Oberengstringen

Ein 80-Jähriger lernt Hip-Hop lieben

Hip-Hop und Klassik, Jung und Alt aufeinander: Die Gruppe Theater 58 aus Zürich trat in Oberengstringen mit dem Stück «Kiki van Beethoven» auf. Bei der Inszenierung konnten sich sogar Regisseur und Darstellerin für die Musik der Jugend begeistern.

Senada Haralcic
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Kiki und Bob begegnen sich zufällig auf einer Parkbank.

Kiki und Bob begegnen sich zufällig auf einer Parkbank.

Senada

Eine ältere Frau, ein junger Typ und eine Parkbank – mehr ist nicht zu sehen auf der Bühne des Zentrumssaals in Oberengstringen. Und das während der ganzen Vorführung. Das von der Gruppe Theater 58 aus Zürich – sie wurde von der Kulturkommission eingeladen – inszenierte Stück «Kiki van Beethoven» sprach andere Sinne als das Sehen an. Vor allem das Gehör. Denn wie im Namen schon angetönt wird, handelt das Stück von einer älteren Frau, die eine besondere Leidenschaft zur Musik von Beethoven pflegt.

Was keiner zu Beginn der Vorführung ahnt: Kiki, wie die Frau heisst, entdeckt durch eine zufällige Begegnung mit dem jungen Bob Hip-Hop und damit auch die Jugendlichen. Ähnliches erlebte die Hauptdarstellerin selbst auch: «Für mich war es unglaublich spannend, mich mit Hip-Hop auseinanderzusetzen», sagt die 60-jährige Dagmar Loubier.

Das Spannungsfeld zwischen den verschiedenen Musikrichtungen und das Aufeinanderprallen der Generationen sei ein provokantes, dennoch sehr wichtiges Thema für die Gesellschaft. «Diese Barriere ist menschlich», sagt Loubier nachdenklich. «Einen Graben zwischen Jung und Alt gab es schon immer. Schon die alten Griechen kritisierten die Jugend». Dabei geht es in dem Stück des belgischen Autors Éric-Emmanuel Schmitt gerade auch um die Gemeinsamkeiten, von denen beide Seiten profitieren können.

«Ich finde Schmitt ist einer der wenigen Autoren, der mit geringem Aufwand der Gesellschaft etwas Wichtiges sagen kann», so der Regisseur des Theaters 58, André Revelly. Es sei schon das dritte Werk, das er von Schmitt inszeniert habe. «Jung und Alt lernen voneinander», beschreibt Revelly das Stück. «Hip-Hop steht plakativ für die Jugend, es ist wie eine neue Form der Bewegung, während das früher die klassische Musik war», so der 80-Jährige. Er erwähnt dabei auch seine persönliche Auseinandersetzung: «Ich habe festgestellt, dass sich die Jugend von vielen Konventionen gelöst hat. Sie ist körperbetonter, freier als damals», erzählt der Regisseur, wobei er gleich anfügt, dass er das sehr positiv finde. «Ich bin kein Hip-Hopper, aber es fiel mir nicht schwer, diese Musik zu hören, zu fühlen und zu interpretieren».

Auch Hauptdarstellerin Loubier greift in ihrer Freizeit eher zu einer klassischen Platte als zu Hip-Hop: «Ich höre mir gerne Opern an, das mache ich sehr bewusst. Dann setze ich mich hin und geniesse die Klassik.» Auf der Bühne zeigte sie jedoch als Kiki, dass sie sich auch zu Hip-Hop bewegen kann: «Ja, wir haben sehr oft während der Proben Hip-Hop gehört, und es gefällt mir», sagt die 60-Jährige ein wenig schmunzelnd.