Geroldswil
Bluesmusiker Zöbeli lernte als Kind Geige spielen: «Ich war schon immer ein Romantiker»

Der Geroldswiler Ralph Zöbeli, 58, spielt als Bluesmusiker und Event-Organisator auf verschiedenen Hochzeiten. Am 18. November tritt er mit seiner Combo Four for the Blues im Schlieremer Stürmeierhuus auf.

Ruedi Burkart
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Wohnt hoch über dem Limmattal: der Geroldswiler Bluesmusiker Ralph Zöbeli.

Wohnt hoch über dem Limmattal: der Geroldswiler Bluesmusiker Ralph Zöbeli.

Ruedi Burkart

Anfang der 1980er-Jahre machte sich die internationale Musikszene auf den Weg in die Zukunft. In den USA verdrängte Disco die No-Future-Bewegung der Punks, Synthesizer-Sounds kamen in Mode. Elvis Presley, König des Rock’n’Roll, war tot, Ex-Beatle John Lennon wurde im Dezember 1980 in New York von einem Fan erschossen, Reggae-Übervater Bob Marley starb 1981 an Krebs – kurz: Vieles war in Bewegung geraten. In Deutschland begaben sich die Bands der «Neuen Deutschen Welle» in die Startblöcke, doch das ist eine ganz andere Geschichte.

Genau in dieser wilden Zeit befand sich ein Limmattaler in den Vereinigten Staaten und erweiterte dort seinen musikalischen Horizont. «Auf dieser Reise entdeckte ich die Liebe zum Saxofon», sagt ebendieser damalige Teenager mit Namen Ralph Zöbeli, der heute 58-jährig ist und seit vielen Jahren sein Geld mit der Musik verdient. Zöbeli:

«Dass ich mein Hobby zum Beruf machen durfte, zaubert mir immer wieder von neuem ein Lächeln ins Gesicht.»

Als Zöbeli damals als knapp 20-jähriger Bursche mit vielen Vorstellungen und wenig Geld in der Tasche über den Atlantik retour in die Schweiz flog, war er zwar reich an Ideen. «Aber finanziell war da nicht viel los», sagt er im Rückblick. Also liess er sich anstellen, ging einem bürgerlichen Job in einer Werbeagentur nach. Ab 1988 arbeitete Zöbeli beim international tätigen Freddy-Burger-Management (FBM). Es war die grosse Zeit von Pepe Lienhard, 75, und Udo Jürgens (1934–2014), beide Megastars standen respektive stehen unter Vertrag bei FBM. «Mit Lienhard und Jürgens hatte ich damals allerdings nichts zu tun», so Zöbeli, «aber ich erhielt einen Einblick in die Showszene und das Event-Management. Ich habe enorm viel für die Zukunft lernen dürfen».

Nach zehn Jahren zog Zöbeli weiter und machte sich selbstständig. Er gründete die Firma Zöbeli Events & Artists und machte sich damit als Event-Organisator einen Namen. Zudem gleiste er verschiedene musikalische Projekte auf. Zöbeli, er spielt Saxofon und Kontrabass, tritt in verschiedenen Formationen auf. Sei es als Solo-Interpret oder dann mit einer seiner Formationen. Mit der Combo Four for the Blues wird Zöbeli am 18. November im Stürmeierhuus ein abendfüllendes Konzert geben. Zöbeli:

«Auf diesen Auftritt in Schlieren freue ich mich besonders. Es ist immer speziell, in der Heimat spielen zu können.»

Apropos Heimat: Seine Kindheit hat der 1963 geborene Ralph Zöbeli in Dietikon verbracht. «Ich ging damals ins Zentralschulhaus, wo auch schon mein Vater zur Schule gegangen ist», blickt er zurück. Auf die Anmerkung des Journalisten, dass sein Lieblingsfach wohl Musik gewesen sein müsse, antwortet Zöbeli mit einem Schmunzeln: «Ja, aber Rechnen hatte ich auch ganz gerne.» Jahre später sollte er auf einer Bank eine KV-Lehre absolvieren.

