Bergdietikon
«Ich möchte die ganze Chor-Gemeinschaft ein letztes Mal spüren»: Das Jubiläum des Kirchenchors markiert gleichzeitig auch den Abschied

Der reformierte Kirchenchor Bergdietikon feierte seinen 60. Geburtstag. Nun wird er aus Spargründen aufgelöst.

Christian Murer
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Der reformierte Kirchenchor Bergdietikon trat ein letztes Mal auf. Er wird im Dorfleben eine Lücke hinterlassen.
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Der Kirchenchor Bergdietikon singt zum letzten Mal am Sonntag, 22. Mai 2022.
Nach sechzig Jahren Kirchenchor Bergdietikon ist definitiv Schluss.
Das Ad-hoc Orchester spielte Werke von Mozart, Haydn und Schubert – geleitet von Hye Ri Kim.
Die Kirchgemeinde sang ebenfalls drei Lieder mit.
Engagiertes Singen auch nach sechzig Jahren Kirchenchor Bergdietikon.
Pfarrer Emanuel Memminger verlässt die Kirchgemeinde im Sommer.
Pfarrer Emanuel Memminger dankt dem Kirchenchor für das grosse Engagement.
Hye Ri Kim dirigiert seit sechs Jahren den Kirchenchor Bergdietikon.
Standing Ovation nach der eindrücklichen Abschiedsfeier.
Gemeindeammann Ralf Dörig beim Apéro im Gespräch.
Ein reichhaltiger Apéro wird nach der Abschiedsfeier aufgetischt.
Dirigentin Hye Ri Kim mit einem Teil des Orchesters beim Apéro.
Heitere Stimmung beim Apéro – ganz rechts mit Glas: Urs Spörri.

Der reformierte Kirchenchor Bergdietikon trat ein letztes Mal auf. Er wird im Dorfleben eine Lücke hinterlassen.

Christian Murer

Es war ein besonderes Konzert für den reformierten Kirchenchor Bergdietikon an diesem Sonntagabend. Einerseits konnte der 60. Geburtstag gefeiert werden, andererseits ging auch eine Ära zu Ende. Denn die Kirche muss sparen, der Chor wird aus Spargründen aufgelöst.

Nachdem die vier Kirchenglocken der reformierten Kirche verklungen waren, spielte ein siebenköpfiges Ad-hoc-Orchester das Adagio aus Joseph Haydns Symphonie «Die Uhr». Geleitet wurde es von der Chordirigentin Hye Ri Kim. Anschliessend begrüsste Kirchenchorpräsidentin Ursula Hirzel die zahlreich erschienenen Gäste. «Ich möchte die ganze Chor-Gemeinschaft ein letztes Mal spüren», sagte sie und hielt anschliessend in Wort und Bild eine eindrucksvolle Rückschau auf die letzten 60 Jahre.

«Wir waren auch ein ökumenischer Kirchenchor»

Im Jahr 1962 wurde Otello Castioni als erster Präsident gewählt. Als Dorfverein beteiligte sich der Chor auch am regen Dorfleben und leistete freiwilliges Engagement. Nicht nur das Singen in ökumenischen Gottesdiensten war dem Chor wichtig. Er wirkte auch regelmässig an katholischen Messen mit. «Wir waren auch ein ökumenischer Kirchenchor», sage Hirzel während des Rückblicks nicht ohne Stolz.

Nach Hirzel präsentierte Helen Dormann den bebilderten Querschnitt durch die Geschichte. Sie sichtete die Unterlagen für den Rückblick auf 60 Jahre Kirchenchor Bergdietikon und sang fast ein halbes Jahrhundert im Kirchenchor mit. Das Material wird nun dem Ortsmuseum Bergdietikon übergeben. Als dritte Rednerin trat Vorstandsmitglied Susanne König auf.

Pfarrer Memminger dankt allen Beteiligten

Zwischen den Präsentationen sang der Kirchenchor das Lied «Was mag doch diese Welt mit ihrer Schönheit prangen». Zudem spielte das Ad-hoc-Orchester Werke aus der Symphonie Nr. 38 von Wolfgang Amadeus Mozart und aus der Symphonie Nr. 3 von Franz Schubert.

Der Kirchenchor Bergdietikon singt zum letzten Mal am Sonntag 22.05.2022.
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Der Kirchenchor Bergdietikon singt das Lied «Was mag doch diese Welt mit ihrer Schönheit prangen».

Christian Murer

Dann dankte Pfarrer Emanuel Memminger dem Chor für das langjährige Wirken. Er dankte der Dirigentin Hye Ri Kim sowie der Präsidentin Ursula Hirzel: «Du hast den Chor zusammengehalten und den Laden geschmissen. Du warst liebevoll und kreativ und auch in der schweren Coronazeit da.» Memminger sprach zudem sämtlichen Sängerinnen und Sängern seinen grossen Dank aus. Dann verlas er einen Brief des katholischen Pfarreiseelsorgers Michael Jablonowski, der sich für diesen Tag wegen einer im letzten Jahr eingegangenen Verpflichtung innerhalb des Dominikanerordens entschuldigen musste.

Beim grosszügigen Apéro sagte Gemeindeammann Ralf Dörig: «Es war ein sehr schöner und ergreifender Anlass. Für uns als Gemeinde ist es jedenfalls sehr schade, wenn ein Verein aus Spargründen nicht mehr fortbestehen kann.» Und Ursula Hirzel sagte mit Wehmut: «Für mich war der Chor stets wie eine grosse Familie.» Wenn sie traurig gewesen sei, habe ihr das Singen immer sehr viel gebracht. «Ich werde diese Gemeinschaft auf eine andere Art weiterhin pflegen.»

Das Ad-hoc Orchester spielt aus der Symphonie Nr. 38 von Mozart.

Christian Murer