Urdorf
Das war keine gute Idee: Autolenker fährt Polizei nach – am Stau vorbei

Auf der Autobahn hat ein findiger Autolenker einen Stau überwunden, indem er sich an die Fersen eines unter Blaulicht stehenden Polizeifahrzeugs heftete. Dafür wurde er nun gebüsst.

Attila Szenogrady
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An die Fersen der Polizei geheftet: Autolenker verurteilt. (Symbolbild).

An die Fersen der Polizei geheftet: Autolenker verurteilt. (Symbolbild).

Aargauer Zeitung

«Verbotenes Befahren einer Rettungsachse», lautet der selten gehörte Straftatbestand, der gestern für einmal das Bezirksgericht Dietikon beschäftigte. Verantwortlich dafür war ein heute 55-jähriger Autolenker aus dem Bezirk Horgen.

Der Kaufmann fuhr am 6. Mai 2015 mit seinem Personenwagen im Morgenverkehr bei Urdorf über die Autobahn A3 in Richtung Basel.

Der Beschuldigte war zu seinem Arbeitsplatz unterwegs und geriet kurz vor dem Honeret-Tunnel in einen Stau.

Es bildete sich ein dichter Kolonnenverkehr, und plötzlich tauchte von hinten ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht und Sirene auf. Wie vom Gesetz verlangt, begaben sich die Autolenker nach rechts oder links und bildeten auf diese Weise für den Streifenwagen eine Rettungsgasse.

Der findige Kaufmann hatte allerdings keine Lust zu warten und heftete sich sogleich an die Fersen des Polizeifahrzeugs. Er zeigte damit auf, wie man wirksam eine stehende Autokolonne überholen kann.

«Vage und lebensfremd»

Die Polizeipatrouille bemerkte das freche Manöver und hielt im Honerettunnel an, um den Schlaumeier zu stoppen und zur Rede zu stellen.

Dieser stellte sich unwissend und wurde zwei Monate später durch einen Strafbefehl des Statthalteramtes des Bezirks Dietikon aufgeklärt.

Demnach wurde er wegen fahrlässig verbotenen Befahrens einer Rettungsachse zu einer Busse von 500 Franken verurteilt.

Hinzu kamen die Verfahrenskosten von weiteren 430 Franken. Gemäss Strafbefehl war der Beschuldigte dem Polizeifahrzeug in einem viel zu geringen Abstand von zwei bis drei Wagenlängen gefolgt.

Der Autolenker erhob Einsprache und verlangte am Bezirksgericht Dietikon einen umfassenden Freispruch. Er zeigte sich überzeugt, dass sich die Polizeibeamten geirrt hätten.

So sei der Abstand viel grösser gewesen. Zudem könne von einer längeren Fahrt nicht die Rede sein. Dies wäre viel zu gefährlich gewesen, erklärte er.

Ohne Erfolg, da das Gericht seine Aussagen als zu vage und lebensfremd einstufte. Es folgte den Belastungen der Polizei sowie der Untersuchungsbehörde und brummte dem findigen Autolenker die verlangte Busse von 500 Franken auf. Hinzu kamen die Gerichtskosten von über 1000 Franken.

Beim gebüssten Kaufmann handelte es sich nicht um ein unbeschriebenes Blatt. So wurde er erst im letzten August vom Zürcher Obergericht wegen Verletzung von Verkehrsregeln sowie Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 140 Franken sowie zu einer Busse von 200 Franken verurteilt.

Laut Obergericht hatte der Beschuldigte mitten auf der Autobahn bei Adliswil seinen Personenwagen verlassen, um eine Autolenkerin zur Rede zu stellen.

Als diese sich aus Angst in ihrem Wagen verriegelte, schlug er mit seiner Faust auf den Kotflügel des Fahrzeugs ein und richtete einen Sachschaden von über 1000 Franken an.

Dieser Fall ist allerdings noch nicht rechtskräftig und beschäftigt gemäss den Angaben des Kaufmanns demnächst das Bundesgericht.