Kältepatrouille

Trotz mässigem Winter: Der Pfuusbus verzeichnet Rekordwerte

Trotz eines bislang mässigen Winters verzeichnet der Pfuusbus Rekordwerte. Die städtische Notschlafstelle ist währenddessen nicht ausgelastet. Gründe dafür gibt es mehrere.

Lina Giusto
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Der Pfuusbus der Sozialwerke Pfarrer Sieber verzeichnet diesen Winter trotz mässiger Temperaturen Rekordwerte.

Der Pfuusbus der Sozialwerke Pfarrer Sieber verzeichnet diesen Winter trotz mässiger Temperaturen Rekordwerte.

Keystone

Nun kommt die Kälte. Den Wetterberichten zu Folge werden in den kommenden Tagen tagsüber Temperaturen erwartet, die deutlich unter Null Grad liegen. Die Kältepatrouille der Sicherheit Intervention Prävention sip Zürich wie auch jene der Sozialwerke Pfarrer Siebers sind vorbereitet und machen die Obdachlosen, die in Zürich auf der Strasse leben, auf das Angebot der Notschlafstellen aufmerksam.

Obwohl sich der Winter in der Region bislang von seiner mässigen Seite zeigte, zählte man im Pfuusbus, der von Mitte November bis Mitte April beim Strassenverkehrsamt nahe des Albisgüetli stationiert ist, bis zum vergangenen Wochenende über 3500 Übernachtungen. «Über den gleichen Zeitraum hinweg waren es im letzten Jahr 2480 Übernachtungen», sagt Walter von Arburg, Sprecher der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Für den starken Anstieg sieht von Arburg mehrere mögliche Gründe.

Mehrere Gründe

Eine Rolle könnte dabei der Flughafen Zürich spielen: «Seit September werden Betrunkene, Pöbelnde und Obdachlose vom Areal des Flughafens verwiesen. Wir können nicht zweifelsfrei sagen, wie viele Obdachlose wegen den Wegweisungen nun tatsächlich zu uns kommen. Der Flughafen Zürich macht aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben zu den weggewiesenen Personen», sagt von Arburg.

Sonja Zöchling, Sprecherin des Flughafen Zürichs, bestätigt auf Anfrage die strengeren Hausregeln: «Die Wegweisungen betreffen primär Störenfriede. Personen, die sich an die Hausordnung halten und nicht auffallen, werden nicht behelligt.» Die Mitarbeitenden der Firma Securitans seien entsprechend sensibilisiert und würden regelmässig im Flughafen patrouillieren. «Für Obdachlose wurde vor der Umsetzung des strengeren Regimes mit sozialen Institutionen in der Stadt Zürich nach Anschlusslösungen gesucht», sagt Zöchling.

Auch die Schliessung der zuvor von Randständigen bewohnten sogenannten Gammelhäuser im Kreis 4 letztes Jahr kann laut von Arburg einen Einfluss auf die steigende Nachfrage nach Schlafplätzen haben: «Sehr günstiger Wohnraum verschwindet und wird nicht ersetzt. Entsprechend verlieren mittellose Menschen Wohnmöglichkeiten.»

Helfer patrouillieren

Helfer der Sozialwerke Pfarrer Sieber patrouillieren wie die sip Zürich während den Wintertagen auf den Strassen von Zürich, verteilen warme Kleidung, Schlafsäcke und machen auf das Übernachtungsangebot im Pfuusbus aufmerksam. Auch die Notunterkünfte der Sozialen Einrichtungen und Betriebe sind auf den Wintereinbruch vorbereitet, wie Heike Isselhorst, Sprecherin des Sozialdepartements der Stadt Zürich auf Anfrage mitteilt. «Bislang verläuft der Winter in Zürich normal. Wir konnten bezüglich der Belegung der Schlafplätze in der Notschlafstelle keine Besonderheiten feststellen. Auffallend aber ist, dass vermehrt Hinweise von der Bevölkerung zu Obdachlosen eingehen», so Isselhorst weiter.

Die Anzahl der Obdachlosen in der Stadt Zürich bewege seit Jahren auf einem stabilen Niveau. «Derzeit leben etwa ein Dutzend Menschen permanent draussen. Sie sind materialmässig auf jegliche Arten von Witterungen gut vorbereitet und wissen, wie sie sich bei starker Kälte schützen müssen», sagt Isselhorst.

Auswärtige bleiben eine Nacht

Dennoch würde die Kältepatrouille diese Personen regelmässig aufsuchen. Jeweils um 14 Uhr werde der Wetterbericht überprüft. Fallen die Temperaturen nachts unter Null Grad, gehe sie auf die Strasse, besuche die bekannten Schlafplätze der Obdachlosen und sehe dort nach dem Rechten. Eingegriffen wird laut Isselhorst im Notfall: «Wenn der Gesundheitszustand kritisch ist, wird ein Notarzt und wenn nötig die Polizei beigezogen.» Ansonsten könne die sip Zürich lediglich auf das Angebot der Notschlafstellen aufmerksam machen und die Menschen motivieren einen warmen Platz zum Schlafen aufzusuchen.

Die städtische Notschlafstelle an der Rosengartenstrasse hat 52 Schlafplätze und ist derzeit nicht ausgelastet, wie Isselhorst weiter sagt. Zugang haben obdachlose Frauen und Männer, die in der Stadt Zürich gemeldet sind. Personen mit Wohnsitz ausserhalb der Stadt und dem Kanton Zürich werden für eine Nacht aufgenommen und am folgenden Morgen an die Zentrale Abklärungs- und Vermittlungsstelle der Sozialen Dienste weitergeleitet.