Volketswil

Der islamische Kindergarten ist in Volketswil unerwünscht

Ein Verein will in Volketswil einen islamischen Kindergarten eröffnen. Die Pläne stossen in der Gemeinde auf Unverständnis. Im Islamischen Zentrum winkt man ab und sagt, dass ohne eine Bewilligung des Kantons ohnehin nichts laufe.

Thomas Bacher
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Die Moschee in Volketswil: Hier soll der islamische Kindergarten Platz finden.

Die Moschee in Volketswil: Hier soll der islamische Kindergarten Platz finden.

Carole Fleischmann

Die Pläne waren bekannt, nur der Ort noch nicht. Nun herrscht Klarheit: Der erste muslimische Kindergarten der Schweiz soll in Volketswil eröffnet werden, genauer im Islamischen Zentrum an der Zürcherstrasse in Hegnau. Das schreibt die «SonntagsZeitung» in ihrer jüngsten Ausgabe.

Die Pläne sind insofern brisant, als hinter dem Vorhaben mit der Konvertitin Melanie Muhaxheri zumindest eine Aktivistin aus dem Umfeld des radikalen Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS) steht. Auf dem Lehrplan sollen dann auch Prophetengeschichten statt Märchen stehen; die Vier- bis Sechsjährigen sollen Arabisch lernen und den Koran studieren.

Wie der zuständige Verein auf seiner Website festhält, werde der kantonale Lehrplan so eingesetzt, dass die Kinder bestmöglich auf den Schuleintritt vorbereitet würden.

Zentrum stellt Bedingungen

Aus den Reihen des Islamischen Zentrums Volketswil wird bestätigt, dass eine entsprechende Anfrage des Vereins Al Huda vorliegt. «Wir hätten die geeigneten Räumlichkeiten», sagt Daniel Kientzler, Vorstandsmitglied und Mediensprecher der Stiftung Islamisches Zentrum. «Unsere Bedingung ist aber eine Bewilligung durch das Zürcher Volksschulamt. Wenn die nicht vorliegt, vermieten wir nicht.»

Wenn sich der Lehrplan tatsächlich im Wesentlichen auf Arabisch und die Koranlehre beschränke, sehe er ohnehin keine Chance für die Initianten.

Radikalen Kräften keine Plattform bieten

Doch auch bei einer Genehmigung durch den Kanton werde man noch eigene Nachforschungen anstellen, so Kientzler. «Wir wollen radikalen Kräften wie dem IZRS keine Plattform bieten.» Es sei auch schon vorgekommen, dass dessen Mitglieder im Volketswiler Zentrum mit Handzetteln Werbung für ihre Veranstaltungen gemacht hätten. «Die haben wir vom Platz verwiesen, das können sie auf der Strasse machen, aber nicht bei uns.»

Dennoch: Unter Moslems bestehe durchaus das Bedürfnis nach einem privaten Kindergarten, gibt Kientzler an. Es könne aber nicht sein, dass ein solcher von radikalen Kräften indoktriniert werde. Das Ziel könne nur die Integration sein, nicht die Separation.

Gleichzeitig ist er nicht einverstanden mit der «verwässerten Vorstellung» des Islams, wie sie etwa Saïda Keller-Mes¬sahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, verbreite.

Kritik moderater Moslems

Keller-Messahli sprach gegenüber der «Sonntags Zeitung» von einem «Gehirnwäsche-Kindergarten», den es abzulehnen gelte. Skeptisch äusserte sich Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen (Kios). Sondereinrichtungen seien selten zielführend, wird er zitiert.

Und Martin Wendelspiess, Leiter des Zürcher Volksschulamts, schwieg sich zum Stand des Verfahrens aus. Nur so viel: Je mehr Abweichungen vom Lehrplan, umso mehr Zeit nähmen die Abklärungen in Anspruch. Als die Zeitung «Schweiz am Sonntag» Ende 2011 die Pläne des Vereins Al Huda erstmals öffentlich machte, sagte Wendelspiess: «Ob ein Kindergarten islamisch, jüdisch oder christlich ist, spielt für uns keine Rolle.» Wichtig sei ausgebildetes Personal, das sich an den Lehrplan halte.

Kinder nicht separieren

Der Volketswiler Gemeindepräsident Bruno Walliser (SVP) hat kein Verständnis für die Pläne des Vereins Al Huda. Er hofft, dass die Bildungsdirektion das Vorhaben nicht unterstützen wird. «Der Kindergarten gehört zur Volksschule, und diese unternimmt grosse Anstrengungen, um Kinder aus anderen Kulturkreisen zu integrieren», so Walliser.

Wenn nun aber Arabisch und der Koran auf dem Lehrplan stehe, dann würden die Kinder weiter separiert - und das ausgerechnet in einem Alter, in dem die Sprache am spielerischsten erlernt werden könne. «Diese Kinder würden dann mit einem Riesendefizit in der ersten Klasse ankommen, das sie vielleicht nie mehr richtig aufholen können.» Dies laufe zwangsläufig auf eine neue Forderung hinaus: eine separate Primarschule.

Auf kommunaler Ebene könne man zwar wenig gegen solche Pläne machen. Doch am Montag hätten bereits verschiedene Kantonsräte darüber beraten, vom Zürcher Regierungsrat mittels einer schriftlichen Anfrage eine Stellungnahme einzufordern.

Religionsfreiheit, aber ...

Seitens der örtlichen SVP ertönen beim Thema islamischer Kindergarten nicht gerade Jubelschreie. Die Partei hatte Anfang 2009 innerhalb von drei Wochen mehr als 700 Unterschriften gegen den Bau das Islamischen Zentrums gesammelt. «Ich bin gegen jegliche Art von Separation», sagt Parteipräsident Benjamin Fischer.

In der Volksschule würden die Kinder sozialisiert und lernten, sich in der Gesellschaft zu bewegen. «Diese Kinder leben hier und müssen sich integrieren, sonst fällt ihnen das später viel schwerer», sagt Fischer und verweist auf moderate islamische Kreise, die ebenfalls Kritik geäussert hätten. «Natürlich herrscht in der Schweiz Religionsfreiheit, aber es existiert auch ein Recht auf Bildung. Und es gibt ein Volksschulgesetz, an das sich alle halten müssen.»

Wie Walliser hofft auch Fischer, dass der Kanton den islamischen Kindergarten nicht bewilligt. Er befürchtet jedoch, dass die Initianten genau wüssten, wie die Bedingungen der Bildungsdirektion zumindest auf dem Papier zu erfüllen seien. «Und dann besteht die Gefahr, dass sie die Bewilligung erhalten.»