Limmattalbahn

«Ein Millimeter Abweichung reicht und wir machen das Ganze noch einmal»: So gerät die Bahn nicht auf das falsche Gleis

Auch bei Tageslicht sind die Schweissarbeiten der Gleisbauer in der Schlieremer Zürcherstrasse ein Spektakel.

Fabienne Eisenring
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Die dritte Bauphase der 1. Etappe der Limmattalbahn ist in vollem Gange
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Walo-Bauführerin Aline Danner bespricht sich mit einem Gleisbauer aus der Vormittagsgruppe. Derzeit ist die dritte Bauphase der 1. Etappe der Limmattalbahn in Schlieren im Gange.
 Das ist Millimeterarbeit: Vor dem Schweissen werden die Schienen mithilfe einer Winde auf exakt dieselbe Höhe gehoben.
 Sie schaut vor Ort, dass alles nach Plan läuft: Walo-Bauführerin Aline Danner.
 Dieser Plan zeigt die Auto-Überfahrt an der Zürcherstrasse. Links (grüner Bereich) wird dereinst Grüntrassee sein, rechts (rötlich) die Haltestelle der Limmattalbahn.
 Der Stoss wird mit einer Form umschlossen und diese daraufhin mit Sand eingepackt. Dahinein läuft danach der flüssige Stahl.
 Innert Sekunden wird das Thermitgemisch im Kübel auf 2300 Grad Celsius erhitzt.
 Die Thermitmischung im Kübel wird entzündet. Der Stahl schmilzt daraufhin und ergiesst sich in die darunter fixierte Form.
 Mit Zangen entfernen die Gleisbauer den überflüssigen Stahl.
Der überflüssige Stahl wird mithilfe einer hydraulischen Maschine abgeschert und das noch glühende Metall entfernt. Mit einem kleinen Abbauhammer wird die verschweisste Stelle nachbearbeitet.
 Diese Jüstierschrauben kommt zum Einsatz, wenn die Schienenstücke mithilfe einer Winde auf gleiche Höhe angehoben werden.
Da sich Schienen in der Sommerhitze ausdehnen, ist ein sogenanntes "Schwäbli", ein Abstandhalter zwischen den Schienen, sehr wichtig.
 Um Schienen anzuheben benutzen die Gleisbauer eine Winde.
 Schweisser Michael Reuter bearbeitet den verschweissten Stoss mit einem kleinen Abbauhammer.
 Schweisser Michael Reuter bearbeitet den verschweissten Stoss mit einem kleinen Abbauhammer.
So sehen die verschweissten Schienenenden auf der Zürcherstrasse nach den Schleifarbeiten aus. Zu sehen ist eine Rillenschiene, die dereinst ganz im Boden eingebettet sein wird, sodass sie Autos queren können.

Die dritte Bauphase der 1. Etappe der Limmattalbahn ist in vollem Gange

Fabienne Eisenring

Metall trifft auf Metall, ein kreischendes Geräusch, Funken regnen auf den Schotter – konzentriert führt Michael Reuter die Schleifmaschine MP6 der Schiene entlang. Während an der Street Parade am Samstag die Bässe dröhnen, geben an der Schlieremer Zürcherstrasse Presslufthammer und Schleifmaschinen den Takt an. Am Knotenpunkt von Wagi-, Allmend- und Zürcherstrasse sind die Gleisbauarbeiten für die Limmattalbahn seit Freitag 20 Uhr im Gange.

Zu beiden Seiten der Baustelle rauscht der Verkehr vorbei. «Hier haben wir Gleisbauer weniger Platz als auf dem Stadtplatz. Dafür sind wir alleine», sagt Walo-Bauführerin Aline Danner vor Ort. Es ist 13 Uhr. Ein Dutzend Gleisbauer, vier Schweisser und zwei Hilfsarbeiter schuften unter der erbarmungslosen Sonne. Alle tragen sie orange Schutzkleidung, Helme, Gehörschutz, die Schweisser zusätzlich Handschuhe und Schutzbrillen. Einer nimmt seinen Helm ab und fächelt sich Luft zu. Danner wechselt mit ihm einige Worte auf Portugiesisch. Beide lachen.

Wo dereinst Autos das Gleis-Trassee queren, kommen von der Verkehrsbetriebe Zürich vorgebogene Rillenschienen mit einem 100-Meter-Radius zum Tragen, die gänzlich im Belag eingebettet sein werden. Etwas wie «Spaghetti» sähen diese Schienen aus, meint Danner. Doch, erst müssen sie (an)gerichtet werden, bevor die Schweisser sich ans Werk machen können. «Ein Millimeter Abweichung reicht und wir machen das Ganze noch einmal», sagt Reuter. Danner bewahrt Ruhe: «Bisher verläuft alles nach Plan.» Sie berechne genug Zeit ein, um auf Verzögerungen vorbereitet zu sein.

Die am Samstag bearbeitete Strecke umfasst drei je 18 Meter lange Geleisabschnitte. Das heisst: Da pro Schienenstoss eine Schweissung nötig ist, stehen der Gleisbau-Mannschaft insgesamt deren acht bevor. Meist werde während der Nacht geschweisst, so Danner, da Schienen in der Hitze bis zu zehn Zentimeter ausbrechen können. «Da es letzte Woche abkühlte, geht es heute aber am helllichten Tag.» Vor dem Verschweissen zweier Schienenenden gibt es einige Vorarbeit zu leisten: Einerseits werden die Schienen mithilfe einer Winde auf exakt dieselbe Höhe angehoben. «Die Arbeit auf dem Bau wirkt roh, dabei ist es Millimeterarbeit», kommentiert Danner. Daneben werden die Schienenenden auf dieselbe Temperatur erhitzt. So gibt es keine unsauberen Stellen, die im Winter brechen.

«Die Arbeit auf dem Bau wirkt roh, dabei ist es Millimeterarbeit.»

- Aline Danner, Walo-Bauführerin

Dann packen die Arbeiter die Schienenenden in eine Form und decken diese rundum mit Sand ab. Ein Kübel, gefüllt mit einer Thermitmischung, wird auf die Form gestellt – und angezündet. Innert weniger Sekunden erhitzt sich das Gemisch auf 2'300 Grad Celsius und ergiesst sich, gleissend hell und glühend heiss, in die Form. «Wasser sollte da nicht im Spiel sein. Das könnte sofort explodieren», erklärt Danner. Nun muss es rasch gehen: Mit Zangen wird der überflüssige Stahl entfernt und die verschweisste Stelle mit einem Abbauhammer nachbearbeitet. Schliesslich erhält sie den Grob- und Feinschliff. Zwei Stunden sind inzwischen verstrichen. Viel bleibt noch zu tun. Beim Eindunkeln werden die Gleisbauer von der nächsten Schicht abgelöst. Bis montags um 10 Uhr wird ihre Arbeit an der Zürcherstrasse abgeschlossen sein.