werden, alle terminlich unter einen Hut zu bekommen. Wir sind eine relativ grosse Patchworkfamilie.

Heidi Berri

Die 70 Jahre alte Schlieremerin wurde 2010 von den Lesern der Limmattaler Zeitung zur «Limmattalerin des Jahres» gewählt. 25 Jahre hat sie als Leiterin der Schlieremer Bibliothek gearbeitet. Sie engagierte sich auch im sozialen Bereich. In den 1960er-Jahren arbeitete sie als Air-Hostess für die Swissair.

Karin Berri

Die 43-Jährige ist in Schlieren aufgewachsen und lebt jetzt in Zürich. Lange war sie als Sängerin, Schauspielerin und Regisseurin auf verschiedenen Bühnen unterwegs. Heute arbeitet sie als Hörspiel-Regisseurin für das Schweizer Radio SRF. Beim diesjährigen Prix Europa hat sie in der Kategorie «Best European Radio Fiction Series» den dritten Platz belegt.

Wo feiert die Familie denn?

Heidi Berri: Wir kommen alle zusammen in meinem elterlichen Chalet im Toggenburg. Ich kann vorher nie genau sagen, wie viele da sein werden. Es ist ein offenes Haus. Von vier bis acht Personen ist alles möglich.

Der Stellenwert der Familie an Weihnachten ist für Sie also sehr hoch.

Karin Berri: In der letzten Zeit hat es sich eingebürgert, dass wir uns alle zwei Monate treffen, zum Nachtessen bei Mami oder bei einem der anderen. Auf alle Fälle ist es immer lustig. Dennoch ist Weihnachten speziell.

Heidi Berri: Dadurch, dass wir uns regelmässig sehen, ist für uns das ganze Jahr ein klein wenig wie Weihnachten, was das Zusammenkommen der Familie anbelangt.

Karin Berri: Das nimmt auch viel Stress vom Weihnachtsfest weg, es muss dann nicht immer alles picture perfect sein. Das ist im besten Fall für alle sehr entspannend.

Wie halten Sie es mit Geschenken?

Heidi Berri: Wir erfüllen uns das ganze Jahr über Herzenswünsche, trotzdem kommt jeder mit etwas Kleinem. Das Schenken gehört bei uns als Tradition einfach zu Weihnachten.

Familiengespräche

In dieser besinnlichen Zeit steht die Familie im Mittelpunkt. Wir wollen wissen, wie Familienfeste im Limmattal gefeiert werden. Auf welche Rituale wird Wert gelegt und auf welche verzichtet man lieber? Diesen Fragen gehen wir in unserer Interviewserie mit bekannten Persönlichkeiten auf den Grund. Die nächste Folge erscheint in einer Woche. Dann gewähren Rochus und Nadine Burtscher Einblicke in ihre Familie.

Wer schmückt den Baum?

Heidi Berri: Bis auf die Kerzen, die mein Sohn Roman montiert, ist das meine Domäne. Ich wechsle bei der Dekoration gerne ab. Besondere Freude macht es mir, die Jahressterne von Swarovski, die mir Roman jedes Jahr schenkt, zu platzieren. In diesem Jahr bekomme ich das zehnte Exemplar. Die Sterne bilden die Grundausstattung. Ich liebe Pastellfarben; in einem Jahr war der Baum hellblau. Und echte Kerzen müssen sein, am liebsten aus Bienenwachs. In diesem Jahr kommt noch besonderer Schmuck hinzu. Ich habe Kristalle eines Kronleuchters, der auf dem Abfall gelandet ist, gerettet.

Was ist Ihre schönste Kindheitsweihnachtserinnerung?

Karin Berri: Mein Bruder und ich sind am Mittag des Heiligen Abends immer zu unseren Grosseltern gefahren, die in Zürich im Kreis 5 gewohnt haben. Dort haben wir jedes Jahr zusammen dieselben Tierbücher angeschaut. Und wir durften viel fernsehen. «Drei Nüsse für Aschenbrödel» mochte ich besonders gerne. Grossvater hat dann die besten Spaghetti, die man sich vorstellen kann, für uns zubereitet.

Heidi Berri: Und wenn die Kinder dann am Abend von den Grosseltern zurück nach Schlieren kamen, waren sie seltsamerweise immer eine Minute zu spät, um das Christkind noch zu sehen.

Wird denn auch eine Krippe aufgestellt?

Heidi Berri: Ja. Das Holz haben wir im Wald gefunden, das Dach ist aus Rinde, die Figuren aus Salzteig. Es gibt nur drei Schäfli, und die Könige sind ziemlich dick.

Und was gibt es zu essen?

