Wachstum

Dietikon will Pionierrolle einnehmen: Dialog zur Stadtentwicklung ist gestartet

Der neue Stadtentwicklungsdialog ist gestartet. Bringt sich die Bevölkerung ein, kann besserer Freiraum und mehr Quartierleben entstehen. «Innovation ist notwendig», sagt Stadtpräsident Roger Bachmann.

David Egger
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Dietikon wächst und wächst. Von 27 000 auf 30 000 Einwohner wird der nächste Schritt sein. Das Wachstum zeigt sich zurzeit beispielsweise auf dem letzten Baufeld im Quartier Limmatfeld (im Bild). Doch Wohnungen alleine machen noch keine lebendige Stadt. Hier setzt der Stadtentwicklungsdialog an. Die Methode ist neu, es gibt keine Erfahrungswerte aus anderen Städten dazu.

Dietikon wächst und wächst. Von 27 000 auf 30 000 Einwohner wird der nächste Schritt sein. Das Wachstum zeigt sich zurzeit beispielsweise auf dem letzten Baufeld im Quartier Limmatfeld (im Bild). Doch Wohnungen alleine machen noch keine lebendige Stadt. Hier setzt der Stadtentwicklungsdialog an. Die Methode ist neu, es gibt keine Erfahrungswerte aus anderen Städten dazu.

Nora Güdemann

«Das starke Wachstum bietet viele Chancen. Aber wir merken auch, dass es Sorgen und Ängste auslöst», sagt der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP). Der jahrelange Kampf um die Limmattalbahn lässt grüssen. «Die Stadt hat daraus Lehren gezogen», so Bachmann. Und hat einen Stadtentwicklungsdialog in die Wege geleitet. Die Stadt will damit das Interesse an der Entwicklung wecken, damit die Bevölkerung sich vermehrt einbringen kann.

Am Freitag trafen sich Vertreter der externen Büros Denkstatt und Buser erstmals mit der Begleitgruppe, die der Stadtrat einberufen hat. Neben Stadtpräsident Bachmann sind darin Severin Lüthy vom Stadtplanungsamt vertreten sowie der Standortförderer Adrian Ebenberger, die Kulturbeauftragte Irene Brioschi, der Leiter Jugend und Freizeit, Armin Strässle, sowie Léa Prêtre und Michael Duc von der Jugendarbeit, die Integrationsbeauftragte Sandra Razic und Michaela Tobler, Leiterin der Freizeitanlage Chrüzacher. Mit ihnen werden die externen Kräfte regelmässig Rücksprache nehmen. Die Zusammensetzung der Begleitgruppe zeigt: Es geht nicht nur um die planerische und bauliche Entwicklung, sondern auch um Themen wie Integration, Sport und Kultur.

«Stadtentwicklung in Echtzeit»

So richtig bemerkbar wird sich der Stadtentwicklungsdialog im Februar und März machen. Dann gehen die Teams von Denkstatt und Buser mit ihrem mobilen «Studio Dietikon» raus in die Quartiere, um mit der Bevölkerung zu sprechen und deren Ansichten auf Video festzuhalten. Der 30- bis 45-minütige Film, der daraus entsteht, soll im April öffentlich vorgeführt werden. Schon davor sollen die einzelnen Ausschnitte auf einer eigens dafür eingerichteten Website präsentiert und an einem noch zu bestimmenden Ort im öffentlichen Raum in Endlosschlaufe gezeigt werden.

«Der Stadtentwicklungsdialog soll in Echtzeit stattfinden und direkt veröffentlicht werden», sagt Lüthy vom Stadtplanungsamt. Aus den Gesprächen und dem öffentlichen Anlass werden sich Erkenntnisse ergeben, die bei einem zweiten Anlass vor den Sommerferien und einem dritten nach den Sommerferien gezeigt und diskutiert werden. Danach wird der Prozess mit einer Evaluation abgeschlossen – diese soll dann auch zeigen, wie es weitergehen soll.

«Quartierbelebung ist ein wichtiges Anliegen»

Die Vorbereitungen für den Stadtentwicklungsdialog laufen seit Oktober, der ganze Prozess dauert ein Jahr. Die Erkenntnisse daraus will die Stadt nutzen, damit die Bevölkerung beim kommunalen Richtplan, bei der Gestaltung des Parks in der Mitte des geplanten Niderfeld-Quartiers und bei anderen Freiräumen besser mitwirken kann. Zudem soll sich aus dem Prozess auch eine Dynamik ergeben, dank der sich künftig alle Quartiere besser in aktuelle Fragen einbringen, die die Stadt beschäftigen. «Die Quartierbelebung auch der alten Quartiere ist dem Stadtrat ein wichtiges Anliegen», sagt Bachmann.

Den Stadtentwicklungsdialog, wie er nun vorgesehen ist, hat so bisher noch keine Stadt durchgeführt, sagen die Verantwortlichen. Das Büro Denkstatt hat zwar jahrelange Erfahrungen damit, hat diese Art Prozess aber bisher vor allem bei Zwischennutzungen und Umnutzungen von Arealen angewendet. «Wir betreten Neuland und hoffen, damit eine Pionierrolle einzunehmen und dass es uns andere nachmachen werden», sagt Lüthy. Das Risiko, dass der Prozess scheitert, sei klein, weil sich die Verantwortlichen stets mit der Begleitgruppe absprechen. «Es gibt zudem einen projektunabhängigen Mehrwert für die Stadt. Wir bringen die Leute zusammen, um sich über die Stadt auszutauschen. Das ist eine Bereicherung für das Zusammenleben in Dietikon», sagt Lüthy. «Vielleicht werden wir uns manchmal den Kopf anschlagen, aber Innovation ist notwendig», fügt Stadtpräsident Bachmann an.

«Gestalten statt verwalten»

Im noch zu genehmigenden Budget 2019 ist der Stadtentwicklungsdialog mit 200 000 Franken aufgeführt. Letzte Woche wurde das Projekt dem Parlament vorgestellt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Es ist das erste Mal, dass das 2010 geschaffene Stadtplanungsamt externe Unterstützung erhält. Der Grund: Das Stadtplanungsamt ist zum Planen da. Zwar hat es auch versucht, eine Entwicklung zur Belebung der Quartiere zu starten. Doch sind die Versuche wie die Quartierspaziergänge oder Infoveranstaltungen auf sehr kleine Resonanz gestossen. Für andere Versuche, die einen grösseren Aufwand mit sich bringen, hat das Stadtplanungsamt keine Ressourcen – sonst würden seine täglichen Aufgaben unerledigt bleiben. «Wenn eine Stadt gestaltet statt nur verwaltet werden soll, braucht das eine Investition», sagt Stadtpräsident Bachmann.