Engpässe

Bund zieht Baregg-Ausbau neuer Umfahrung vor

Bereits steht die Forderung nach einer vierten Tunnelröhre am Baregg im Raum, derweil steht noch nicht einmal die dritte Gubriströhre. Eine Gesamtstrategie fehlt.

Florian Niedermann
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Brennpunkt: Die A1 und der Baregg-Tunnel.

Brennpunkt: Die A1 und der Baregg-Tunnel.

KEYSTONE

Der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger (FDP) forderte vor kurzem, dass der Bund alle Engpässe auf der A1 auf Aargauer Boden bis 2030 beseitigt – und die Ausbauprojekte nicht wie derzeit vorgesehen auf unbestimmte Zeit nach 2040 verschoben werden. Zu den Massnahmen gehört neben einem sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen Aarau Ost und Aarau West sowie Birrfeld und Wettingen auch eine vierte Röhre für den Bareggtunnel. Nachdem die dritte Baregg-Röhre dort 2003 eröffnet wurde, kam es beim Gubrist vermehrt zu Staus.

Markus Gerber, Sprecher des Amts für Verkehr des Kantons Zürich, erklärt auf Anfrage, es sei anzunehmen, dass ein solcher Ausbau im Aargau im Ballungsraum Zürich zu Mehrverkehr führen würde. «Zumindest war es bis jetzt immer so, wenn dort die Kapazität erhöht wurde.»

Reicht die dritte Röhre aus?

Es stellt sich die Frage, ob der Kanton Zürich für ein solches Szenario gewappnet wäre. Zwar soll am Gubrist nächstes Jahr der Bau der dritten Röhre beginnen.

Doch würde diese auch ausreichen, um den Mehrverkehr einer ausgebauten A1 und einer vierten Baregg-Röhre zu schlucken? Müsste nicht bald die Planung für eine vierte Gubriströhre oder die äussere Nordumfahrung angegangen werden?

«Es ist nicht Sache der Kantone, Nationalstrassenprojekte zu planen, sondern des Bundesamts für Strassen (Astra)», sagt Gerber. Gesetztenfalls, der Bund würde auf die Forderungen Attigers eingehen und den Realisierungshorizont des A1-Ausbaus vorverlegen, würde der Kanton Zürich aber die Folgen abklären und allenfalls ebenso Forderungen stellen, sagt er.

«Denn bisher gingen wir nicht von einem solchen Ausbau bis 2030 aus.» Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) setze sich abgesehen davon bereits heute dafür ein, dass beim Bund Projekte prioritär behandelt würden, die einen ungehinderten Verkehrsfluss im Raum Zürich gewährleisten, so Gerber.

Dessen Äusserungen zu Strassenprojekten im Kanton Zürich lassen nicht darauf schliessen, dass die neue Autobahn zwischen Wettingen und Winterthur in Bern bald auf den Tisch kommt: «Bei Grossprojekten wie der Zürcher Oberlandautobahn oder der äusseren Nordumfahrung muss die Frage der Finanzierung erst noch geklärt werden», sagt Gerber.

Der Kanton werte es daher schon als Erfolg, dass der Nationalrat bald darüber befindet, ob die Verbindung durch das Glattal zur Nationalstrasse erhoben wird und damit der Planungsprozess beginnen kann.

Auch eine Anfrage beim Astra stimmt wenig zuversichtlich, was eine vierte Gubriströhre oder die äussere Nordumfahrung angeht. «Priorität haben im Kanton Zürich die dritte Gubriströhre und die anstehenden Planungsarbeiten für die Glatttalautobahn», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Der Realisierungshorizont ist bei diesem Projekt auf 2040 vorgesehen. Die äussere Nordumfahrung wird wohl gar noch nach dem Ausbau der A1 mit der vierten Baregg-Röhre aufs Tapet kommen, wie Rohrbach sagt.

Generell erachte der Bund den Ausbau von Engpässen, wie etwa mit einer vierten Gubriströhre, nicht als einzig mögliche Lösung des Stauproblems: «Vielmehr versuchen wir, mit neuen Verbindungen à la Glatttalautobahn überlastete Stellen wie den Nordring zu entlasten.» Ein Grossteil des Verkehrs am Gubrist entstehe durch Verkehrsteilnehmer aus der näheren Umgebung. «Daher würde auch eine grossräumige äussere Nordumfahrung das Problem nicht lösen», so Rohrbach.