Wer zuletzt lacht...

Viele Kinder halten die Distanzregeln ein – für Alte kann das schmerzhaft sein

Im fünften Teil seiner Coronakolumne «Wer zuletzt lacht...» beschäftigt sich der Schlieremer Martin von Aesch mit etwas, das man als Generationenkonflikt bezeichnen könnte.

Martin von Aesch
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Auch beim Spazieren, zum Beispiel im Wald, gilt es die Social-Distancing-Regeln einzuhalten.

Auch beim Spazieren, zum Beispiel im Wald, gilt es die Social-Distancing-Regeln einzuhalten.

zvg/Monica Hollenweger

«Steig nicht in ein fremdes Auto, auch wenn dir der Mann am Steuer Schokolade verspricht!» Genau dies haben Eltern ihren Kindern seit Generationen eingebläut. Leider blieb lange zwischen deren Ohren nichts hängen. Denn: Es ist unglaublich schwierig, den lieben Kleinen etwas so beizubringen, dass
sie sich auch daran halten.

In den heutigen Tagen ver­suchen es Eltern erneut. ­Allerdings zu einem anderen Thema: zum Social Distancing. Leiermühlenartig wiederholen und wiederholen sie, dass der Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten werden muss. Vor allem dann, wenn sie auf ältere Menschen treffen. Zum ­Beispiel auf die Grosseltern.

Deshalb habe ich der Familie meines Sohnes angekündigt, dass ich kurz etwas vorbei­bringe, aber auf Distanz bleibe. Er solle doch bitte darauf achten, dass mir meine zwei Enkel nicht zu nahe kommen. Doch kaum steige ich aus dem Wagen, rennt der kleinere – er ist eben vier geworden – erfreut auf mich zu, um mich zu ­umarmen. «Stopp!», ruft mein Sohn entsetzt. Der Knirps macht sofort Halt
und sagt leise: «Richtig! Zwei Meter.» «Weisst Du denn auch, wie viel zwei Meter sind?», frage ich.

«Klar weiss ich das. Aber ich sags nicht!», antwortete er trotzig. Anscheinend ist doch etwas hängengeblieben, was aber seinen Reflex, den Grossvater zu begrüssen, wie es sich eigentlich gehört, nicht verhindert hat.

un gibt es aber andere ­Kinder, die die Regeln rund um das böse Virus sofort verinnerlichen. Wie in diesem Beispiel: Eine Familie ist auf dem Spaziergang durch ein abgelegenes Waldstück. Die Kleine schieben die Eltern im Wagen, die beiden älteren, Zwillinge, fünf Jahre alt, fahren auf ihren Rädern voraus, radeln aber immer wieder zurück. Als sich die beiden für einmal etwas weiter entfernen und hinter Bäumen ver­schwinden, wollen die Eltern sie schon zurückrufen. Dies ist allerdings nicht
nötig. Denn plötzlich er­scheinen die beiden wieder. Sie rasen, wie von der Tarantel gestochen, den Eltern entgegen und schreien von weitem: «Achtung! Es chömed Alti!»

Martin von Aesch Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

Martin von Aesch Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

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