Graffiti

An alle Schüler: Wer will Dietiker Unterführungen versprayen?

2011 forderte eine Gemeinderätin, dass Schulklassen Unterführungen mit Graffitis aufwerten. Bis jetzt wurde aber noch kein einziges Projekt in Tat umgesetzt. Der Grund: Es liessen sich keine Schüler finden.

Julia Wartmann
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Das Graffiti einer Dietiker Schulklasse, das eine Hinterwand des Baugeschäfts P. Brunner AG in Dietikon ziert, wurde vom Unternehmer in Auftrag gegeben.

Das Graffiti einer Dietiker Schulklasse, das eine Hinterwand des Baugeschäfts P. Brunner AG in Dietikon ziert, wurde vom Unternehmer in Auftrag gegeben.

M. Häberli

In farbigen Buchstaben ist «dietikon.ch» an eine Betonwand hinter dem Bahnhof gesprayt. Die Wand, die auf die Gleise zeigt, gehört zur privaten Baufirma P. Brunner AG. Auf das Graffiti angesprochen reagiert Roger Brunner, SVP-Stadtrat und Geschäftsführer der Baufirma, erfreut: «Wenn alle Graffitis so aussähen, würden sie die Stadt wirklich verschönern.»

Das Kunstwerk geschaffen haben Schüler einer Dietiker Schulklasse in den Herbstferien des vergangenen Jahres. Organisiert wurde die Sprayaktion von der Abteilung Jugend und Freizeit der Stadt Dietikon und deren Leiter Armin Strässle. Den Anstoss dazu hat allerdings Brunner selbst gegeben. Seine Motivation: «Die Fläche wäre so oder so versprayt worden. So konnten wir die Gestaltung mitbestimmen.»

Bereits 2011 ein Thema

Ähnliche Projekte schwebten auch der damaligen EVP-Gemeinderätin Julia Neuenschwander vor, als sie im Februar 2011 ein Postulat einreichte, dass die Neugestaltung von Unterführungen durch Schulklassen forderte.

Darin argumentierte sie, dass von Jugendlichen mitgestaltete Unterführungen kaum mehr von illegalen Sprayereien verunstaltet würden. Brunners Erfahrung mit seinem eigenen Kunstwerk bestätigt Neuenschwanders Annahme. Brunner: «Sprayer zeigen einen gewissen Anstand vor den Kunstwerken anderer.» Bis jetzt sei sein Graffiti jedenfalls noch nicht übermalt worden.

In Oberengstringen beispielsweise hat das Verzieren der Unterführung zwischen Post und Zentrumsplatz Tradition. Bereits zum dritten Mal wurde das Motiv an den Wänden der Unterführung ausgetauscht. Aktuell zieren diese Fantasiezeichnungen der Schüler.

Als Reaktion auf das Postulat hatte der Stadtrat einen jährlichen Investitionskredit von 10 000 Franken, über drei Jahre hinweg, beantragt. Die einzige Auflage: Die Unterführungen müssten durch eine Fachfirma gereinigt und weiss gestrichen werden, sowie im Anschluss an die Mal- und Sprayaktion mit einem Graffiti-Schutz versehen werden. Laut Strässle kämen folgende Unterführungen für das Projekt infrage: Aegelseestrasse, Fahrstrasse, Hasenbergstrasse und der Platz unter der Autobahn beim Rollschuhplatz Luberzen.

Bis zum heutigen Tag wurden die Unterführungen zwar gestrichen und mit einem Graffiti-Schutz versehen, es finden sich aber ausser beim Rollschuhplatz keine darunter, die von Dietiker Schülern verziert wurden. Der Grund dafür ist laut Strässle simpel: «Wir haben keine interessierten Schulklassen oder Jugendgruppen für das Projekt gewinnen können.»

Der Jugendprojekt-Wettbewerb, den die Abteilung «Jugend und Freizeit» jährlich veranstaltet, stiess trotz Ausschreibung auf keine Resonanz. Ebenso wenig kam die geplante Projektwoche mit dem Schulhaus Zentral zustande. Aus diesem Grund wurde das Geld aus dem Investitionskredit nicht verwendet und die Beträge wurden im Rahmen der Haushaltsoptimierung wieder gestrichen. Für jede zu verschönernde Unterführung rechnet die Stadt mit einem Aufwand von maximal 5000 Franken.

Stadt würde Projekt bewilligen

Strässle betont, dass sich Dietikon an der Umsetzung eines solchen Vorhabens weiterhin beteiligen würde: «Ein Projekt von Jugendlichen oder Schulklassen könnten wir nach wie vor bewilligen.»

Die nötigen Vorarbeiten wurden in den letzten Jahren bereits geleistet – jetzt fehlen nur noch Jugendliche, die sich kreativ betätigen möchten.