Spiel des Lebens

Das Geheimnis des Trainers: Auf Umwegen in die höchste Spielklasse

Handballerin Barbara Snedkerud blickt zurück auf ein entscheidendes Spiel um den Aufstieg in die Nationalliga A. Ein denkwürdiges Time-out bleibt ihr in besonderer Erinnerung.

Raphael Biermayr (Aufzeichnung)
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Barbara Snedkerud (hier in der LiZ-Redaktion) ist mit dem TV Uster in die NLA aufgestiegen.

Barbara Snedkerud (hier in der LiZ-Redaktion) ist mit dem TV Uster in die NLA aufgestiegen.

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Im Frühling 2000 stand ich mit Uster in den Aufstiegsspielen zur NLA. Im zweitletzten Spiel in der Buchholzhalle wussten wir: Wenn wir gewinnen, steigen wir auf. Gegen wen, weiss ich nicht mehr. Ich war damals 29 Jahre alt und Captain. Auf der Position hinten Mitte organisierte ich unser Spiel. Wir hatten ein junges, talentiertes Team – und gingen nervös in die Partie.

Spiel des Lebens

In der Rubrik «Spiel des Lebens» erzählen Persönlichkeiten aus der regionalen Sportszene von ihrem denkwürdigsten Wettkampf. Heute: Barbara Snedkerud (43), früher im TV Uster aktiv, heute wieder in ihrem Stammverein Dietikon-Urdorf.

Weil wir den Siegesdruck hatten, ging es nicht locker vom Hocker. Wir wollten unbedingt, ums ‹Verrode›. Es lief allen gar nicht nach Wunsch. Wir waren völlig angespannt. Bald zeichnete sich ab, dass wir nicht gewinnen werden. In der zweiten Halbzeit wussten wir bald: Dieser Zug ist abgefahren. Trainer Markus Jud versuchte uns dennoch zu motivieren.

Fünf Minuten vor Schluss nahm er ein Time-out. Unsere Köpfe hingen nach unten. Wir fragten uns, was er uns wohl sagen will: Wir sollen uns nicht aufgeben, oder uns mit Stolz verabschieden. Markus bestand darauf, dass wir alle nah zusammenrückten. Dann eröffnete er uns, dass wir trotzdem aufsteigen würden, weil sich Uni Bern zurückziehen würde. Er hatte das die ganze Zeit als Einziger gewusst.

Dann ging das Geschrei los, das Gejubel. Es war ein wirklich schöner Moment. Die Zuschauer hatten keine Ahnung, was los war. Die Mannschaft ging danach wie üblich zusammen zum Nachtessen und feierte da sehr, sehr freudig. Das Riesenfest folgte nach dem letzten Spiel in Uster.

Niemand nahm Markus Jud übel, dass er uns nicht von vornherein gesagt hatte, dass wir so oder so aufsteigen. Er wollte wohl, dass wir den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen. Wenn er vorher etwas gesagt hätte, hätten wir ja vielleicht deswegen nicht gewinnen wollen. Wahrscheinlich wollte er sich diesen Vorwurf nicht machen müssen.