Sponsoring

ZKB und Umweltarena wehren sich gegen Propagandavorwurf

Ein SVP-Kantonsrat unterstellt der Staatsbank, als Umweltarena-Sponsorin für ein Ja zur Energiestrategie-Abstimmung zu weibeln.

Sophie Rüesch
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Die Umweltarena steht in der Kritik.

Die Umweltarena steht in der Kritik.

ALESSANDRO DELLA BELLA

«Am 21. Mai findet die Abstimmung zur Energiestrategie 2050 statt. Brauchen Sie für den Schlussspurt noch praktische Beispiele, Argumente oder Eindrücke? Die Umweltarena bietet verschiedene einstündige Führungen rund ums Thema an.» Mit diesem Schreiben wandte sich Geschäftsführer Jörg Sigrist im Februar an Vertreter der politischen Parteien; auch auf dem Tisch von SVP-Kantonsrat Orlando Wyss (Dübendorf) ist es gelandet. Er sieht im Schreiben, das der Limmattaler Zeitung vorliegt, nichts als Propaganda: Die Angebote der Umweltarena – darunter etwa auch die Möglichkeit, Anlässe, Seminare und Kongresse für 20 bis 400 Personen durchzuführen – sollen «Besucher zur Annahme des Gesetzes überzeugen», schreibt er in einer kürzlich eingereichten Anfrage an den Regierungsrat. «Dies geht klar aus den verschickten Mails dieser Institution hervor.»

Ein Problem ist das für Wyss, weil die Zürcher Kantonalbank (ZKB) als Hauptsponsorin der 2012 gegründeten Umweltarena in Spreitenbach fungiert. «Müsste die Staatsbank des Kantons Zürich nicht darauf achten, bei Abstimmungen nicht für eine Seite instrumentalisiert zu werden?», will er vom Regierungsrat wissen – und ob die ZKB-Geschäftsleitung «dieses Thema ansprechen und eine politische Neutralität bei Abstimmungen verlangen» werde.

«Keine offizielle Parole»

ZKB und Umweltarena weisen die Vorwürfe weit von sich. «Die Zürcher Kantonalbank nimmt als Sponsorin der Umweltarena weder Einfluss auf das kuratierte Programm noch Stellung zu den offiziellen Informationen der Bundesbehörde»: so die knappe Antwort der Bank.
Die Umweltarena spricht von einem «offensichtlichen Missverständnis»: Sie habe keine offizielle Parole zur Abstimmung vom 21. Mai, «denn sie äussert sich grundsätzlich nicht politisch». Sie sei ein Informations- und Kompetenzzentrum, das sich mit Themen der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auseinandersetzt.

Orlando Wyss

Orlando Wyss

zvg

Die Ausstellungen würden zwar zeigen, «wie wir in allen Lebenslagen effizient mit Energie umgehen können, und zwar ohne Komforteinbusse». Sie seien als Dauerausstellungen aber nicht auf eine bestimmte politische Begebenheit ausgerichtet.

Dies hat Gründer und Verwaltungsratspräsident Walter Schmid als Reaktion auf die Kantonsrats-Anfrage auch bereits in einer Stellungnahme gegenüber der ZKB erklärt. Darin schreibt er: «Tatsache ist, dass bis in 20 Jahren Schweizer AKWs abgeschaltet werden müssen.» Die Umweltarena zeige in diesem Zusammenhang lediglich auf, dass es bereits heute möglich sei, diese fehlende Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu produzieren – «alles ohne politische Ausrichtung und ohne Stellungnahme zur Abstimmung über die Energiestrategie 2050».

Die angeschriebenen Politiker würden in der Umweltarena zudem keine Sonderbehandlung erhalten: «Alle Führungen, auch diejenige, welche wir im E-Mail angeboten haben, sind buchbar und müssen bezahlt werden», lässt die Umweltarena auf Anfrage verlauten. Wie hoch die jährlichen Sponsoringbeiträge der ZKB sind, will die Umweltarena nicht offenlegen.
Walter Schmid schreibt in seiner Stellungnahme an die ZKB auch, er lade Orlando Wyss gerne ein, sich vor Ort von der Arbeit der Umweltarena als Kompetenzzentrum überzeugen zu lassen. Wyss hat die Einladung selbst noch nicht bekommen; er habe aber auch nicht vor, eine solche vor der Abstimmung anzunehmen. «Vielleicht später einmal», sagt er. Zuerst wolle er nun aber wissen, ob der Regierungsrat seine Bedenken teile.