Chicorée
Chicorée eröffnet am Mittwoch in Dietikon den ersten Schuhshop

Der Zürcher Kleider-Discounter Chicorée steigt ins Schuhgeschäft ein. Am Mittwoch eröffnet er im Löwencenter Dietikon den ersten Schuladen. Mit bis zu 50 geplanten Filialen sollen Dosenbach und Vögele Kunden abgejagt werden.

Benjamin Weinmann
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Jörg Weber, Chicorée-Gründer

Jörg Weber, Chicorée-Gründer

Goran Basic

Der 57-jährige Gründer der erfolgreichen Chicorée-Filialen, Jörg Weber, hat nicht genug. Nachdem die Schweizer Firma bisher internationalen Modekonzernen wie H&M und C&A Kunden abgeluchst hat, hat es Weber jetzt auf Vögele und Dosenbach abgesehen. «Am Mittwoch eröffnen wir unseren ersten Schuhladen im Löwencenter Dietikon», sagt Weber. Bis Ende Jahr werden es fünf sein. «Und in den nächsten drei bis fünf Jahren rechnen wir mit bis zu 50 Filialen.»

Webers Schritt überrascht, denn der Schuhmarkt ist stark umkämpft und verlagert sich zunehmend ins Internet. Zalando mit seinem Slogan «Schrei vor Glück!» lässt grüssen. Weber glaubt dennoch an seine Chance. «Wir haben in den vergangenen Monaten in einigen Filialen nebenbei auch Schuhe verkauft. Das kam sehr gut an.» Zudem stosse er mit den 177 Boutiquen langsam an eine Grenze. «Es ist ein starker Verdrängungswettbewerb im Gang. Der Preiskampf ist hart, wir verlieren wie die meisten an Marge. Auch Zara, H&M und C&A bieten mittlerweile T-Shirts schon bereits unter 10 Franken an», sagt Weber.

Dieses Jahr will Weber 15 neue Chicorée- und 10 neue Famous-Shops eröffnen. Famous ist Webers zweite Kleiderkette mit etwas teureren Preisen. «Wir haben noch einige weisse Flecken im Tessin und in der Romandie», sagt Weber. «Mit 200 Chicorée-Filialen haben wir dann aber Ende nächsten Jahres unser Marktpotenzial erreicht.» Zu den 850 Mitarbeitern kommen dieses Jahr 50 hinzu.

Billigschuhe ab 19 Franken

Ein «Chicorée Shoes» sei für Vermieter eine willkommene Alternative. Auch bei den Schuhen setzt Weber auf Billigstpreise für junge Frauen. «Wir beginnen bei 19 Franken und hören bei 59 Franken auf.» Die Ballerinas, Turnschuhe und Stiefel werden wie die Kleider vorwiegend in Fernost produziert. Und wie bei den Textilien will Weber auch bei den Schuhen möglichst rasch auf Modetrends reagieren. Die Schuhgeschäfte werden von Jörg Webers 25-jährigem Sohn Pascal geleitet. Sein 22-jähriger Sohn Mathias ist mittlerweile für den Einkauf in Europa zuständig.

«Wir nehmen die Chicorée-Konkurrenz ernst, denn jeder Baum wirft einen Schatten», sagt Max Manuel Vögele, Chef der Schuhgeschäfte Vögele Shoes, Max Shoes und Bingo Schuhdiscount, die zusammen rund 300 Millionen Franken erwirtschaften. Dosenbach-Ochsner bringt es auf rund 900 Millionen. «Wir vertrauen auf unsere Kollektionsbreite und auf die Kompetenz als Schuhspezialist», sagt Vögele. «Wir sind ein Vollsortimenter und profitieren von langjährigen Beziehungen zu unseren Lieferanten.» Zudem sei es nicht einfach, von null auf ein neues Filialnetz aufzubauen, da die guten Standorte nicht vom Himmel fallen würden. Die Konkurrenten im Internet, insbesondere Zalando, würden ihm mehr Sorge bereiten.

In Dietikon gegründet

Weber gründete Chicorée 1982 in Dietikon, die erste Filiale eröffnete er 1985 in Baden. 2000 zählte die Kette 23 Filialen. Dann drückte Weber das Expansionspedal durch. Heute sind es 177 Shops. Hinzu kommen 27 Famous-Shops, Webers zweite Kleiderkette mit leicht teureren Preisen. 2012 resultierte ein Umsatz von 148 Millionen Franken. Dieses Jahr sollen es 170 werden.

Chicorée ist eine Erfolgsstory – wenn auch nicht ohne Misstöne. Die Nichtregierungsorganisation «Erklärung von Bern» verglich 2010 die Standards der Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern von Modehändlern. Chicorée wurde in die schlechteste Kategorie «Verweigerer» eingeteilt, da man nicht an der Umfrage teilnahm.

Chicorée verweist seit Jahren auf die gleichen sozialen Projekte, eine Baubeteiligung von Trinkwasserbrunnen in Burkina Faso und eine Kläranlage in Indien. Das reicht der Erklärung von Bern nicht. Sie fordert mehr Transparenz, unabhängige Überprüfungen der Arbeitsbedingungen und Massnahmen zur Vermeidung von Überstunden sowie die Zahlung eines existenzsichernden Lohnes. Seit 2010 seien keine Fortschritte bekannt.