Am E-Bass in der Musikszene der 1980er-Jahre

Auch wenn er in jungen Jahren Geige spielen lernte («ich war halt schon immer ein Romantiker»), nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit mischte er gegen Ende der 1970er-Jahre und in den frühen 1980er-Jahren mit verschiedenen Bands die regionale Musikszene auf. Geige spielte Zöbeli damals natürlich nicht mehr, sondern E-Bass. In jener Zeit trat er auch mit einem gewissen Jean-Pierre von Dach auf. Für Laien: Von Dach, wie Zöbeli ein Dietiker, spielt bei der Walliser Rockröhre Sina Gitarre und ist auch bei der Zürcher Band Gigi Moto als Gitarrist und Songschreiber aktiv. «Das war eine gute, eine intensive Zeit damals», blickt Zöbeli mit einem Lächeln über 40 Jahre zurück.

Anfang der 1980er-Jahre, als die Haare noch lang und lockig waren: die Band Print mit Ralph Zöbeli, Serge Panoff und Daniel Fäsch (von links).

Anfang der 1980er-Jahre, als die Haare noch lang und lockig waren: die Band Print mit Ralph Zöbeli, Serge Panoff und Daniel Fäsch (von links).

zvg

Seit ein paar Jahren wohnt Zöbeli wieder im Limmattal. In Geroldswil hat er sich hoch über dem Tal in einer Wohnung häuslich eingerichtet. Er sagt mit einem Schmunzeln:

«Zum Glück habe ich hier verständnisvolle Nachbarn. Mit einem Musiker gleich nebenan zu wohnen, das ist nicht für jeden.»

Er veranstalte zwar nicht Abend für Abend laute Jamsessions auf dem lauschigen Gartensitzplatz, «aber ab und zu gibt mein Saxofon schon den einen oder anderen Ton von sich».

So wie jüngst, als Sängerin Janet Dawkins für eine spontane Videoaufzeichnung bei ihm zu Hause war. Apropos: Die gebürtige Engländerin sang früher unter anderem bei der Pepe-Lienhard-Band und der Zürcher Band Jo Geilo Heartbreakers. Sie tourte mit Udo Jürgens und ist mit Topacts wie Kool and the Gang («Cherish») und Céline Dion auf der Bühne gestanden. Dawkins ist nicht nur Mitglied in der Combo Four for the Blues, sie war früher mit Zöbeli verheiratet, die beiden haben eine 26-jährige gemeinsame Tochter.

Four for the Blues: Greg Galli, Janet Dawkins, Ralph Zöbeli und Felix Zindel (von links) treten am 18. November in Schlieren auf.

Four for the Blues: Greg Galli, Janet Dawkins, Ralph Zöbeli und Felix Zindel (von links) treten am 18. November in Schlieren auf.

zvg

Auf die Frage des neugierigen Journalisten, warum sich Ralph Zöbeli nie einen Künstlernamen zugelegt hatte, antwortet dieser mit einem Schmunzeln:

«Einen Künstlernamen? Ach, Sie meinen wegen des Zöbeli? Nun, hätte ich eine internationale Karriere angestrebt, dann wäre ein Künstlername tatsächlich eine Option gewesen. Aber als Schweizer Künstler in der Schweiz passt das schon.»

Natürlich hatte der Geroldswiler sowohl als Musiker als auch als Organisator von Anlässen während der vergangenen eineinhalb Jahre coronabedingt wenig zu tun. Aber langsam kehrt auch in der Kultur das Leben zurück. «Ich darf nicht klagen, es geht mir ziemlich gut», sagt Zöbeli. Zu schaffen machten ihm in erster Linie die unsichere Lage und die Perspektivlosigkeit während langer Zeit. Doch jetzt ist vieles anders. So macht sich Zöbeli just nach dem Gespräch mit dem Journalisten der «Limmattaler Zeitung» auf zu einem Auftritt. Eine Firma buchte ihn kurzfristig für einen internen Anlass als Solokünstler.

Four for the Blues in Schlieren

Konzert am Donnerstag, 18 November

Den Aufritt im Stürmeierhuus in Schlieren bestreitet Ralph Zöbeli mit seinem Livequartett Four for the Blues. Diese Combo sei keine reine Bluesformation, sagt der Saxofon-Spieler. «Wir bieten Unterhaltungsmusik erster Güte mit Swing, Bossa Nova, Jazzstandards und Soul-Klassikern. Gespielt werden die beliebtesten Kompositionen und Perlen der Musikgeschichte.» Nicht nur er freut sich auf den Auftritt in der engeren Heimat, auch die Zuhörerinnen und Zuhörer dürfen sich auf einen tollen Abend freuen, so Zöbeli.

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