Kantonsratswahlen

Die EVP will ihren Sitz von den Grünliberalen zurück

11 Parteien buhlen im Bezirk Dietikon um die Stimmen der Wähler – spannend wird vor allem sein, wie die Sitze geografisch verteilt werden. Die Wahlanalyse.

Sandro Zimmerli
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Die Sitze im Kantonsrat sind begehrt. Nun wollen auch die Piraten das Limmattal im Zürcher Rathaus vertreten.

Die Sitze im Kantonsrat sind begehrt. Nun wollen auch die Piraten das Limmattal im Zürcher Rathaus vertreten.

Marc Dahinden

Plakate entlang der Strassen, Flyer im Briefkasten und Standaktionen an belebten Plätzen sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass Wahlkampf ist. In einem Monat sind die Zürcherinnen und Zürcher dazu aufgerufen, den Kantonsrat zu wählen. 180 Sitze sind an diesem 12. April zu vergeben. Deren 11 stehen dem Bezirk Dietikon zu.
Die Plätze im Rathaus am Limmatquai sind begehrt. Insgesamt 102 Personen aus 11 Parteien wollen das Limmattal in den nächsten vier Jahren im Kanton vertreten, darunter sieben Bisherige. Erstmals mit dabei ist die Piratenpartei. Einen Sitz wird sie aber kaum holen.

Stärkste Partei im Bezirk Dietikon ist die SVP. Sie hält derzeit vier Sitze. Vieles spricht dafür, dass sich daran auch nach den Wahlen nichts ändern wird. Zwar hat die Partei nach ihrem Hoch 2007 an den letzten Kantonsratswahlen 2011 in der Wählergunst wieder etwas verloren. Im Bezirk Dietikon lag der Wähleranteil mit 36 Prozent aber immer noch deutlich über der 30-Prozent-Marke. Angesichts dieses hohen Stimmenanteils dürfte sie ihre Sitze also halten. Und das trotz des Rückzugs zweier prägender Figuren. Sowohl der Unterengstringer Willy Haderer, der seit 1991 im Kantonsrat politisiert, als auch der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug treten nicht mehr an.

Ihre Sitze sollen der Aescher Finanzvorstand Diego Bonato und der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender verteidigen. Angeführt wird die SVP-Liste von den beiden verbleibenden Bisherigen, dem Dietiker Gemeinderat Rochus Burtscher und dem Schlieremer Polizeivorstand Pierre Dalcher.

Die Grossen sind nicht gefährdet

Im Gegensatz zur SVP musste die SP 2007 einen Einbruch in Kauf nehmen. Ihr Wähleranteil sank damals gegenüber 2003 von 24,4 Prozent auf 17,7 Prozent. Dies war gleichbedeutend mit dem Verlust ihres dritten Sitzes. Vor vier Jahren konnte die SP dann wieder leicht zulegen, ohne aber den verlorenen Sitz zurückzugewinnen. Ihre grösste Anhängerschaft hat sie in den beiden Städten sowie in Urdorf und in Oberengstringen. Dort erreichte sie 2011 20 oder mehr Prozent Wähleranteil. Ihre beiden bisherigen Kantonsräte, Rolf Steiner und Rosmarie Joss, die die SP-Liste anführen, stammen denn auch aus Dietikon. Die zweitstärkste Limmattaler Partei dürfte ihre beiden Sitze wohl verteidigen.

Wie die SP hält auch die FDP zwei Kantonsratssitze. Allerdings haben auch die Freisinnigen einen gewichtigen Abgang zu verkraften. Die amtierende Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner tritt nicht wieder an. Ihren Sitz soll der Uitiker Jurist André Müller verteidigen. Er ist Mitglied der Uitiker Rechnungsprüfungskommission und figuriert auf der FDP-Liste auf dem zweiten Platz. Angeführt wird diese vom Schlieremer Gemeinderat Andreas Geistlich, der vor vier Jahren in den Kantonsrat gewählt wurde. Obschon die FDP auf Kantonsebene in den vergangenen Jahren stetig in der Wählergunst eingebüsst hatte und 2011 noch auf einen Wähleranteil von 12,9 Prozent kam, dürfte sie im Bezirk Dietikon ihre beiden Sitze halten. Denn hier ist sie um einiges stärker: Bei den letzten drei Kantonsratswahlen holte sie im Limmattal 16,2, 16,7 und 16,6 Prozent der Stimmen.

