Dietikon

So vielfältig wie die Stadt: 7 Musiktipps aus Dietikon, die Sie kennen sollten – von Death Metal bis Hip-Hop

Dietikon ist mit seinen knapp 28'000 Einwohnern die grösste Stadt zwischen Zürich und Basel. Dass der Bezirkshauptort auch musikalisch viel auf dem Kasten hat, überrascht daher nicht. Hier finden Sie sieben musikalische Tipps verschiedenster Genres, welche die Vielfältigkeit der Stadt widerspiegeln.

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Er ist der bekannteste Exponent der Dietiker Musikszene: Xen.

Er ist der bekannteste Exponent der Dietiker Musikszene: Xen.

CH Media

Siga

Siga, bürgerlich Siva Ganesu, flüchtete mit seiner Familie als Vierjähriger aus Sri Lanka nach Deutschland. Nachdem er dort auf die schiefe Bahn geraten war, riss er das Steuer um, wurde zum erfolgreichen Kampfsportler und arbeitete bei einer Zürcher Firma als Bodyguard und Türsteher. Niemand anders als Schauspielstar Denzel Washington riet dem Hobbyrapper nach einer Kostprobe, eine Musikkarriere ins Auge zu fassen.

Heutzutage arbeitet der Rapper, der inzwischen von Dietikon nach Othmarsingen gezogen ist, mit Krimiautorin Ina Haller an einer Biografie. Zudem entsteht ein Dokumentarfilm über sein Leben. Ein Rapper mit einem derart spannenden Leben liefert natürlich auch interessante Musik. Dieses Jahr erschien seine Single «Flüchtling», in der er erstmals seine Erfahrungen als Flüchtling, wie auch seine Erfahrungen mit Rassismus in einem packenden Stück thematisiert.

Azrael

Metalbands mit Namen wie Azrael gibt es wie Sand am Meer. Aber musikalisch stechen die Dietiker aus der Masse heraus. Auf dem 1995 erschienenen – und einzigen – Album der Metaller ist ein sauber produzierter Death Metal zu hören, der eine ungemeine Präzision des Schlagzeugers mit klassischen Thrash-Riffs im Stil der 80er Jahre mischt. Hinzu kommen unkonventionelle Songstrukturen, eine sehr kalte Klangfarbe des Basses und abrupte Tempowechsel – das Album hat daher durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

YAEP

Lesern der Limmattaler Zeitung dürfte Johannes Küng eher wegen seiner Tätigkeit als SP-Gemeinderat in Dietikon oder als Mitgründer eines Kaffee-Onlineshopsein Begriff sein. Allerdings betätigt sich der Dietiker auch musikalisch als Teil des ugandisch-Schweizerischen Kollektivs YAEP (Young Artists Exchange Project), das gekonnt Hip-Hop mit Dancehall fusioniert. Das Resultat sind lockere Beats und sonnige Vibes zu Themen wie das gemeinsame Musikmachen – gerade richtig, um den Herbstmonaten mehr Schwung zu verleihen.

Xen

Über Dietiker Musik zu schreiben, ohne Xen zu erwähnen, würde an ein Sakrileg grenzen. Der Dietiker gehört zu den ganz Grossen in der Schweizer Musikszene, klettert regelmässig in die Top 5 der Schweizer Charts und rappt mittlerweile mit Stars wie Sido oder Bligg. Persönliche Texte über das Leben in der Agglo und seine Erfahrungen als Secondo machen ihn mit hochwertig produzierten Trap-Beats und einer tiefen, donnernden Stimme zu einem hervorragenden Aushängeschild der Dietiker Musikszene.

Ieri

Ieri mag derzeit noch ein Geheimtipp in der Schweizer Produzentenszene sein, doch seine Beats wird man sicher schon bald auf grösseren Bühnen hören. Sie zeichnen sich durch in Reverb getauchte, saitenähnliche Synths aus, die er gekonnt mit gängigen 808s und ratternden Hi-Hats kontrastiert. Das Resultat sind Tracks, die treibend und ruhig zugleich sind; also sowohl zu einer gemütlichen Runde am See, als auch in einen Klub passen. Dieses Jahr erregte der Dietiker mit seinem Beat für den Track «Gut Feeling» des Schwyzer Rappers Usually Modest Aufsehen.

Brutal God

Brutal God schaffen einen meisterhaften Spagat zwischen verschiedenen Metal-Sparten. Während gewisse Riffs eher dem Doom zuzuordnen sind, bedienen sie sich gelegentlich auch Elementen des Thrash und Death Metals. Omnipräsent sind jedenfalls ein durchweg starker Groove und ein exzellentes Drumming, das mit dynamischen Fills besticht und nicht selten auch in brutale Blastbeats mutiert. Diese Vielfalt und Experimentierfreudigkeit zeigt sich nicht zuletzt auch am Track The Day of The Lord, das sehr prominent eine Didgeridoo-Aufnahme verwendet.

Miles Davis («Live at Stadthalle Dietikon»)

Natürlich, Miles Davis ist kein Dietiker. Allerdings gab der Star-Trompeter 1971 mit seiner Band in der seinerzeit neuen Stadthalle ein legendäres Konzert, das vor einigen Jahren als Teil der Kompilation «Bootleg Series Vol. 4» zu sehr positiven Kritiken als Aufnahme erschienen ist. Auch wenn der Jazzer seinerzeit enttäuscht war, dass das Konzert nicht in Zürich selber stattfand – «where the fuck are we going», sagte er damals im Taxi nach Dietikon zu seinem Tourmanager –, stellt das Album eine LP mit enormer Energie und endlos groovigen Henderson-Basslinien dar.