Weiningen

Seit 65 Jahren ein Herz und eine Seele: Limmattaler Paar eifert der Queen nach

Queen Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philipp feierten kürzlich ihren 70. Hochzeitstag. Aber auch Limmattaler können lange verheiratet sein. Kurt und Heidi Schnellmann im Gespräch über die Familie, mangelnde Geduld und den ersten Tanz.

Kevin Capellini
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Kurt und Heidi Schnellmann Arm in Arm in ihrer gemeinsamen Wohnung in Weiningen.

Kurt und Heidi Schnellmann Arm in Arm in ihrer gemeinsamen Wohnung in Weiningen.

Kevin Capellini

Ihre Errungenschaften lesen sich wie Einträge aus dem Guinness-Buch der Rekorde: Queen Elizabeth II. ist mit 91 Jahren die älteste Monarchin der Welt, hat mit ihren Dienstreisen den Globus mehr als 42 Mal umrundet und gilt als eine der reichsten Frauen überhaupt. Seit gut 65 Jahren stellt die britische Königin ihr Leben in den Dienst ihres Landes und des Commonwealth. Kein Monarch und keine Monarchin vor ihr sass länger auf dem Thron.

Stets an ihrer Seite ist Prinz Philipp, der Herzog von Edinburgh, mit welchem sie diese Woche den 70. Hochzeitstag – das «Platinum Jubilee» oder, wie es bei uns heisst, die «Gnadenhochzeit» – feierte. Sieben Jahrzehnte gemeinsam mit dem gleichen Menschen in einer Ehe zu verbringen, ist in der heutigen Zeit, in der fast die Hälfte aller Ehen wieder geschieden werden, beinahe unvorstellbar.

"Die Familie muss doch erhalten bleiben"

Doch es gibt sie, diese Paare, die ihr ganzes Leben miteinander verbringen. Kurt und Heidi Schnellmann sind seit 65 Jahren verheiratet und feierten im Oktober in Weiningen ihren eisernen Hochzeitstag. So viele Jahre miteinander zu verbringen, sei nicht immer einfach. «Natürlich gibt es auch immer mal wieder Streit, das gehört ja auch dazu», sagt Kurt Schnellmann (86), doch an eine Scheidung habe niemand von ihnen jemals gedacht.

«Eine Scheidung kam für uns nie infrage, die Familie muss doch erhalten bleiben. Gerade dann, wenn man Kinder hat.» Denn die Familie sei etwas vom Wichtigsten im Leben. Und die Familie ist bei den Schnellmanns mittlerweile ziemlich gross. «Mit vier Kindern, sieben Enkeln und sechs Urenkeln ist der Weihnachtstisch doch relativ voll», sagt Heidi Schnellmann (84).

Der beste Tänzer von allen

Kennen gelernt haben sich die beiden bei einem Tanzabend in Zürich im Jahre 1951. «Als ich ihn Tanzen sah, er war der beste Tänzer von allen, hat er mir sofort gefallen», sagt Heidi Schnellmann. Nach dem ersten gemeinsamen Tanz, an das Lied mögen sie sich nicht mehr erinnern, begleitete Kurt Schnellmann das damals noch junge «Frölein» an dem Abend nach Hause. «Es hat sofort gefunkt», sagt er. Seit diesem Zeitpunkt gingen sie gemeinsame Wege und heirateten am 4. Oktober 1952 – im Alter von 19 und 21 Jahren. Einfach sei es nicht immer gewesen, erzählt Heidi Schnellmann «Wir hatten nicht viel Geld, es war hart und es gab so manche ‹strube› Zeiten.»

Doch von all dem liessen sie sich nie irritieren. Zusammen seien sie immer ein gutes Team gewesen, das sich gegenseitig unterstützt und aufgebaut habe. «Verbringt man so viel Zeit miteinander, gehört man einfach zusammen. Ohne den anderen würde es gar nicht mehr gehen», sagt Heidi Schnellmann. Die beiden halten sich an den Händen, sie lachen, als sie nach dem Geheimnis gefragt werden, das ihnen solch langes Eheglück beschert hat. «Glück? Das war der grösste Fehler meines Lebens», scherzt Kurt Schnellmann, während er seine Frau in den Arm nimmt. «Es braucht Geduld, Treue und Verständnis füreinander. Aber natürlich auch Humor.»

Wissen, wann ruhig sein sollte

Als Mann sei es zudem auch gut, einfach zu wissen, wann man am besten ruhig ist und seiner Frau Recht gibt, sagt Kurt Schnellmann lachend. «Jä aso nei au», kontert seine Frau und ergänzt: «Streit gehört in einer Ehe dazu, es braucht ihn sogar. Aber man darf nie zu Bett, ohne sich vorher wieder versöhnt zu haben.» Dies sei etwas vom Schlimmsten, das man machen könne. Denn «man weiss ja nie, was einem in der Nacht zustossen könnte, gerade im Alter.»

Heutige Ehepaare würden solche Dinge jedoch oft ausser Acht lassen, was für sie die hohe Scheidungsrate erklärt. Dies sei schade, aber auch sehr bedenklich. «Wenn man heiratet, sollte dies etwas für das Leben und nicht bloss einige Jahre sein», sagt Kurt Schnellmann. «Heute hat man einfach zu wenig Geduld. Klappt etwas nicht gleich, gibt man es einfach wieder auf und lässt sich scheiden.» Auch für Heidi Schnellmann wäre eine Scheidung nie infrage gekommen: «Ich wollte nie jemand anderes als Kurt. Für mich ist er mein erster, einziger und letzter Mann.»