Bezirksgericht Baden
Albanische Einbrecher nutzten Dietikon als Hauptquartier – wie Aargauer Ermittler ihnen auf die Schliche kamen

Vier Jahre Haft, zehn Jahre Landesverweis: Bezirksgericht Baden verurteilt ein Albaner, der vom Limmattal aus mit seinen Komplizen das Land unsicher machte

Louis Probst
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Mindestens 13 Einbrüche hatte der Beschuldigte zusammen mit Komplizen verübt.

Mindestens 13 Einbrüche hatte der Beschuldigte zusammen mit Komplizen verübt.

Keystone (Symbolbild)

Auf die Fragen von Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr wollte er nicht antworten. «Das macht mein Anwalt», liess er die Dolmetscherin übersetzen. Vorgeworfen wurde dem jungen Mann aus Albanien, der sich seit etwas mehr als einem Jahr in Haft befindet und von Polizisten in den Gerichtssaal gebracht wurde, gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl, mehrfacher Hausfriedensbruch und mehrfache Sachbeschädigung sowie Führen eines Fahrzeuges ohne Haftpflichtversicherung.

Laut Anklage hatte der 26-Jährige zusammen mit zwei Komplizen mindestens 13 Einbruchdiebstähle in den Kantonen Aargau, Baselland, Zürich und Waadt verübt. Dabei hatte das Trio eine Beute von rund 38’000 Franken gemacht und Schäden von mehreren tausend Franken hinterlassen.

Französische Autonummer kam Anwohner spanisch vor

Die Einbruchserie hatte ihr Ende in Zofingen genommen, als ein Anwohner vom Balkon aus ein Auto mit französischer Nummer aufgefallen war. Er hatte den Fahrer angesprochen, dieser fuhr schnell weg. Der Anwohner verfolgte mit seinem Auto das verdächtige Fahrzeug und verständigte die Polizei. Diese hielt den Wagen an und nahm den Beschuldigten fest.

Im Auto fand sich der Pass des einen vermutlichen Komplizen, der seither ausgeschrieben ist. Vom dritten Täter weiss man nichts. Im Auto stiess die Polizei auf zwei Damenuhren und weitere Schmuckstücke. Die Ermittlungen zeigten, dass Schuhspuren eines Einbruchsversuchs in Aarau, der wenige Stunden vor der Festnahme des Beschuldigten verübt worden war, mit dessen Schuhen übereinstimmten. Auswertungen von Mobilfunkdaten und Chats ergaben, dass sich der Beschuldigte und seine Komplizen oft nahe von Liegenschaften befunden hatten, in die praktisch zeitgleich eingebrochen worden war.

Und das Auto des Trios war in der Waadt – in der Nähe von Tatorten und passend zur Zeit von Einbrüchen – auf der Autobahn geblitzt worden.

«Der Beschuldigte ist eingereist, um Einbrüche zu verüben»,

stellte der Staatsanwalt fest. Mit Geld, das aus einem Einbruch in Kirchdorf stammte, habe sich das Trio «ausgerüstet». Unter anderem durch den Kauf von SIM-Karten und eines Occasionsautos aus dem französischen Grenzgebiet. In Dietikon mieteten sie eine Wohnung.

Der Ankläger erklärte, dass jeweils zwei Täter in die Häuser eingedrungen seien, während sich der dritte mit dem Auto in zurückgezogen und auf eine Whatsapp-Nachricht hin seine Komplizen am Tatort wieder abgeholt habe.

«Die Spuren sprechen eine deutliche Sprache»,

so der Staatsanwalt. «Das alles kann nicht Zufall sein.» Er forderte vier Jahre Freiheitsstrafe, eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Franken, eine Busse von 500 Franken sowie 15 Jahre Landesverweis, inklusive Verweis aus dem Schengenraum.

Der Verteidiger sagte, es gebe weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren und die Schuhspuren könnten nur beim Einbruchsversuch in Aarau zugeordnet werden. In den meisten Punkten sei der Beschuldigte freizusprechen. Der Verteidiger beantragte 14 Monate Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe von total 600 Franken, beides bedingt. Ein fünfjähriger Landesverweis sei angemessen.

Rund 400 Tage Haft hat er bereits hinter sich

Das Gericht sprach den Beschuldigten zwar in einigen Punkten frei, in den übrigen aber im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu vier Jahren Freiheitsstrafe, wobei er rund 400 Tage bereits hinter sich hat. Hinzu kommt ein Landesverweis von zehn Jahren, der für den ganzen Schengenraum gilt.

«Die gesamten Indizien lassen nur den Schluss zu, dass der ­Beschuldigte zwecks Ein­brüchen in die Schweiz gekommen ist»,

erklärte Gerichtspräsidentin Fehr zum Urteil. Und weiter: «Angesichts des geplanten Vorgehens kann nur von Bandenmässigkeit gesprochen werden. Es gab keine Notlage für den Beschuldigten. Sein Vorgehen war rein egoistisch. Reue oder Einsicht sind nicht erkennbar. Vier Jahre sind angemessen.»