Winterthur

Rücktritt aus dem Winterthurer Stadtrat – FDP-Stadträtin Günthard-Maier wechselt zum Bund

Überraschender Rücktritt aus dem Winterthurer Stadtrat: Die FDP-Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier hat am Mittwoch ihren Rückzug aus der Stadtregierung angekündigt. Sie wechselt zum Bund.

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FDP-Stadträtin Barbara Günthard-Maier wechselt zum Bund. (Archivbild)

FDP-Stadträtin Barbara Günthard-Maier wechselt zum Bund. (Archivbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Acht Jahre im Stadtrat sind genug: Die Winterthurer FDP-Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier hat am Mittwoch überraschend ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie hat eine Stelle beim Bund angenommen.

Beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wird die 48-Jährige ab dem 1. Oktober in der Kommunikation arbeiten, als Leiterin des Text-Teams mit neun Mitarbeitenden.

Sie habe den Eindruck, ihre Aufgabe im Winterthurer Stadtrat sei erfüllt, begründete sie vor den Medien ihren überraschenden Abgang. «Es ist die Zeit gekommen, jüngeren Kräften Platz zu machen.» Sie könne viel Positives aus diesen acht Jahren mitnehmen.

Negatives bleibt ihr allerdings auch in Erinnerung, etwa die aus dem Ruder gelaufene «Tanz dich frei»-Demonstration im Jahr 2013 mit einem Dutzend Verletzten oder die sich häufenden Ausfälle bei den Kader-Mitarbeitenden der Polizei. «Das war alles nicht einfach.»

Sprung in den Nationalrat nicht geschafft

Dass sie in der Stadtregierung nicht alt werden will, war Günthard-Maier schon bei ihrer Wahl im Jahr 2012 klar. «Ich wollte immer eine Stadträtin sein, die den richtigen Zeitpunkt für eine Weiterentwicklung findet.» Dieser sei nun gekommen.

Ein erster Hinweis darauf, dass die 48-Jährige nicht ausschliesslich Stadträtin bleiben will, war ihre Kandidatur für den Nationalrat. «Das war ein erstes Signal, dass sich die Barbara vielleicht mal weiterentwickelt», sagte sie rückblickend.

Weil dieser Sprung nach Bern nicht funktionierte, prüfte sie stattdessen ihre beruflichen Möglichkeiten. «Es ging dann aber doch schneller, als ich erwartet habe», sagte sie über ihre Stellensuche. Die Stelle beim EDA fand sie im Internet. Die Parteizugehörigkeit, ihr Vorgesetzter ist FDP-Bundesrat Ignazio Cassis, habe keine Rolle gespielt. Es sei ein fachliches Auswahlverfahren gewesen.

Ein Regierungs-Amt ist heute offensichtlich nicht mehr die Krönung der Karriere. «Man wird viel jünger in eine solches Amt gewählt. Ich selber war 40», sagte sie. In diesem Alter habe man ein viel agileres Berufsverständnis und entwickle sich noch weiter.

Kündigung in der Krise

Eigentlich wollte Günthard-Maier die Öffentlichkeit bereits Anfang April informieren. «Wegen der Corona-Pandemie war das aber nicht angebracht.» Sie habe aber auch heute noch Verständnis dafür, wenn Leute diese Kündigung in der Krise nicht angebracht fänden. «Wir sind in der Stadt Winterthur aber gut aufgestellt.» Sie sei voller Zuversicht, dass man diese Krise bewältigen könne.

FDP schlägt Urs Hofer als Nachfolger vor

Als Nachfolger bringt die FDP bereits Urs Hofer ins Spiel, den FDP-Fraktionspräsident im Grossen Gemeinderat. Er ist Anwalt für Wirtschaftsfragen und Militärpilot und wolle sich noch mehr für Winterthur engagieren, teilte die FDP am gleichen Nachmittag mit.

Der Parteivorstand hat den 39-Jährigen, der seit 2013 im Gemeinderat sitzt, bereits einstimmig nominiert. Die Parteibasis wird nun schriftlich über diese Nomination informiert und entscheidet dann abschliessend. Weitere Kandidaten gibt es bisher aber keine. Andere «potenziell Interessierte» schieden bereits im Findungsprozess aus.

GLP will FDP-Sitz holen

Ganz einfach dürfte die Ersatzwahl für die FDP allerdings nicht werden. Die GLP will ihr den Sitz streitig machen. Mit einer Wählerstärke von knapp 15 Prozent habe sie Anspruch auf einen Sitz, teilte die Partei mit. Einen Kandidaten oder eine Kandidatin konnte die GLP am Mittwoch noch nicht aus dem Hut zaubern.

Der Rücktritt von Günthard-Maier sei überraschend gekommen. Die Partei will nun eine Findungskommission einsetzen, um einen oder eine Kandidatin präsentieren zu können. Für die Nomination will die GLP dann eine Mitgliederversammlung einberufen. Die GLP versuchte schon mehrmals den Sprung in den Stadtrat, bisher vergeblich.