Kriminalität

Skandal bei Zürcher Kantonspolizei: Geheime Akten landen im Milieu

Im Rotlichtmilieu sind sensible Polizeidaten aufgetaucht. Sie wurden an einem Arbeitsplatz der Zürcher Kantonspolizei fotografiert. Nun ermittelt die Justiz wegen Amtsgeheimnisverletzung.

Michel Wenzler
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Ein Kantonspolizist soll geheime Polizeiakten fotografiert und weitergegeben haben. (Symbolbild)

Ein Kantonspolizist soll geheime Polizeiakten fotografiert und weitergegeben haben. (Symbolbild)

Keystone

Was sich in den Büros der Kantonspolizei abspielt, welche Daten gesammelt und über wen Akten angelegt werden – solche vertraulichen Informationen dürfen nicht an Unbefugte gelangen. Genau dies ist aber passiert: Mindestens eine Akte eines Delinquenten ist fotografiert worden – und die Bilder sind ausgerechnet in den Händen des ehemaligen Betreibers des Milieulokals Chilli’s gelandet. Dies schreibt der «Blick».

Als Beweis zeigte die Boulevardzeitung in ihrer gestrigen Ausgabe ein Bild: Es zeigt einen Arbeitsplatz mit einem Computer. Auf dessen Bildschirm ist die Akte samt Fotos einer Person zu sehen, welche die Zeitung verpixelt hat. Gemäss dem Blatt existieren mehrere solche Aufnahmen.

Corinne Bouvard, Medienbeauftragte der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, bestätigte gestern gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass es sich tatsächlich um einen Arbeitsplatz bei der Kantonspolizei Zürich handelt. «Wir haben die Ermittlungen aufgenommen und konnten den abgebildeten Arbeitsplatz bereits ausfindig machen», sagte sie. Die Kantonspolizei hat den betreffenden Mitarbeiter sofort suspendiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen einer möglichen Amtsgeheimnisverletzung.

Wer schoss die Bilder?

Ob der Kapo-Mitarbeiter die Bilder selber gemacht und weitergegeben hat, ist unklar. Weitere Informationen gibt es von offizieller Seite vorerst nicht. Erwiesen ist allerdings, dass die Aufnahmen beim Ex-Chilli’s-Chef gelandet sind. Denn dieser räumt gegenüber dem «Blick» ein, dass er die Bilder kenne. Er will aber nichts mit deren Entwendung zu tun haben. Seine Version der Geschichte: Eine Frau habe die Fotos während einer Befragung bei der Polizei gemacht – in einem Moment, als der Polizist unaufmerksam gewesen sei. Danach habe sie die Bilder an sein Handy geschickt, sagt der frühere Boss von Chilli’s.

Unter ihm war das Etablissement landesweit in die Schlagzeilen geraten, weil sich angeblich mehrere Angestellte der Zürcher Stadtpolizei vom Nachtklub bestechen liessen. Fünf Mitarbeiter der Polizei wurden verhaftet. Mangels Beweise wurden die Verfahren teilweise eingestellt, es kam auch zu Freisprüchen. In zwei Fällen wurden die Beschuldigten verurteilt. Einer von ihnen hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die jüngsten Ereignisse werfen erneut ein schlechtes Licht auf die Polizei und den ehemaligen Chef des Lokals. Denn dieser soll die Bilder, die er erhalten hat, herumgezeigt und damit geprahlt haben. Das sagt zumindest eine Person, um die es in den Akten geht und die seit längerer Zeit Streit mit dem Ex-Chilli’s-Chef hat. Der weist allerdings diese Darstellung zurück. Auf die neuste Affäre wurde die Staatsanwaltschaft aufmerksam, weil eine Anzeige einging – vermutlich von einem Betroffenen aus den Polizeiakten.