Dietikon
Roberto Brioschi inszeniert die Göttliche Komödie in der Reppisch

Für Roberto Brioschi sind Bühnen «zu langweilig». Für seine Interpretation von Dante Alighieris «La Divina Commedia» suchte sich der Dietiker Regisseur zwei besondere Schauplätze. Das Publikum war begeistert.

Senada Haralcic
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Dante (Björge Hehner) sucht bei seinem Abstieg zur Hölle auch die Liebe seines Lebens.

Dante (Björge Hehner) sucht bei seinem Abstieg zur Hölle auch die Liebe seines Lebens.

Senada Haralcic

Im Atelier des Dietiker Theatervereins sitzen die Zuschauer im Kreis und blicken gespannt in die Mitte. «Wo sitzt es sich am besten», fragen die einen, bevor das Spektakel beginnt. Dass es jedoch bei dieser Performance nicht so wichtig ist, etwas zu sehen, sondern es viel mehr darum geht, zuzuhören und mitzufühlen, wird dem Publikum dann aber klar: Roberto Brioschis Interpretation von Dante Alighieris «La Divina Commedia» ist eine Kombination aus Erzählung, Vorlesung, Schauspiel und dem sogenannten Butoh-Tanz. Für Letzteres begab sich der 52-jährige Theaterschaffende kurzerhand in die doch noch kühle Reppisch.

Das ganze Werk Alighieris «La Divina Commedia» besteht ursprünglich aus drei Stadien: Hölle, Purgatorium und Paradies. Der gelernte Schmerztherapeut entschied sich jedoch, den Teil herauszupicken, der die Menschheit am meisten fasziniere: «Die Liebe zu einer Frau und die Krise eines Mannes». Schliesslich habe Roberto Benigni – einer der bekanntesten italienischen Regisseure – mit seiner Interpretation dieses Stücks so ein Millionenpublikum erreicht.

Der Dietiker Theaterschaffende Roberto Brioschi hat zusammen mit Björge Hehner und Daniela Zwahlen eine besondere Art der Darstellung gewählt, als Theaterstück könne man es nicht bezeichnen: «Es ist eine Performance», erklärt der 52-Jährige. Im ersten Teil wurden Texte von Dante Alighieri vorgelesen und erzählt, jedoch nicht nur auf Deutsch: «Wir haben uns entschieden, auch in der Originalsprache vorzutragen», sagt der Theatermacher. Und genau diese Entscheidung weckte die Neugier des Publikums: «Auch wenn ich kein Italienisch verstehe, so hat mir die Kombination dieser zwei Sprachen sehr gefallen», sagt die Zuschauerin Sonja Laughton. Die Dietikerin ist auch davon begeistert, dass der erste Teil verbal vorgetragen wurde. Den Butoh-Tanz, den Brioschi unter der Reppischbrücke vorführte, fand die 52-Jährige schön und gleichzeitig sehr dramatisch: «Die Atmosphäre und das Licht unterstützten die Performance und brachten das Stück auf eine andere Ebene», so die Malerin.

Der Butoh-Tanz stamme aus Japan, erklärt Brioschi. «Mir gefällt die Freiheit, die man beim Ausüben hat», fügt er hinzu. Dazu benötige er besondere Schauplätze: «Es muss schmutzig sein, schliesslich muss ich mich physisch an etwas heranarbeiten, mich transformieren». Die Reppisch sei dafür ideal. «Ich war auch schon in einem Mühlenrad», so der Schmerztherapeut. Als Nächstes plant er, seinen Butoh-Tanz in einem Kohlenkeller oder einer alten Fabrik vorzuführen: «Bühnen sind mir zu langweilig», sagt der Theaterschaffende und lacht nach einem gelungenen Auftritt.

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