Oberengstringen

Sozialfälle nehmen um 20 Prozent zu – was die Gemeinde dagegen tun will

Die Gemeinde Oberengstringen reagiert auf die Zunahme von Sozialhilfebezügen und weitet das Arbeitspensum in der Sozialarbeit massiv aus. Diese Massnahme, so Sozialvorstand Kurt Leuch, werde die Kosten senken.

Alex Rudolf
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Sozialamt (Symbolbild)

Sozialamt (Symbolbild)

Aargauer Zeitung

Im ersten Quartal 2015 stieg die Anzahl Sozialfälle in Oberengstringen um 20 Prozent. Die Gemeinde reagiert darauf, indem sie das Arbeitspensum in der Sozialarbeit um 40 Prozent auf deren 200 erhöht, also auf zwei Vollzeitstellen ausweitet. Sozialvorstand Kurt Leuch (PFE) erklärt diesen Schritt damit, dass die wirklichen Kostentreiber in der Sozialhilfe nicht die Lohnkosten, sondern die einzelnen Fälle seien.

Sämtliche Bereiche der Oberengstringer Verwaltung seien stets dazu angehalten, mit «schlanken» Strukturen sprich geringem Personalaufwand zu arbeiten. Dieses Credo lasse sich jedoch nicht eins zu eins auf die Sozialabteilung anwenden, sagt Leuch. So machen die Anzahl Sozialfälle, die eine Gemeinde finanziell unterstützt, einen weitaus grösseren Kostenanteil aus.

Die Benchmark-Studie des kantonalen Amts für Statistik gab den Anstoss für die Überprüfung der Strategie in der Sozialarbeit und die daraus resultierende Personalaufstockung, die ab Anfang Juni gilt. Neben Oberengstringen und Dietikon nahmen noch weitere 13 Gemeinden aus dem Kanton Zürich an dieser Studie teil, worin die Sozialabteilungen hinsichtlich ihrer Fallführung, des Personalaufwands, der Behördentätigkeit und der Missbrauchsbekämpfung untersucht wurden.

Mehr Stellen, kurze Bezugsdauer

Der Benchmarking-Bericht war ursprünglich nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen, wurde jedoch den Medien zugespielt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Laut Leuch macht der Bericht deutlich, dass bei Gemeinden mit personell besser dotierten Sozialabteilungen die Bezugsdauer der Klienten geringer ist.

Bei den 15 untersuchten Gemeinden bearbeitet ein Sozialarbeiter mit einer 100-Prozent-Anstellung durchschnittlich 91 Fälle. Dies beinhaltet Standortgespräche und Kontrolle der Klienten, nicht aber die Beratungsgespräche für potenzielle Neu-Klienten. In Oberengstringen teilen sich derzeit zwei Sozialarbeitende ein Pensum von 160 Prozent und betreuen dabei rund 180 Fälle. Dies entspricht einem Durchschnitt von 112,5 Fällen für ein Arbeitspensum von 100 Prozent. Zu viel findet die Sozialbehörde nun. Diese beantragte deshalb beim Gemeinderat eine Pensumserhöhung.

Zur überdurchschnittlich hohen Fallzahl pro Sozialarbeiter kommt eine Steigung der Fallzahlen um 20 Prozent. Die genauen Gründe dafür, kann Leuch zwar nicht benennen, ihm sei jedoch klar, dass es sich dabei um einen Teufelskreis handle. Denn: «Je mehr Klienten die Sozialabteilung hat, desto weniger Zeit können die Sozialarbeiter auf die einzelnen Personen investieren.» Eine zeitnahe Bearbeitung der Fälle sei jedoch für einen raschen Abschluss – sprich eine Reintegration ins Berufsleben – unabdingbar, so Leuch.

3000 Franken pro Fall und Monat

Leuch beziffert die Ausgaben pro Sozialfall auf rund 3000 Franken im Monat. Zu den 980 Franken Grundbeiträgen, den 100 Franken minimale Integrationszulage und der Miete von höchstens 1100 Franken kommen die Kosten für die Krankenkasse und allfällige Fortbildungskurse hinzu. «Können nur zwei bis drei der aktuell 180 Fälle wieder ins Berufsleben integriert werden, haben wir die Lohnkosten eines Sozialarbeiters nach einem Jahr wieder rausgeholt», so Leuch.

Die Chance auf eine berufliche Reintegration ist mit den erhöhten Stellenprozenten also grösser, da die Sozialarbeiter die Möglichkeit hätten, den Klienten genauer auf die Finger zu schauen, so Leuch.