Tourismus

«Der Emir von Katar kommt nicht»: Hotel Atlantis neu eröffnet

Das neu eröffnete Hotel Atlantis will an die glamourösen Zeiten der Siebziger- und Achtzigerjahre anknüpfen.

Matthias Scharrer
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Das Hotel Atlantis in den 70er-Jahren (zvg)
8 Bilder
Hotel Atlantis
Die Hotelbar
Die Raucherlounge
Die günstigsten Zimmer kosten pro Nacht 549 Franken
Die denkmalgeschützte Wendeltreppe
Blick ins Badezimmer einer Suite
Das Hotel, wie es sich heute präsentiert

Das Hotel Atlantis in den 70er-Jahren (zvg)

Zur Verfügung gestellt

Zürich hat eine neue Absteige im Luxussegment: 549 Franken kostet eine Nacht im günstigsten Zimmer des gestern neu eröffneten Hotels Atlantis am Fusse des Üetlibergs. Das Geschäft sei gut angelaufen, sagt Hoteldirektor Martin Vossen in der von Marmor, Spiegelglas und einer extravaganten Deckenbeleuchtung geprägten Hotellobby: «Wir haben viele Anfragen für Seminare und Events.» Von den 95 Zimmern und Suiten seien derzeit im Tagesschnitt 20 bis 25 belegt, wobei noch nicht alle Einheiten fertig gebaut sind. Fürs nächste Jahr peilt Vossen eine Auslastung von 65 Prozent an, was in etwa dem Stadtzürcher Durchschnitt in diesem Segment entspräche.

Die Konkurrenz ist gross: Allein im Zeitraum 2012 bis 2017 entstehen in Zürich 3500 neue Hotelbetten. Das kommt einem Zuwachs um ein Drittel gleich, wie Jörg Arnold, der damalige Präsident des Verbands Zürcher Hoteliers, beim Spatenstich der «Atlantis»-Renovation sagte. Dank der Lage im Grünen, umgeben von einer Kuhweide, räumte Arnold dem «Atlantis» aber durchaus Chancen ein, sich auf dem hart umkämpften Markt zu etablieren.

Hoteldirektor Vossen, der den Betrieb für die Schweizer Hotelkette Giardino führt, nennt als Zielpublikum Deutsche, Schweizer, US-Amerikaner, Gäste aus dem Nahen Osten und der ganzen Welt – sowohl Geschäftsleute als auch Touristen. Auch er sieht die Nähe von Stadt und Natur als Trumpf im Wettbewerb um Hotelgäste, der sich durch die Frankenstärke verschärft hat. Und: Er will mit dem neuen «Atlantis» an die glamourösen Zeiten des Hotels in den Siebziger- und Achtzigerjahren anknüpfen. Damals logierten Weltstars wie Muhamed Ali und Freddie Mercury im «Atlantis».

Misstöne vor dem Neustart

Nach einem Konkurs schloss das Hotel 2004 und stand danach jahrelang leer. Zwischennutzungen folgten: 2009 wurde es zur Asylunterkunft, ein Jahr später dann zum Studentenheim. Auch Hausbesetzer machten es sich kurzfristig im «Atlantis» gemütlich. Sie nannten sich «Familie Donovan» – eine Anspielung auf den britischen Sänger Donovan, der 1969 mit dem Song «Atlantis» einen Welthit landete.

Das Auftauchen des «Atlantis» aus der Versenkung war von Misstönen begleitet: Im September 2013 eröffnete der Bezirksrat Zürich ein Verfahren gegen die Besitzer des Hotels, die Neue Hotel Atlantis AG, hinter der Investoren aus Katar stehen. Es bestand der Verdacht, dass die Luxussuite zuoberst im Hotel den Katarern als Privatabsteige dienen sollte, was ein Verstoss gegen die «Lex Koller» wäre. Der Bezirksrat stellte das Verfahren ein, nachdem klar war, dass auch andere Gäste die Suite mieten könnten.

Im Oktober 2014 verfügte die Stadt Zürich einen Baustopp. Grund: Die zulässige Höhe der Aufbauten auf dem Hoteldach wurde überschritten. Die Stadt forderte Rückbauten. Die Bauherren gingen nur zum Teil auf die Forderungen der Stadt ein, die den Bau daraufhin als «knapp bewilligungsfähig» einstufte.

Zu einem kurzfristigen Baustopp kam es auch im Februar 2015, als die Gewerkschaft Unia Dumpinglöhne auf der Atlantis-Baustelle beklagte. Betroffen waren gemäss Unia-Sprecher Lorenz Keller Bauarbeiter aus Ungarn und Polen. Die Lohnausstände hätten sich gemäss Berechnungen eines unabhängigen Treuhänders auf 30 000 bis 50 000 Franken pro Person belaufen. Die Baufirma, die als Generalunternehmer die Atlantis-Bauarbeiten unter sich hatte, verweigert laut Keller bis heute Nachzahlungen und habe die Verantwortung an ein Subunternehmen abgeschoben – ohne zählbares Resultat für die betroffenen Bauarbeiter.

Hoteldirektor Vossen weist die Lohndumping-Vorwürfe ebenfalls weit von sich: «Das hat nichts mit den Besitzern und den Betreibern des Hotels zu tun.» Zuständig sei das Bauunternehmen. Und auf allfällige Privatinteressen der Investoren angesprochen, sagt Vossen: «Der Emir von Katar kommt nicht zu uns.» Das Herrscherhaus des Golfstaats habe ebenfalls nichts mit dem «Atlantis» zu tun.