Dietikon

René Gubelmann und Koni Grimm haben ihre neue Ausstellung innert einer Stunde geplant

In einer Ausstellung treffen Fotografien des Geroldswiler Arztes Koni Grimm auf die Werke des Künstlers René Gubelmann aus Dietikon. Die beiden Freunde kreierten einen künstlerischen Dialog für nur einen Tag

Daniel Diriwächter
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Koni Grimm und René Gubelmann diskutieren lebhaft über das gemeinsames Bildpaar hinter ihnen an der Wand.

Koni Grimm und René Gubelmann diskutieren lebhaft über das gemeinsames Bildpaar hinter ihnen an der Wand.

Daniel Diriwächter

Als der Geroldswiler Arzt Koni Grimm einst mit seiner Frau Mexiko bereiste und in Oaxaca de Juárez einen Freund aus Studienzeiten besuchte, fesselte ihn die Stadt weit mehr als angenommen. Unzählige Fassaden der Stadt sind dort bis heute mit Graffiti und Wandmalereien verziert. Es gibt sie in allen Grössen, auf allen nur möglichen Wänden und Mauern. Und die Vielfalt der Malereien in Farbe, Form oder Aussage scheint unendlich. Grimm, der bis zu seinem Ruhestand in Dietikon praktizierte, konnte nicht anders, als staunend die Strassen entlang zu schlendern und die Graffiti zu fotografieren.

Die Malereien machten die Stadt, die im Tal der Sierra Madre del Sur liegt und deren historisches Zentrum zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, nochmals populärer. «Die Universität in Oaxaca unterstützt die Wandmalereien und schreibt von Zeit zu Zeit Wettbewerbe aus», sagt Grimm. Da Oaxaca zudem die Heimat des weltweit bekannten Malers Francisco Toledo ist, habe diese Kunst einen besonderen Förderer in der Stadt.

Zurück in Geroldswil war Grimm von den Graffiti auf seinen Fotos noch immer fasziniert. «Manchmal erkennt man nicht, was real ist und was nicht, da manche Malereien so täuschend echt wirken.» Die Fotos erinnerten ihn zudem an die Werke seines Freundes, Künstler René Gubelmann, und da hatte Grimm eine Idee.

Die erste Ausstellung

«Eines Tages fragte ich René, ob er sich vorstellen könnte, mit mir eine Ausstellung auf die Beine zu stellen.» Grimm hat Gubelmann vor Jahren im Zivilschutz kennen gelernt, verfolgte seine Karriere und besuchte viele seiner Konzerte. Seinen Freund auf die mögliche Zusammenarbeit anzusprechen, habe etwas Mut benötigt, so Grimm. Sein Konzept war, dass man ausgewählten Fotos der Graffiti einem Werk von Gubelmann gegenüber stellt. So sollte ein Dialog beider Bilder entstehen. Der Dietiker Künstler zeigte sofort Interesse und beide fanden ein Datum für eine eintägige Ausstellung in seinem Atelier in Dietikon. «Beim Anschauen seiner Fotos wurde mir schnell klar, welches meiner Werke zu welcher Fotografie passen wird», sagt Gubelmann. Obwohl er unzählige Bilder und Plastiken geschaffen hat, ist jedes Werk in seinem Kopf abgespeichert. «Es dauerte nur etwa eine Stunde, dann hatten wir die Ausstellung geplant», sagt er.

Für Grimm ist es die erste Ausstellung überhaupt und ein lang gehegter Wunsch, der nun in Erfüllung geht. «Ich bin kein Künstler, aber fotografiert habe ich schon als Kind gerne und oft», sagt er. Das Kulturmagazin «Du» habe ihn zudem für die Fotografie sehr inspiriert.

Spielraum für die Fantasie

Es sind klare Formen und starke Farben, die die Kunst von Gubelmann ausmachen, sei es als Bild oder als Skulptur. Gleiches gilt für viele der Graffiti in Oaxaca. «Renés Bilder lassen zudem Spielraum für die Fantasie. Das ist bei vielen Wandbildern ebenso», sagt Grimm. Natürlich sei Gubelmann in seiner Kreativität von Beginn an freier, während er bestehende Graffiti ablichte. Trotzdem bestehe eine Verbindung.

Tatsächlich wirken die insgesamt 17 Bildgruppen wie eingeschworene Paare, die insbesondere farblich verschmelzen und auf manchmal vergnügte Art und Weise im Dialog stehen. In Gubelmanns Werken spiegelt sich oft auch die Struktur oder die Bewegung eines Graffitis aus Oaxaca wider. Grimm freut sich auf Sonntag, ist aber auch etwas nervös. «Es ist natürlich ein Experiment und wir werden unseren Gästen die einzelnen Bildpaare vorstellen und schildern, was die jeweiligen Gemeinsamkeiten sind», sagt Grimm.