Master-Messe

Da verliert man leicht die Orientierung

Wer hat da noch den Durchblick? Wer nach Abschluss des Bachelor Examens nicht gleich in einen Beruf einsteigen will, sondern ein Master-Studium anschliessen will, hat die Wahl unter mehreren hundert Studiengängen.

Alfred Borter
Drucken
Teilen
Wie soll es nach dem Bachelor-Studium weitergehen? Beim riesigen Master-Studium-Angebot leidet die Übersicht. Symbolbild/az-Archiv

Wie soll es nach dem Bachelor-Studium weitergehen? Beim riesigen Master-Studium-Angebot leidet die Übersicht. Symbolbild/az-Archiv

Limmattaler Zeitung

Die Studiengänge werden nicht nur von den Universitäten und der ETH angeboten, sondern seit 2008 auch von den Fachhochschulen. Hier ist ein veritabler Boom im Gange. Ferner sind auch bei privaten Bildungsinstitutionen Mastergrade erreichbar.

In dieser zunehmend unübersichtlichen Situation will die erste Master- Messe, die am 9. und 10.November in den Messehallen des World Trade Center in Zürich Nord stattfindet, für Orientierung sorgen. Wie Rolf Sonderegger, einer der beiden Geschäftsführer der veranstaltenden Together AG, erwähnt, gibt es ähnliche Messen auch in Deutschland.

Inflation bei Masterstudiengängen

Sonderegger spricht von einer Inflation, welche im Bereich der Masterstudiengänge herrsche. An der Master-Messe in Zürich sind 23 Institutionen aus der Schweiz, Österreich und Liechtenstein vertreten, sie bieten mehr als 400 Studiengänge an, die zum Master-Titel führen.

Darunter sind etwa die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ebenso die Universitäten von Neuenburg, Genf und Luzern und die ETH Lausanne, nicht aber die Universität Zürich und die ETH Zürich. Diese stehen wie die Universitäten von Basel, Bern und St.Gallen abseits.

Kein Bedarf für UZH und ETHZ

Die Vielfalt bei den angebotenen Masterprogrammen sei enorm, hält Sonderegger fest, und gerade die Fachhochschulen hätten einen grösseren Bedarf als die etablierten Unis, ihr Angebot breiter bekannt zu machen. Gibt es gar einen Konkurrenzkampf? «Ja, den gibt es», bestätigt Sonderegger. Dabei geht es nicht allein um die besten Studierenden, die man anlocken möchte, zum Teil geht es auch darum, genügend Teilnehmer zu rekrutieren, damit ein vorgesehener Studiengang stattfinden kann.

Warum sind Studierende überhaupt bereit, nach dem Bachelor nochmals ein oder zwei Jahre Studium anzuhängen, um einen Masterabschluss zu erlangen? Die Karriereperspektiven für Masterabsolventen seien besser, gibt Sonderegger zu verstehen. An der Zürcher Master-Messe werden etwa 2000 Studieninteressierte und Personalverantwortliche erwartet.

Warum steht die Universität Zürich, die zwei Dutzend Masterprogramme durchführt, bei der Zürcher Master-Messe abseits? Wie Beat Müller von der Kommunikationsabteilung der Universität erwähnt, war das Bedürfnis dafür nicht gegeben. «Auf unserer Website findet man die wesentlichen Informationen», sagte er, ausserdem führten einzelne Fakultäten Informationsveranstaltungen durch. In der Regel wollten die Absolventen eines Bachelorstudiums ohnehin auch den Master machen, und man sehe es natürlich gerne, wenn auch dieses Studium in Zü-
rich erfolge. Auch sei man offen für Anfragen von Studierenden aus dem Ausland, aber Marketing wie etwa die ETH, die ganz gezielt sehr gut qualifizierte Masterstudierende aus dem Ausland anlocke, mache die Uni Zürich bislang nicht.

Roman Klingler, Mediensprecher der ETH Zürich, bestätigt: «Wir müssen keine Werbung für unsere Masterstudiengänge machen.» An der ETH nehme der überwiegende Teil der eigenen Bachelors ohnehin auch den Master in Angriff, und aus dem Ausland habe man in den letzten Jahren so viele Bewerbungen erhalten, dass man bei der Aufnahme brem-sen müsse: Dieses Jahr seien von den 2600 Bewerbern für ein Masterstudium knapp 1000 zum Studium zugelassen worden.

Gespannt auf das Interesse

Nach Auskunft von Silvia Behofsits von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, welche in den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Gesundheit, Life Sciences und Facility Management, angewandte Psychologie, soziale Arbeit und weiteren ein Masterstudium anbietet, nutzt die ZHAW die Gelegenheit an der Master-Messe, ihr gutes Dutzend Masterstudiengänge einem interessierten Publikum vorzustellen. «Für unsere Studiengänge möchten wir die besten Studierenden ansprechen», sagt sie. «Dafür ist diese Master-Messe eine Plattform. Da diese zum ersten Mal durchgeführt wird, sind wir natürlich gespannt auf das Publikumsinteresse.»