Karin Berri: Bei uns kocht Mami, aber wir haben kein typisches Familien-Weihnachtsgericht. Es gibt immer etwas anderes. Sie nimmt auch Wünsche entgegen. Bestimmte Gerichte haben sich aber als Renner erwiesen, zum Beispiel die Kalbfleisch-Involtini mit Bananen- und Rohschinkenfüllung. Aber insgesamt ist das Essen nicht mehr so wichtig. Mami kocht sowieso immer fein.

Sie scheinen eine besonders gute
Gastgeberin zu sein.

Heidi Berri: Diese Rolle fülle ich sehr gerne aus. Es war ja mal mein Beruf, erst in einem Restaurant, dann bei der Swissair, eigentlich auch in der Schlieremer Bibliothek. Ich finde, Service-Berufe sollten mehr Wertschätzung erfahren. Sehen Sie, eine Tasse Kaffee, da kann man heutzutage ja eigentlich nichts mehr falsch machen. Aber wie ich ihn serviere – das macht den Unterschied. Deswegen habe ich auch viel Freude daran, den Tisch schön zu dekorieren: mit weissen Tischtüchern und Servietten aus St. Galler Stickerei; darüber kommt eine transparente Tülldecke mit goldenen Sternen drauf. Ich mag verspielt-romantische Dekorationen.

Wird am Weihnachtsabend in der
Familie Berri auch musiziert? Man kennt Sie ja auch als Jazz-Sängerin.

Karin Berri: Als wir noch Kinder waren, haben mein Bruder und ich an Weihnachten musiziert. Ich habe Flöte und Gitarre gespielt, und Roman hat gesungen. Als er älter war, hat er mit der Trompete auf dem Balkon «Stille Nacht, Heilige Nacht» gespielt.

Haben Sie schon alles fürs Fest vorbereitet oder gibt es noch viel zu tun?

Heidi Berri: Seit ich pensioniert bin, hat sich vieles entspannt. Aber etwas Wichtiges fehlt noch: die Rumguetzli (Rezept links), ohne die für uns das Fest nicht komplett ist. Ich muss immer die dreifache Menge davon machen, damit sie reichen. Und da sie frisch am besten schmecken, mache ich mich erst in der Weihnachtswoche an die Arbeit.

Wie darf ich mir den Weihnachtsabend bei Ihnen vorstellen?

Karin Berri: Wir spielen sehr gerne Gesellschaftsspiele wie Monopoly oder Activity. Und in diesem Jahr werden Roman und ich unseren 30 Jahre alten Töggeli-kasten vom Dachboden herunterholen. Dann werden wir erstmals seit Jahren wieder einen Töggeli-Match austragen.

Heidi Berri: Auch ein Besuch des Friedhofs ist bei uns Tradition, bevor wir in die Mitternachtsmesse gehen.

Karin Berri: Dann sagen wir den Grosseltern salü und zünden eine Kerze an. Aber wir haben noch einen besonderen Brauch. Nach dem Essen gehen wir immer im Dunkeln zum Schlitteln, wenn es genug Schnee hat. Ich habe mit 40 Jahren noch einen Bob von meinem Bruder geschenkt bekommen. An ein Fest erinnere ich mich besonders gut, meine Grosseltern lebten da noch. Da haben wir uns alle diese Haarreife auf den Kopf gesetzt, die mit Rentiergeweihen und Christbäumen oben drauf. Und damit sind wir dann schlitteln gegangen. Es gibt oft viel zu lachen bei uns.

Rumguetzli à la Heidi Berri

Für den Teig:

300 g Mehl,
200 g gemahlene Mandeln,
300 g Zucker,
2 Prisen Salz, 
200 g Butter,
1 Ei, 
1/2 dl hochprozentigen Rum

Für die Glasur:

100 g Puderzucker,
etwas Rum, 
evtl. einige Tropfen Zitronensaft, 
Mandelblättchen oder -splitter

So wird’s gemacht:

Mehl, Mandeln, Zucker und Salz in eine Schüssel geben und vermischen, geschmolzene Butter hinzufügen. Mit dem Ei und dem Rum verkneten. Rollen von 2 cm Durchmesser formen und kühlstellen (kann 2 Tage vorher zubereitet werden).
Knapp 1 cm dicke Scheiben schneiden und mit Abstand auf Backpapier legen.

Hitze: 200 Grad in der Mitte des Ofens

Zeit: knapp 10 Minuten

In der Zwischenzeit die Glasur anrühren. Die Guetzli noch heiss sofort mit der Glasur bestreichen und auch sofort mit den Mandelblättchen belegen. Anschliessend auskühlen lassen und luftdicht verpacken.