Dreikäsehochs willkommen: Diese Bloggerin zeigt, wo Kinder auch mal kleckern dürfen

Kathrine Berger Meili aus Bergdietikon betreibt eine Website mit über 160 Gastrotipps für Familien in der ganzen Schweiz. Das Restaurant Gnadenthal in Niederwil bezeichnet sie als «Inbegriff der Kinderfreundlichkeit» — der Betrieb erhält sogar ein besonderes Label.

Sarah Kunz
Hören
Drucken
Teilen

Zwei Kronleuchter tauchen den Wintergarten in warmes Licht, die Tische sind gedeckt: helle Tischläufer, gefaltete Servietten, Weingläser. Das Restaurant macht einen noblen ersten Eindruck, wirkt ideal für ein romantisches Dinner zu zweit oder ein geschäftliches Abendessen.

Auf den zweiten Blick lässt sich aber ein Tripp-Trapp erkennen, in einer Ecke stehen Boxen mit Spielen drin – Memory, Duplo, Malsachen – und hinter der Glasfront liegt ein grosszügiger Spielplatz. «Dieses Restaurant ist der Inbegriff der Kinderfreundlichkeit», sagt Kathrine Berger Meili.

Sie muss es wissen: Seit sieben Jahren betreibt die Bergdietikerin die Website Food4Family.ch mit Gastrotipps für Familien im ganzen Land. Einer der über 160 erwähnten Betriebe ist das Restaurant Gnadenthal in Niederwil, in dem sie an diesem Nachmittag sitzt und an einem Glas Wasser nippt.

Früher gab es wenig Angebote für Familien

Dass Berger eine Liste mit kinderfreundlichen Restaurants führt, geht 15 Jahre zurück: «Ich war mit meiner neugeborenen Tochter in Zürich unterwegs und wollte in der Nähe vom Sechseläutenplatz einen Kaffee trinken gehen», erzählt die 53-Jährige. «Gleichzeitig musste ich auch einen Wickelplatz finden.» Damals war sie ahnungslos, wo sie in Zürich einen Wickeltisch hätte finden können.

Deshalb fing sie an, kinderfreundliche Betriebe zu suchen und aufzulisten. Das heisst: Betriebe, die Wickelmöglichkeiten, Kindersitze und Beschäftigungen für Kinder, wie ausmalbare Tischsets, anbieten. Früher seien Familien seltener mit Kindern in Restaurants gegangen. «Und wenn, dann wurde von den Kindern erwartet, dass sie still am Tisch sitzen und sich benehmen.» Heutzutage dürften Kinder eher Kinder sein. Berger ist überzeugt:

Wenn Kinder sich in einem Restaurant wohl fühlen und sich beschäftigen können, dann können es auch die Eltern geniessen.

(Quelle: Kathrine Berger Meili, Gastro-Bloggerin)

Dieser Meinung ist auch Andreas Grossmann, Leiter Hotellerie des Pflegezentrums Reusspark, zu dem das Restaurant Gnadenthal gehört. «Ich bin selbst Familienvater. Deshalb weiss ich, was sich Eltern und Familien wünschen.» Seit drei Jahren ist das Restaurant auf Bergers Website aufgeführt.

«Wir waren zu dieser Zeit sowieso ein neues Konzept am aufgleisen», sagt Grossmann. Per Zufall sei er auf Bergers Website gestossen und habe mit ihr Kontakt aufgenommen. «Ihre Erfahrung war sehr wertvoll. Sie gab uns viele Tipps, wie wir unser Restaurant kinderfreundlicher gestalten konnten.»

Für sehr kinderfreundliche Betriebe gibt es ein Label

Mittlerweile habe sich das «Gnadenthal» einen Namen bei Familien gemacht. «Vor allem, dass Eltern im Wintergarten einen Kaffee trinken und gleichzeitig ihre Kinder auf dem Spielplatz im Auge behalten können. Das wird sehr geschätzt», sagt Grossmann.

Kathrine Berger nickt bekräftigend. «Deshalb seid Ihr ja ein Paradebeispiel», sagt sie zum Reusspark-Leiter gewandt. Zudem seien die Preise für die Kindermenüs sehr günstig. Auf dem Gelände des «Gnadenthals» gibt es ausserdem einen Streichelzoo mit Mini-Pigs, Kaninchen, Geissen und Eseln.

Berger hat das Restaurant mit dem Gütesiegel «sehr kinderfreundlich» ausgezeichnet. Dieses Label erhalten nur Restaurants, die vorgegebene Kriterien erfüllen: So muss zum Beispiel ein Spielplatz, eine Spielecke oder ein Spielzimmer vorhanden sein. Zudem sind mindestens drei verschiedene Kinderspeisen anzubieten, eine davon mit Vitaminen.

Am meisten Angebote gibts im Limmattal, im Freiamt und rund um Baden

Im Limmattal gibt es derzeit kein Restaurant, das Bergers Label trägt. Mehrere Restaurants bewertet sie auf ihrer Website aber als «kinderfreundlich»: die «Tomate» in Dietikon, das «Werd» in Geroldswil, der «Steinerhof» in Urdorf und der «Herrenberg» in Bergdietikon.

