Schlieren

«Nicht hinreichend begrünt»: Stadtrat wehrt sich gegen die vom Kanton geplante Lärmschutzwand

Die vom Kanton geplante Lärmschutzwand an der Kesslerstrasse gefällt dem Schlieremer Stadtrat nicht. Sie ist ihm zu grau. Er erhebt deshalb Einsprache.

Oliver Graf
Drucken
Teilen
An der Kesslerstrasse wird eine Lärmschutzwand gebaut.

An der Kesslerstrasse wird eine Lärmschutzwand gebaut.

Alex Rudolf

Es sei zentral, dass die Lärmschutzwand an der Kesslerstrasse gut gestaltet sei, hält der Stadtrat von Schlieren in seiner Einsprache fest. Sie müsse deshalb auch strassenseitig hinreichend bepflanzt oder berankt werden. Dies vermisst der Stadtrat am kantonalen Projekt, obwohl er auf diesen Punkt bereits in einer Stellungnahme vor zwei Jahren hingewiesen hatte. Damals hatte er eine «siedlungsverträgliche und qualitativ hochstehende Gestaltung» verlangt.

«Die Unterlagen des nun vorliegenden Auflageprojekts zeigen, dass die strassenseitige Bepflanzung absolut minimal erfolgt», kritisiert der Stadtrat. Vorgesehen ist gemäss den Angaben des kantonalen Tiefbauamtes, dass dieses auf seine Standardbepflanzung «TBA ZH Typ A+B (Ansaat gemäss VSS-Norm mit Einzelsträuchern)» setzt.

Da die Kesslerstrasse gemäss Verkehrsrichtplan sogenannt siedlungsorientiert zu gestalten sei, könne einer solchen Lösung nicht zugestimmt werden, hält der Schlieremer Stadtrat in seinem Schreiben an die kantonale Baudirektion fest. Er verlangt deshalb, dass sie die rund 80 Meter lange Lärmschutzwand etwas schöner gestalte. «Eine nicht hinreichend begrünte Lärmschutzwand wird dezidiert abgelehnt.»

Dass im Zuge der Arbeiten vorgesehen ist, dass die heute bestehenden Reklameelemente entfernt werden, begrüsst der Stadtrat hingegen.

Mauern nur im Ausnahmefall

Grundsätzlich ist der Stadtrat von der Lärmschutzwand aber auch bei einer schönen Gestaltung wenig begeistert. Derartige Anlagen würden immer eine erhebliche Höhe aufweisen, zudem würden sie konstruktionsbedingt auch stets trennend wirken, hält er fest. Dem stehe aber gegenüber, dass die betroffenen Anwohner gut vor Strassenlärm geschützt werden könnten. «Die Abwägung zwischen städtebaulichen Anlagen und optimiertem Lärmschutz ergibt, dass für den konkreten Fall an dieser Lage eine Lärmschutzwand mit beschränkter Länge ausnahmsweise infrage kommt.» Dies dürfe aber nicht als Präjudiz für weitere Lärmschutzwände an Kantonsstrassen missverstanden werden, betont der Stadtrat gegenüber dem Kanton. «Jeder Einzelfall ist diesbezüglich gut abzuwägen.»

Die geplante Holzlärmschutzwand an der Kesslerstrasse, die im Bereich Kleinzelglistrasse 41 vorgesehen ist, wird von der kantonalen Baudirektion realisiert. Der Kanton trägt auch die Kosten für deren Bau, wobei der Bund Beiträge leistet. Die Wand wird, auch wenn diese auf Privatgrund zu stehen kommt, im Eigentum des Kantons Zürich bleiben.

Die 30-tägige Einsprachefrist ist mittlerweile abgelaufen. Das Tiefbauamt wird entscheiden, ob die eingegangenen Einsprachen bei der Festsetzung noch ins Projekt einfliessen. Wie die Medienstelle der Baudirektion bei Planauflage vor einem Monat erklärte, will sie noch in diesem Sommer mit den Bauarbeiten beginnen. Ende Jahr könnte die Wand, die rund 30 Bewohner in 9 Wohneinheiten vor übermässigem Lärm schützen soll, erstellt sein.