Erste Liga

Wegen zehn Sekunden: Wechselfehler wirft Schatten auf einzigen FCD-Sieg der Saison

Der FC Dietikon wird wegen einer neuen «Coronaregel» gebüsst. Die drei Punkte aus dem Spiel gegen den FC Red Star sind aber nicht in Gefahr.

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Ruedi Burkart

Der FC Dietikon ist alles andere als erfolgreich in die neue Fussballsaison gestartet. In neun Spielen hat der Erstligist schon sieben Niederlagen und 25 Gegentore kassiert – so viele wie kein anderes Team. Dass der FCD dennoch auf Platz 13 von 14 liegt, ist dem einzigen Saisonsieg gegen Tabellenschlusslicht Red Star Zürich vom 13. Oktober zu verdanken. Aber dieser Sieg wird abseits des Platzes ein Nachspiel haben. Die drei Punkte sind zwar nicht in Gefahr, aber der Verein muss eine Busse zahlen.

Grund dafür ist ein Verstoss gegen die neuen Wechselregeln, die seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach dem Lockdown auch in der 1. Liga gelten. Als der Dietiker Trainer João Paiva in der 82. Minute Florentino Da Silva aufs Feld schickte, tätigte er im Spiel zum vierten Mal eine Einwechslung. Auf den ersten Blick kein Problem: Tatsächlich dürfen Mannschaften neuerdings sogar fünf statt wie bisher in der 1. Liga üblich nur vier Spieler einwechseln.

Im Reglement ist die neue Fünfer-Regel wie folgt definiert: «(...)Demnach darf jedes Team während der regulären Spielzeit fünf Auswechslungen vornehmen. Jedes Team hat maximal drei Auswechslungsgelegenheiten, wobei die Auswechslungen während der Halbzeitpause nicht gezählt werden.» Obwohl ein zusätzlicher Spielerwechsel dazugekommen ist, wurde die Anzahl Wechselgelegenheiten von vier auf drei reduziert. Das Problem: Paiva hatte gegen Red Star zuvor bereits drei Spieler einzeln zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingewechselt. Deshalb war die vierte Spielunterbrechung für Da Silvas Einwechslung regelwidrig.

Verletzungsbedingt direkt vor der Pause ausgewechselt

Er habe geglaubt, die Auswechslung von Lulzim Aliu in der 44. Minute gelte als Wechsel während der Halbzeitpause, sagt Paiva auf Anfrage. Damit hätte dieser Wechsel nicht zu den erlaubten drei Spielunterbrechungen gezählt. «Wir mussten den Wechsel aufgrund einer Verletzung vollziehen. Danach wurde gleich zur Pause gepfiffen. Er hat also überhaupt keinen Einfluss auf das Spiel gehabt», sagt der Dietiker Trainer. Zudem habe der Schiedsrichter den Wechsel in jenem Moment erlaubt.

Paiva sagt, er sei enttäuscht ob dem fehlenden Fingerspitzengefühl seitens der Liga. «Mit Corona haben wir schon genügend andere Probleme. Ständig sind Spieler in Quarantäne. Wir sind keine Profis, wir können kaum noch richtig trainieren.» Dass nun Sanktionen für einen verletzungsbedingten Wechsel drohen, hält er für übertrieben. Zudem kritisiert Paiva, dass der Verband die Regeländerung bloss per E-Mail kommuniziert habe und die betroffenen Klubs nicht genügend darauf aufmerksam gemacht worden seien.

Beim Gegner, dem FC Red Star Zürich, ist man verständlicherweise nicht erfreut über den Dietiker Regelverstoss. Wie Vizepräsident Yves Cornioley auf Anfrage mitteilt, habe man Abklärungen getroffen, inwiefern sich das Einlegen eines Protests lohne. Schlussendlich habe man sich aber gegen den Gang an den grünen Tisch entschieden: «Die neuen Wechselregeln, die aufgrund von Corona entstanden sind, sind nur in einem Merkblatt festgehalten, nicht aber im Wettspielreglement», erklärt Cornioley. Heisst: Es fehlt die rechtliche Grundlage, wonach ein Schiedsgericht eine Forfaitniederlage aussprechen könnte. Der FCD bleibt somit Sieger von besagter 1.-Liga-Partie.

Dennoch wird in den nächsten Tagen eine Geldbusse gegen den Verein verhängt, wie Bruno Tanner, Präsident der Disziplinarkommission der 1. Liga, auf Anfrage bestätigt. Er habe zwar ein gewisses Verständnis für den Unmut der Dietiker, da der erste Wechsel ein verletzungsbedingter war und nur wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff vollzogen wurde. Eine Sanktion müsse dennoch ausgesprochen werden, weil der Schiedsrichter den vierten Wechsel im Matchrapport vermerkt hatte. Wie hoch die Busse ausfallen wird, will Tanner nicht sagen.