Dietikon

SoundDock14-Gründer Jonas Küng: «Die Kultur hat es in der Politik eben schwer bei uns.»

Mit seinem SoundDock14 brachte er die Altstars ins Limmatfeld. Jonas Küng über die Musikgötter seiner Jugend, Politik und seinen Traum von einem Dietiker Kulturzentrum.

Franziska Schädel
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Sieben Jahre führte Jonas Küng das SoundDock14 zusammen mit seiner Familie.

Sieben Jahre führte Jonas Küng das SoundDock14 zusammen mit seiner Familie.

Franziska Schädel

Im Juni 2012 musste Jonas Küng seinen grossen Traum begraben. Sechs Jahre sind seither vergangen, aber Wehmut über das Ende seines Live-Musikclubs SoundDock14 im Dietiker Limmatfeld schwingt noch immer mit, wenn er von jener Zeit erzählt. «Die Musiker, die bei uns auftraten, das waren die Götter meiner Jugendzeit. Wishbone Ash, Ten Years After, die haben 1969 in Woodstock vor 400'000 Leuten gespielt. Ich habe heute noch Fotos und Plakate aus jener Zeit.»

Mit Herzblut und der Unterstützung von Familie und Freunden betrieb Küng in seiner Fabrik an der Rüchligstrasse ein Konzertlokal mit 600 Plätzen. Dann musste die Halle den Neubauten weichen, die nach und nach in den Himmel wuchsen. Die Familie Küng erhielt die Kündigung. Für die Firma fand sich in Bergdietikon eine neue Heimat. Das SoundDock 14 aber musste schliessen. Heute schaut Küng versonnen vor sich hin und sagt: «Wir wussten immer, dass es einmal vorbei sein wird. Aber traurig waren wir alle, als das letzte Konzert zu Ende war.»

Firmenfeste standen am Anfang

Begonnen hatte alles ganz bescheiden. Küng führte damals seine Baumaterialfirma im Limmatfeld. An Firmenfesten trat der Altrocker zur Unterhaltung der Gäste mit seiner Johnny’s Factory Band auf. «Jedes Jahr wurde die Ausstattung etwas besser. Wir bauten eine Bühne, installierten Licht, dann eine Bar.» Und eines Tages fand seine Tochter, jetzt müsse am Firmenfest mal eine andere Band her. Das war der Anfang vom SoundDock14. Tagsüber wurden Bauschutzmatten zugeschnitten, abends und an den Wochenenden das Lager ausgeräumt, Stühle aufgestellt und Licht installiert.

Viele bekannte Schweizer und internationale Musiker traten im SoundDock14 auf. (Im Bild: Adrian Stern)
4 Bilder
John Lee Hooker
Stiller Has
Wishbone Ash

Viele bekannte Schweizer und internationale Musiker traten im SoundDock14 auf. (Im Bild: Adrian Stern)

Fotos: Marco Mordasini, Peter Würmeli, David Hunziker

Noch heute ist Küng stolz auf die fahrbare Bar, die er selber gebaut hatte, und auf den riesigen Vorhang, der sich per Knopfdruck vor den Hochregalen heben und senken liess. «Das SoundDock14 war unser Traum. Um Gewinn ging es uns nie, da hat niemand auch nur einen Rappen erwarten können.» Ältere Rockbands, die nicht mehr die grossen Hallen füllten, ermöglichten moderate Eintrittspreise und zogen die Besucher an. Internationale Bluesgrössen wie Popa Chubby und bekannte Schweizer Künstler wie Shakra, Krokus und Stiller Has begeisterten die Zuschauer.

Was macht eigentlich?

In dieser Serie sucht die Limmattaler Zeitung Menschen auf, die die Region bewegt haben, von denen man aber schon länger nichts mehr gehört hat. Die Serie erscheint in loser Folge.

