Prozess

«Diese Frauen lügen» – Brutalo-Zuhälter wittert Verschwörung

Der mutmassliche Zuhälter, der sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten musste, hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten. Er vermutet eine Verschwörung. Sein Verteidiger forderte einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Gefängnis. Das Urteil steht noch aus.

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Frauen am Sihlquai, im Februar 2011.

Frauen am Sihlquai, im Februar 2011.

Keystone

Der Mann wird beschuldigt, zwei Frauen in die Schweiz geholt und sie zur Prostitution gezwungen zu haben. Die Einkünfte knöpfte er ihnen gemäss Anklageschrift ab: Die Staatsanwaltschaft geht von insgesamt rund 900'000 Franken aus.

"Es gibt in der Prostitution keine Buchhaltung und Belege. Aber wir haben Hinweise, dass diese Angaben ungefähr stimmen", sagte die Staatsanwältin vor Gericht.

Eine der Frauen soll ausserdem ein Kind von ihm erwartet haben. Da er dieses nicht wollte, soll er sie zu Boden gestossen und auf ihren Bauch gestanden sein. Die Frau verlor das Kind.

Die Staatsanwaltschaft hat den 45-jährigen Mann aus Ungarn, ein Angehöriger der Roma, deshalb unter anderem wegen Menschenhandel, Förderung der Prostitution und strafbarem Schwangerschaftsabbruch angeklagt. Sie fordert dafür eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und eine unbedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 30 Franken.

Die zwei Vertreterinnen der Frauen machen ausserdem posttraumatische Belastungsstörungen ihrer Mandantinnen geltend. Sie wollen deshalb für die eine Frau 33'000 Franken Genugtuung und 300'000 Franken Schadenersatz, für die andere 15'000 und 160'400 Franken - alles zuzüglich 5 Prozent Zins.

"Mann mit zwei Gesichtern"

Für die Staatsanwältin ist der Beschuldigte ein Mann mit zwei Gesichtern: Einerseits freundlich und höflich, andererseits unberechenbar, gewalttätig und skrupellos. "Sein Verhalten ist weder moralisch noch rechtlich tolerierbar", sagte die Staatsanwältin.

Für sie ist erwiesen, dass der Mann als Zuhälter tätig war, die zwei Frauen bedroht und geschlagen und den Schwangerschaftsabbruch herbeigeführt hat. "Er holte sie in die Schweiz, damit sie für ihn arbeiten."

Die Staatsanwältin stützt sich hauptsächlich auf die Aussagen der zwei Frauen und von Zeugen. Sie stuft dabei die zwei Frauen glaubwürdiger ein als den Beschuldigten. "Seine Aussagen sind lebensfremd und nicht nachvollziehbar", sagte sie.

Aufpasser, nicht Zuhälter

Der Beschuldigte, der im vorzeitigen Strafvollzug sitzt und in seiner Heimat bereits einschlägig vorbestraft ist, bestritt sämtliche Vorwürfe. Er bezeichnete sich selbst nicht als Zuhälter, sondern als Aufpasser, Sicherheits- und Wachmann der Frauen.

Die Frauen, die beide vorher schon als Prostituierte gearbeitet hätten, seien zu ihm gekommen, um für ihn zu arbeiten. Er habe sie weder auf den Strich gezwungen noch ihnen vorgeschrieben, wie sie zu arbeiten hätten. "Sie haben immer selber bestimmt, wann und wo sie arbeiten wollten", sagte er vor Gericht.

Er selber sei jeweils vier bis fünf Kilometer von ihnen entfernt gewesen, so dass er im Notfall schnell hätte eingreifen können. Die Frauen hätten ihn jeweils aus Sicherheitsgründen kurz angerufen, damit die Freier wussten, dass ein Aufpasser da ist, der die Frauen beschützt.

Die Einnahmen - die Zahlen der Staatsanwaltschaft seien übrigens reine Fantasie - seien stets geteilt worden und er habe nie jemanden geschlagen, getreten oder bedroht. "Die Frauen lügen permanent", sagte er. "Ich habe mich ihnen gegenüber immer korrekt verhalten." Dabei handle es sich im Übrigen nicht um naive Mädchen. "Sie wussten was sie taten, man musste sie nicht antreiben."

Er befürchtet eine Verschwörung gegen sich, da die Frauen wohl Geld wollten und eine von ihnen Probleme mit der Aufenthaltsbewilligung hatte. "Sie wissen, wie der Hase läuft. Sie schwärzen jemanden bei der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration an und dürfen dafür in der Schweiz bleiben."

Verteidiger fordert Freispruch

Sein Verteidiger forderte einen Freispruch sowie eine angemessene Genugtuung für seinen Mandanten. Er zweifelt die Aussagen der Frauen an und sprach von "realitätsfremden Schilderungen" und "Lügen".

Sie hätten Geld verdienen wollen und sich selbstständig für die Prostitution in der Schweiz entschieden - "bevor sie meinen Mandanten kannten". Sein Mandant sei ausserdem mehrmals für einige Zeit zurück nach Ungarn gereist. "Die Frauen hätten also jederzeit aufhören können."

Das Urteil steht noch aus. Es soll am Freitagnachmittag eröffnet werden.