Stadtzentrum

Zu wenige Wege führen durch Schlieren: Parkside muss offener werden

Ein ehemaliger Dozent für Städteplanung macht einen radikalen Vorschlag für das Stadtzentrum.

Alex Rudolf
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Schlieremer Zentrum Städteplanung
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Die Pläne aus dem Jahr 2005 sahen keinen Blockrand, sondern mehrere Durchgänge vor.
Hermann Huber, Architekt «Das Parkside ist ein Monolith, der zwischen zwei wichtigen Knotenpunkten der Stadt steht.»

Schlieremer Zentrum Städteplanung

Alex Rudolf

Schlieren will sich ein attraktives Zentrum verleihen. Eines, in welchem sich die Menschen gerne aufhalten und öffentliches Leben entsteht. Mit der Eröffnung der Überbauung Parkside auf der Südseite des Bahnhofs wurde im Jahr 2011 der erste Schritt getan. Derzeit bauen die SBB an der Güterstrasse zwei weitere Wohn- und Bürohäuser, die Stadtbevölkerung segnete erst Mitte Jahr den Kredit für einen neuen Stadtplatz ab und bald wird dem Stadtparlament ein Planungskredit für eine neue Stadthalle direkt beim Zentrumsplatz beantragt. Alle Zeichen stehen auf Aufbruchstimmung.

Diese Bauprojekte würden alle sehr gut klingen und sicherlich zu einem lebendigen Schlieremer Zentrum beitragen, jedoch müsse die Stadt erst an der Durchlässigkeit ihres Zentrums arbeiten, sagt Hermann Huber. Der Urdorfer hatte knapp 20 Jahre einen Lehrauftrag an der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften im Bereich Planung und Städtebau. Zudem war der heute 80-Jährige bis zu seiner Pensionierung Mitglied der Architekturgenossenschaft «Archico», die sich auf die Revitalisierung von Quartieren und Gebäudesanierungen spezialisierte.

Blockrand liegt im Trend

«Bei der Planung des Zentrums ist ein grundlegender Fehler passiert, den man aber heute relativ leicht beheben könnte», sagt Huber auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. So schiebe die markante Überbauung Parkside einen Riegel und verhindere, dass die Menschen vom Zentrum zum Bahnhof zirkulieren könnten. «Das Parkside ist ein Monolith, der zwischen zwei wichtigen Knotenpunkten der Stadt steht», sagt er.

Die Überbauung mit ihren knapp 100 Wohnungen, 20 Geschäftsflächen sowie einem Grossverteiler und einer Tiefgarage wurde im Blockrand erstellt. Dieser feiert in jüngster Zeit ein Comeback, da sich Architekten davon erhoffen, dass ein städtisches Flair entsteht. Prominenteste Beispiele hierfür sind etwa das Dietiker Limmatfeld oder auch das Richti-Areal in Wallisellen. Diesem Grundsatz pflichtet Huber zwar bei: «Doch die Blockrand-Bebauung wirkt nur belebend auf den Strassenraum, wenn mehrere Gebäude in dieser Weise gebaut sind», sagt Huber. In Schlieren sei das Parkside jedoch das einzige Gebäude in dieser Bauweise.

Zurück ins Jahr 2005

In einem Mail, das der Limmattaler Zeitung vorliegt, schlägt Huber der Stadt vor, das überdachte Erdgeschoss zu öffnen: bezüglich der Öffnungszeiten, aber auch baulich. So soll die Ladenpassage nachts nicht mehr geschlossen werden, damit die Schlieremer neben der Bahnhofstrasse eine weitere Möglichkeit haben, vom Zentrum zum Bahnhof zu gelangen. Auch solle das Dach der Ladenpassage zulasten des Innenhofs geöffnet werden. «Auf diese Weise könnte eine Ladenpassage entstehen, in welcher sich die Menschen gerne aufhalten», ist Huber überzeugt. Als positive Beispiele führt er etwa das Zentrum Spitzacker in Urdorf oder das Zürcher Einkaufszentrum Sihl-City ins Feld. Das Gesamtkonzept für das Schlieremer Zentrum aus der Feder der Weberbrunner Architekten aus dem Jahr 2005 sieht Huber als Vorbild. In diesem waren mehrere öffentliche Durchgänge vorgesehen. Auch dem Ansinnen des ehemaligen GLP-Gemeinderates Nikolaus Wyss, der die Bahnhofstrasse vom Autoverkehr befreien wollte, um eine Flaniermeile entstehen zu lassen, steht Huber positiv gegenüber: «Mit meinem Vorschlag würde nicht auf der Bahnhofstrasse flaniert, sondern in jener Verbindung durch die Parkside-Überbauung.»

Auf Nachfrage bestätigt Hochbauvorstand Markus Bärtschiger (SP) den Erhalt des Vorschlages des Architekten und erklärt, dass die Parkside-Überbauung bereits in der Vergangenheit zu Diskussionen in der Stadt geführt habe. Ursprünglich sei gar geplant gewesen, das Gebiet durchlässig zu bebauen. «Weil man jedoch die Bedeutung der Bahnhofstrasse als Einkaufs- und Durchgangsort stärken wollte, hat man darauf verzichtet», so Bärtschiger. Bezüglich der Entfernung des Dachs der Ladenpassage sieht Bärtschiger keine Möglichkeit: «Dieser Innenhof dient den Bewohnern der Überbauung als Grünraum. Ihnen diesen wieder wegzunehmen, wäre höchst problematisch.»

Zaun könnte verschwinden

Doch könnte sich die Vision von Hermann Huber zumindest teilweise realisieren. Denn wie Bärtschiger sagt, sei der Schlieremer Standortförderer Albert Schweizer derzeit im Gespräch mit der Liegenschaftsbesitzerin. So bestehe die Möglichkeit, dass der aktuell geschlossene Durchgang zwischen der Migrolino-Filiale und dem Gebäude der Pizzeria Corona künftig geöffnet wird. Dadurch könnten Passanten über den schmalen Weg zum seitlichen Eingang Bahnhofstrasse der Ladenpassage gelangen und der Bau wäre so ein Stück durchlässiger. Die Gespräche stünden jedoch erst am Anfang und es lasse sich noch nichts Definitives sagen.