Die Liste der Bands und Musiker, die im SondDock14 auftraten, liest sich wie das «Who’s Who» vergangener Tage. Noch heute sind Jonas Küng die vielen Begegnungen und Gespräche in bester Erinnerung. «Mit Polo Hofer habe ich morgens um 4 Uhr backstage Wein getrunken und ihm zugehört. Der hatte Geist.» Beeindruckt hat Küng auch, wie viele der Musiker noch im Alter aus finanziellen Gründen auf Tournee gehen mussten. «Die lebten von kleinen Gagen und von freier Kost und Logis.» Bei den Küngs wurden sie bestens verpflegt – etwa mit Züri-gschnätzletem und Rösti. «Es hatte sich herumgesprochen, dass in unserem Konzertclub eine familiäre Atmosphäre herrschte. Bald kamen die Musiker bereits am Samstagmorgen um 10 Uhr und wollten Frühstück», sagt Küng lachend.

Ambulanz statt Zugabe

Auch von unschönen Erlebnissen kann Jonas Küng berichten. Vom sturzbetrunkenen Musiker etwa, der von der Ambulanz geholt werden musste, weil er bereits kurz nach Konzertbeginn von der Bühne fiel. Oder von eiskalten Wintern, als die WC-Spülungen und die improvisierten Leitungen einfroren. «Es waren trotzdem sieben absolut geniale Jahre.» Noch heute pflegt die Familie Küng gute Freundschaften mit Musikern, die einmal im SoundDock14 aufgetreten sind.

Jonas Küng trauert seinem Live-Musikclub auch heute noch nach und hin und wieder überlege er sich auch, ob man nicht doch wieder einmal etwas in dieser Art aufziehen könnte, ein Open Air vielleicht. Aber dann fügt er resigniert an: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass man im Limmattal noch einen Raum findet, der für Rockkonzerte infrage kommt. Bei diesen Landpreisen und der Siedlungsentwicklung ist das praktisch ausgeschlossen.» Konzerte, wie sie im SoundDock14 stattfanden, müsse man da durchführen, wo sie niemanden stören, nicht inmitten einer Wohnsiedlung, sagt Küng. «Die Gäste fahren morgens um 2 Uhr mit lautem Getöse davon, das ist halt einfach so.»

«Man muss auch handeln»

Und weil das eben so ist, kann Jonas Küng auch nicht verstehen, dass damals seine Idee von einem Kulturzentrum für Livemusik und städtische Kulturevents beim Güterbahnhof von der Stadt Dietikon nicht aufgenommen wurde. «Wir hatten eine geeignete Halle, niemand hätte der Lärm gestört, es hatte 400 Parkplätze und wir hätten das ganze Mobiliar und Equipment zur Verfügung gestellt», erzählt er. Er hoffte auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt Dietikon, denn dem rührigen Musikfan war bewusst: Alleine hätte die Familie ein Kulturzentrum nicht stemmen können.

«Mit Polo Hofer habe ich morgens um 4 Uhr backstage Wein getrunken und ihm zugehört. Der hatte Geist.»

Jonas Küng

Aber auch diesen Traum musste Küng begraben. «Ich weiss nicht, woran das Projekt am Ende gescheitert ist. Es fehlte wohl an der Einsicht, dass Kultur Geld kostet. Und vielleicht auch am Mut, etwas Grosses mit überregionaler Ausstrahlung zu verwirklichen. Die Kultur hat es in der Politik eben schwer bei uns.»

Politik interessiert Jonas Küng dennoch. Er liest Bücher über den russischen Präsidenten Putin, weil er verstehen will, was in der Ukraine geschieht. Schlaugemacht hat er sich auch über die Probleme der Menschen, die im Rostgürtel der USA leben, wo sich eine Industriebrache an die andere reiht. Er verstehe, warum viele US-Amerikaner Trump als Präsident gewählt haben und fragt sich: «Wie kommt ein Land an einen solchen Punkt?» 15 Jahre hat Küng die Bergdietiker Schulpflege präsidiert. Aber heute wieder in die Politik einsteigen, das will der Unternehmer und Musiker dennoch nicht mehr: «Ich weiss nicht, ob meine Art, die Dinge zu sehen, heute noch gefragt ist. Diskutieren ist ja gut und recht, aber man muss auch handeln.»