Dietikon

Der Geschmack der Gentechnik-Tomaten

Saatgut ist begehrt und steht im Spannungsfeld widersprüchlicher Interessen: Auf dem Biohof Fondli sind drei Referate zum Thema Ernährung gehalten worden.

Kathrin Fink
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Schmecken genmanipulierte Tomaten gleich wie herkömmliche? (Symbol)

Schmecken genmanipulierte Tomaten gleich wie herkömmliche? (Symbol)

Keystone

Ein Weizensamen scheint auf den ersten Blick etwas Simples zu sein. Doch so simpel ist er natürlich nicht, wie Ethiker Thomas Gröbly auf dem Fondlihof ausführte. Und er zeichnete die Geschichte des Saatgutes nach: Als der Mensch vor etwa 10 000 Jahren sesshaft wurde, haben Bauern und Bäuerinnen ein festes, dickes Samenkorn aus Gräsern gezüchtet.

Dabei standen sie vor zwei Problemen. Ein Samen in einem Gras ist so fein, dass er gleich davon fliegt, um neue Pflanzen wachsen zu lasen; nun musste er so gezüchtet werden, dass er an der Ähre haften bleibt. Und er soll nicht zu klein sein – er muss eine gewisse Grösse und Dichte besitzen.

Wie die Bauern und Bäuerinnen das gemacht haben, weiss man heute nicht. Es ist davon auszugehen, dass sie dies mit genauer Beobachtung und Intuition erreicht haben. Nachgewiesen ist das aber nicht. Wie es am Anlass auf dem Fondlihof hiess, könnten selbst heutige Gentechnologen, die an Pflanzen forschen, solch einen Vorgang nicht wiederholen. Sie seien auf die Vorarbeit ihrer Ahnen angewiesen.

Die Fragestellungen sind heute ohnehin anders – es geht um Konsum, Wachstum und Pestizide. Diese Punkte nahmen Ethiker Thomas Gröbly, Udo Schilling von der Organisation Longo Maï und Marianne Spiller, Gründerin des Sozial- und Umweltprojekts ABAI in Brasilien, kritisch auf.

Die drei sind auf einer Vortrags-Reise, die sie nun auf den Biohof Fondli in Dietikon gebracht hat. Am Mittwoch gelangen sie im Haus am Lindentor in Zürich an ihre letzte Station.

Die drei kommen allesamt von Organisationen, die sich für eine vielseitige Landwirtschaft und für Handelsfreiheit einsetzen – und sie sammeln Unterschriften für die Initiative für Ernährungssouveränität. Die Initiative verlangt unter anderem eine vielfältige, bäuerliche und gentechfreie Landwirtschaft sowie einen Markt mit mehr Transparenz.

Gröbly, Schilling und Spiller stehen damit natürlich in Opposition zu den bekannten Grosskonzernen. Schilling sprach etwa von Lügen der Konzerne. Und er führte Missernten an, die ausländische Bauer wegen genmanipulierten Samen eingefahren haben sollen. Um Gegensteuer zu geben, regte Schilling unter anderem an, inskünftig gezielt einzukaufen (Gemüse-Abo, Food-Cooperations).

Marianne Spiller war für den emotionalen Teil des Abends zuständig und zeigte Bilder von ihrem Projekt ABAI in Brasilien. Sie zeigte, wie Kindern der Umgang mit der Natur beigebracht wird, wie sie Samensorten kennenlernen und selbst anpflanzen. Auch Theater wird vor Ort gespielt – wobei die Bösewicht-Puppen mit «Bayer» und «Syngenta» angeschrieben sind.

Bei der anschliessenden Fragerunde stellte ein Herr in blauem T-Shirt eine Frage, die auf Interesse stiess: «Schmeckt eigentlich genmanipuliertes Essen anders, als nicht genmanipuliertes?»

Er sei sich sicher, dass die Tomaten früher aus dem Garten seines Vaters viel saftiger geschmeckt haben als jene, die er heute im Laden kaufe. Udo Schilling schüttelte den Kopf: «Es ist kein Problem, eine Frucht oder ein Gemüse so zu züchten, dass es sogar besser schmeckt als beim Bio-Bauern.»