Die EVP will ihren Sitz zurück

Spannender wird es hinter den drei grössten Parteien. 2011 musste die CVP Federn lassen. Ihr Wähleranteil sank von 11 Prozent im Jahr 2007 auf 7,8 Prozent. Die Grünen, die letztes Mal zulegen konnten, erreichten mit 7,6 Prozent fast gleich viel. Ihren Wähleranteil nahezu verdoppeln konnten die Grünliberalen. Sie kamen 2011 auf 5,7 Prozent und gewannen damit einen Sitz auf Kosten der EVP, die auf 3,8 Prozent kam.

Diesen will die Evangelische Volkspartei nun zurückerobern, und zwar mit dem Oberengstringer Sozialvorstand Kurt Leuch. Jenem Mann also, der vor vier Jahren aus dem Kantonsrat abgewählt wurde.

Sollte der EVP die Rückeroberung des verlorenen Sitzes gelingen, dann wohl am ehesten auf Kosten der GLP. So müssen die Grünliberalen ohne ihren bisherigen Kantonsrat René Gutknecht auskommen; der Urdorfer tritt nicht mehr an. Den Sitz verteidigen soll der Schlieremer Gemeinderat Nikolaus Wyss. Zudem ist fraglich, ob die GLP nochmals so stark zulegen kann wie vor vier Jahren. Allerdings muss die EVP ihren Wähleranteil wohl auch steigern, um sich den Sitz zurückzuholen.

Auch bei den Grünen ist offen, ob sich der Wachstumstrend der vergangenen Jahre weiter fortsetzt. Sie treten mit Patricia Ljuboje als Spitzenkandidatin an, um ihren Sitz zu verteidigen. Die Urdorferin ist letzten November für den Dietiker Andreas Wolf in den Kantonsrat nachgerückt. Die CVP setzt auf den Bisherigen Josef Wiederkehr. Der ehemalige Dietiker Gemeinderat ist weit über den Bezirkshauport hinaus bekannt und dürfte seiner Partei den Sitz sichern.

Neben den Piraten werden auch die AL, die EDU und die BDP angesichts ihrer Wählerbasis im Limmattal kaum eine Rolle bei der Sitzverteilung spielen. Letztere tritt lediglich mit zwei Kandidaten an. Beide sind nicht im Bezirk wohnhaft.

Aesch hat gute Chancen

Grosse Verschiebungen unter den Parteien sind also eher unwahrscheinlich. Eine andere Frage ist, wie sich die geografische Sitzverteilung nach dem 12. April präsentieren wird. 9 der 11 amtierenden Kantonsräte stammen aus Dietikon, Schlieren oder Urdorf. Dort ist auch der Grossteil der 102 Kandidaten zu Hause. 33 wohnen in Dietikon, 18 in Schlieren und 14 in Urdorf.

Die rechte Limmatseite stellt derzeit zwei Vertreter im Kantonsrat. Allerdings handelt es sich dabei um die Sitze von Haderer und Haug, den beiden SVP-Politikern, die auf eine erneute Kandidatur verzichten. Dass auch künftig ein Kantonsrat aus Unterengstringen und einer aus Weiningen stammen wird, ist unwahrscheinlich. Mit Marcel Burch kandidiert nur ein Unterengstringer. Er nimmt den 11. Platz auf der FDP-Liste ein. Die aussichtsreichste Weininger Kandidatur ist jene von Yvonne Apiyo Brändle-Amolo. Sie belegt den 4. Listenplatz bei der SP. Dafür stehen die Chancen gut, dass Oberengstringen wieder mit einem Sitz im Kantonsrat vertreten ist. André Bender ist an 4. Stelle der SVP-Liste aussichtsreich platziert. Und auch Aesch darf sich Hoffnungen machen, bald wieder einen Kantonsrat zu stellen. Diego Bonato steht noch vor Bender auf Platz drei der SVP-Liste.