Ins Restaurant Herrenberg ist Berger am häufigsten eingekehrt, zumal es auch gleich bei ihr «um die Ecke» liegt. Der «Herrenberg» hat einen neu renovierten Spielplatz und eine grosse Terrasse, von der aus Eltern die Kinder beim Spielen überwachen können. «Das ist für Eltern immer ein grosser Vorteil», sagt Berger. Zudem lockt das Gasthaus mit einem Tiergehege.

Im Kanton Aargau ist das «Gnadenthal» das einzige Restaurant, das dieses Label trägt. Berger listet aber weitere Betriebe als kinderfreundlich auf: Im Freiamt sind es das Restaurant JoJo in Bremgarten und die Brasserie Terrasse sowie die Wirtschaft zum Stutz in Widen. Auch in Baden, Lenzburg und Frick gibt es familientaugliche Restaurants.

Einzig in der Kantonshauptstadt sieht es spärlich aus: «Meines Wissens bietet kein Betrieb in der Nähe von Aarau überzeugende Angebote für Kinder», sagt sie. Alle Vorzüge der Betriebe sowie die Menüs und Fotos hält Berger jeweils in einem Steckbrief und einem Bericht auf ihrer Website fest.

Diese Restaurants im Zürcher Limmattal sowie im Kanton Aargau stehen im Gastro-Führer von Kathrine Berger Meili:

Eltern müssen auch ihren Teil dazu beitragen

Sich selbst bezeichnet Berger als «bunten Vogel»: Nach einem Psychologiestudium arbeitete sie sechs Jahre in diversen Werbeagenturen und absolvierte eine Therapie-Ausbildung. All dies könne sie nun in ihrer Tätigkeit nutzen. Auch wenn sie selbst nicht mehr auf kindertaugliche Restaurants angewiesen ist, möchte sie solche Angebote doch fördern. «Die Wirte realisieren immer mehr, dass Familien eine wichtige Zielgruppe sind.»

Andreas Grossmann fügt an: «Familien konsumieren oft viel. Je besser es den Kindern gefällt, desto länger bleiben sie sitzen.» Aber noch immer seien viele Gastronomen skeptisch, haben Angst, dass Familien andere Gäste vertreiben. «Dabei geht das gut aneinander vorbei», sagt Grossmann. «Das Fördern einer Zielgruppe muss nicht unbedingt das Vernachlässigen anderer Gäste bedeuten.»

Das Fördern einer Zielgruppe muss nicht unbedingt das Vernachlässigen anderer Gäste bedeuten.

(Quelle: Andreas Grossmann, Leiter Hotellerie Reusspark)

Damit das aber funktioniert, seien auch die Familien gefragt: «Ich weiss von Restaurants, denen Spielsachen geklaut oder kaputt gemacht wurden», sagt Berger. Gastronomen bemängeln auch, dass gewisse Eltern ihre Kinder zu wenig beaufsichtigen oder eine Unordnung hinterlassen. «Für die Wirte ist das nicht lässig», sagt Berger. «Die Eltern sind genauso gefragt wie die Gastronomen, wenn das Angebot weiterhin bestehen und gefördert werden soll.»

Wie wichtig Bergers Arbeit ist, hat auch die Migros erkannt. Seit bald drei Jahren veröffentlicht sie ihre Gastrotipps auch auf ­Famigros. Noch gibt es aber Luft nach oben: «Ich wünsche mir eine Zusammenarbeit mit dem Verband Gastro-Suisse oder einen Führer über alle möglichen Betriebe, die Familien willkommen heissen», sagt Berger. «Das wäre mein Traum.»

Restaurants mit dem Food4Family-Gütesiegel

Restaurants, die sich durch besondere Kinderfreundlichkeit auszeichnen, können das Food4family–Gütesiegel erwerben. Diese Schweizer Restaurants sind mit dem besonderen Label von Kathrine Berger Meili zertifiziert:

- Swiss-Chalet Restaurant, 6402 Merlischachen (SZ)

- Ausflugsrestaurant Seedorf, 6462 Seedorf (UR)

- Ristorante Santa Lucia, 8055 Zürich-Wiedikon

- Ausflugsrestaurant Park am Rheinfall, 8212 Neuhausen a. Rheinfall (SH)

- Restaurant McDonald's, 8004 Zürich-Stauffacher

- Restaurant Schifflände, 8124 Maur (ZH)

- Restaurant Dieci, 8044 Zürich-Fluntern

- SPIGA Ristorante Löwenstrasse, 8001 Zürich-City

- SPIGA Ristorante Eisengasse, 4051 Basel

- Pizzeria Choucas, 3954 Leukerbad (VS)

- Familienrestaurant Dany's, 6438 Ibach (SZ)

- Pizzeria Giardino, 3954 Leukerbad (VS)

- Restaurant Diemerswil, 3053 Diemerswil (BE)

- Restaurant Gnadenthal, 5524 Niederwil (AG)