Bülach

Brandwunden an dementer Frau: Obergericht spricht Pfleger frei

Ein 29-jähriger Pfleger wurde wegen Brandwunden an einer dementen Frau angeklagt. Das Obergericht kam nun zum Schluss, dass es sich beim Fall um «ein Missgeschick mit Verletzungsfolge» handelt.

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Woher die demente Frau ihre Wunde hatte, ist nach Ansicht des Bundesgerichtes nicht abschliessend geklärt. Das Zürcher Obergericht musste einen Pfleger deshalb freisprechen. (Symbolbild)

Woher die demente Frau ihre Wunde hatte, ist nach Ansicht des Bundesgerichtes nicht abschliessend geklärt. Das Zürcher Obergericht musste einen Pfleger deshalb freisprechen. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Im Zweifel für den Angeklagten: Weil für das Bundesgericht nicht hundertprozentig klar war, woher die demente Frau ihre Brandwunde am Oberschenkel hatte, schickte es den Fall zurück ans Zürcher Obergericht. Dieses musste einen 29-jährigen Pfleger nun freisprechen. Wegen der fortschreitenden Demenz konnte die Frau nicht befragt werden. Für die Gerichtsprozesse blieben nur Indizien. Wie aus dem kürzlich publizierten Urteil hervorgeht, wird dem Mann eine Genugtuung in der Höhe von 17400 Franken für die Untersuchungshaft zugesprochen. Zudem erhält er 1000 Franken Genugtuung, weil das Verfahren so lange dauerte und weitere 1000 Franken, weil er seine Lehre nicht abschliessen konnte.

Die Verbrennung wurde am 20. März 2013 bemerkt. Eine Mitarbeiterin in einem Pflegezentrum im Unterland stellte damals bei der schwer pflegebedürftigen Bewohnerin eine etwa fünf auf sechs Zentimeter grosse Wunde auf der Innenseite des Oberschenkels fest. Im internen Informationssystem war dazu jedoch nichts vermerkt. Schnell fiel der Verdacht auf den Lehrling, der an jenem Morgen für das Duschen und Anziehen der Frau zuständig war. Die Staatsanwaltschaft setzte ihn für 77 Tage in Untersuchungshaft, was dazu führte, dass er seine Lehrstelle verlor. Seine Ausbildung zum Fachmann Gesundheit konnte er nicht abschliessen.

Im November 2017, also erst vier Jahre nach dem Vorfall, erhob die Staatsanwaltschaft schliesslich Anklage wegen Körperverletzung. Das Bezirksgericht Bülach verurteilte den Schweizer schliesslich zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken. Der Mann zog vor Obergericht, das den Schuldspruch jedoch bestätigte, und danach vor Bundesgericht, wo er schliesslich Recht erhielt. Es sei zwar naheliegend, dass er die Frau verbrannt habe, hielt das Bundesgericht fest. Es sei aber keineswegs ein vorsätzliches Handeln ersichtlich. Vielmehr sei wohl «ein Missgeschick mit Verletzungsfolge» passiert. Und weil er gefürchtet habe, seine Lehrstelle zu verlieren, habe er die Verletzung nicht im System eingetragen.