Unterengstringen

Trotz Festmahl kommt in der Villa keine Heiterkeit auf

Die Villa Sparrenberg setzt mit dem Stück «Babettes Gastmahl» auf kulinarische Erlebnisse.

Thomas Mathis
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Babettes Fest in der Villa Sparrenberg

Babettes Fest in der Villa Sparrenberg

Thomas Mathis

Drei der vier Senioren, die derzeit in der Villa Sparrenberg oberhalb Unterengstringens wohnen, nehmen mit einigen anderen Gästen Platz am Tisch in der Trotte, die vom Kerzenschein durchflutet ist. Düsterheit und Ruhe liegen in der Luft. Am Tischkopf sitzt Babette Harsant in schlafender Pose. Als das zugehende Tor die Sonnenstrahlen langsam verdeckt, erhebt sich die Gastgeberin und beginnt herumzugehen. Sie berichtet von ihrer Vergangenheit, singt eine Passage aus Mozarts «Don Giovanni» und spricht die Gäste, die zu ihrem Festessen gekommen sind, direkt an. Es sind französische und norwegische Worte zu vernehmen. Dazwischen geniessen Babettes Gäste ein feines Menü aus der Sparrenberg-Küche: Safransuppe, Federkohlsalat, Kalbsbraten mit Süsskartoffeln und Himbeercreme. Trotz der Festlichkeit bleibt die Stimmung düster, denn die grosszügige Babette, eine Kochkünstlerin ist, wird von ihren Gästen enttäuscht. Niemand spricht über ihr vorzügliches Essen.

Babette Harsant ist die Hauptfigur in «Babettes Gastmahl», eine Novelle der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen. Die bekannte deutsche Schauspielerin Verena Buss hat die im Jahr 1950 erstmals veröffentlichte Geschichte umgeschrieben, sodass sie von einer Person aufgeführt werden kann. «An der Geschichte fasziniert mich, dass Babette ihre Gäste für einen Moment weg vom Alltag in eine anderen Zustand versetzen möchte», sagt Buss. Als Künstlerin hege sie den gleichen Wunsch. Einen anderen Aspekt, den Buss mag, ist Babettes innerer Konflikt. Als Kochkünstlerin verwöhne sie reiche Leute, doch genau diesen Leuten falle ihre Familie zum Opfer.

Die 72-Jährige, die häufig in Zürich und Basel auftritt und weitherum für ihre gute Stimme bekannt ist, hat das Stück schon lange in ihrem Programm und findet es schön, dass die Gäste durch das Festmahl Teil des Stücks sind. Mit dem gestrigen Auftritt macht sie den Auftakt für kulturelle Veranstaltungen am Sparrenberg. «Wir wollen die Villa für die Bevölkerung zugänglich machen», sagt die Leiterin Aila Haavisto. Sie und ihr Team möchten in Zukunft weitere kulturelle Anlässe organisieren. Haavisto freut sich, dass die Idee gut ankommt und die zweite und letzte Aufführung schon fast ausgebucht ist.

Die Idee, Verena Buss zu engagieren, kam vom Zürcher Regisseur Gabriel Zimmerer, der im Nebengebäude der Villa wohnt. Er kennt die Schauspielerin von seiner beruflichen Tätigkeit. «Die beiden Aufführungen sind ein Test, ob es ein Bedürfnis für kulturelle Anlässe am Sparrenberg gibt», sagt er.
Die zweite Aufführung findet heute um 19 Uhr statt. Es gibt noch wenige freie Plätze.