Nautec Service Center

Schlauchboote mit Jetantrieb – der Geroldswiler Patrick Roth über ernsthafte und lustige Havarien

Patrick Roth flickt und verkauft Schlauchboote für den Zürichsee und das Meer.

Lydia Lippuner
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So düst es schneller über das Wasser: Patrick Roth mit einem Boot, das er mit einem Motor ausgerüstet hat.

So düst es schneller über das Wasser: Patrick Roth mit einem Boot, das er mit einem Motor ausgerüstet hat.

Ein Schlauchboot liegt neben dem anderen. Es riecht nach Gummi. Doch die wenigsten der Boote im Nautec Service Center (NSC) in Geroldswil haben schon einmal Wasser gesehen. «Wir sind das einzige Verkaufcenter in der Schweiz, das ausschliesslich Schlauchboote verkauft», sagt Patrick Roth, Inhaber des NSC. Seine Boote haben jedoch wenig gemein mit den knallgelben, aufblasbaren, die auch diesen Sommer en masse die Limmat hinuntertreiben. In Roths Firma finden sich Boote in allen Grössen, meist mit einer Hartschale und einem leistungsfähigen Motor ausgerüstet. «Die Boote hier kosten zwischen 700 Franken und 250'000 Franken», sagt Roth. Eine Viertelmillion sei aber bei Weitem nicht die oberste Grenze. Es gäbe auch bis zu 1,5 Millionen teure Schlauchboote. Diese schippern, ausgerüstet mit einem Whirlpool und anderen Annehmlichkeiten, durch die Meere.

Begleitboote für Jachten

Vom Standort im Limmattal werden die Schlauchboote in alle Welt versandt. «Die Leute aus dem Ausland, beispielsweise aus Kroatien, Spanien oder Russland kaufen gerne bei uns ein, weil wir steuerfrei exportieren können», sagt Roth. So verkaufte er nur schon in der letzten Woche vier Schlauchboote der Marke Williams. Diese werden als Begleitschiffe für Jachten gebraucht. «Sie passen in die Garage der Jacht und sind mit einem Jetantrieb versehen», so Roth.

Die Schlauchboote seien nicht nur wegen ihres geringeren Gewichts beliebt, sondern auch deshalb, weil man sie gut transportieren könne. Selbst die bis zu acht Meter langen Boote können noch mit einem einfachen Anhänger transportiert werden. Dabei werden die aufgepumpten Bootswände entleert und das Boot wird wieder schmaler. «Denn für über 2,55 Meter breite Boote bräuchte man einen Spezialtransport», sagt Roth. Damit die Boote auch auf dem Wasser sicher fahren, brauchen Böötler, die einen über acht PS starken Motor fahren wollen, eine Prüfung.

Der Bootsfachwart verkauft nicht nur hochseetaugliche Boote. Seine Schlauchboote werden auf den hiesigen Gewässern eingesetzt. Selbst Limmat-Gummi-Böötler tragen immer wieder Anfragen an ihn heran. «Haben Ihre Boote einen Riss, rufen sie mich an. Doch ich empfehle bei billigen Booten eher, ein neues zu kaufen», sagt er. Denn da lohne sich sein Zeitaufwand kaum. Zudem könne er keine Garantie geben, dass der Leim auf den günstigen Schlauchbooten wirklich halte. Ganz im Gegensatz zu seinen eigenen: «Bei diesen gebe ich jeweils Garantie und es kam noch nie eines zurück», sagt er.

«Oft hören sie auch stundenlang Musik, bis sich die Batterie entladen hat und sie nicht mehr vom Fleck kommen.»

Patrick Roth, Bootsfachwart

Die meisten Reparaturen, die bei ihm anfallen, gehen auf Löcher aufgrund von Kollisionen oder Abnützungserscheinungen zurück. «Es sind pro Monat etwa zehn Boote», sagt er. Zum Schutz vor Abnützungserscheinungen durch UV-Strahlen empfiehlt der 43-Jährige, das Boot abzudecken und einzusprühen. Denn die UV-Strahlen schaden nicht nur der Haut, sondern machen auch das Boot spröde. «Wenn man keine Sorge zum Schlauchboot trägt, kann es bereits nach drei Wochen wie zweijährig aussehen», sagt Roth. Doch nebst Löchern im Boot lauern auch andere Gefahren auf die Böötler. Manchmal geht ihnen mitten auf dem See das Benzin aus. «Oft hören sie auch stundenlang Musik, bis sich die Batterie entladen hat und sie nicht mehr vom Fleck kommen.» In solchen Fällen helfen sich die Böötler meist gegenseitig aus. So komme es immer wieder vor, dass ein Boot das andere in den Hafen schleppe.