Eltern misshandelten Kinder jahrelang – nun wurden sie verurteilt

Der Vater wurde zu 16½ Jahren, die Mutter zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt.

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Die Straftaten waren unter anderem Körperverletzung und sexuelle Nötigung. (Symbolbild)

Die Straftaten waren unter anderem Körperverletzung und sexuelle Nötigung. (Symbolbild)

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Ein Ehepaar, das zwei seiner sieben Kinder über Jahre hinweg schwerstens misshandelt hat, ist gestern vom Bezirksgericht Zürich wegen schwerer Körperverletzung und mehrfacher qualifizierter Freiheitsberaubung zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Zudem wird der Vater wegen Gefährdung des Lebens, sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfacher sexueller Nötigung und Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht schuldig gesprochen.
Er muss 161⁄2 Jahre ins Gefängnis und die Mutter 12 Jahre, wie das Bezirksgericht in einer Mitteilung schreibt. Die mittlerweile geschiedenen Eltern sind nicht geständig. Sie machen den jeweils anderen Elternteil für die Misshandlungen verantwortlich.

Das Gericht kam aufgrund der Beweislage jedoch zum Schluss, dass die beiden Beschuldigten die inzwischen erwachsenen Kinder jahrelang systematisch im Keller einsperrten und diversen körperlichen Strafen, Schmerzen, Hunger, Schikanen, Demütigungen und Erniedrigungen aussetzten. «Sie handelten in Mittäterschaft und zum Teil durch Unterlassung, indem keiner den anderen von den strafbaren Handlungen abhielt», heisst es in der Mitteilung weiter. Das Gericht beurteile es als erwiesen, dass der Vater ausserdem an einem seiner Kinder während Jahren sexuelle Handlungen beziehungsweise Nötigungen vornahm, seine damals bereits erwachsene Stieftochter sexuell nötigte und ein weiteres Kind körperlich misshandelte.

Eltern hörten erst auf, als Kinder ins Heim gingen

Das Vorgehen der Beschuldigten bezüglich der Kindsmisshandlungen sei äussert brutal gewesen: «Die Kinder wurden von ihren Eltern auf schlimmste Art und Weise misshandelt. Sie mussten über Jahre in ständiger Angst leben und erhielten von niemandem Schutz, Trost, Fürsorge oder Liebe. Insgesamt ist von einer enormen kriminellen Energie der beiden Beschuldigten auszugehen», hält das Gericht weiter fest. Erschwerend komme hinzu, dass die Eltern mit den Misshandlungen nicht von alleine aufhörten, sondern erst, als die Kinder ins Kinderheim kamen. Insgesamt beurteile das Gericht das Verschulden beider Elternteile innerhalb des sehr weiten Strafrahmens von bis zu 20 Jahren als erheblich. Beim Vater falle weiter ins Gewicht, dass er zudem über einen sehr langen Zeitraum und sehr häufig sexuelle Handlungen an seiner eigenen Tochter vornahm und weitere schwere Delikte an seinen Kindern beziehungsweise seiner Stieftochter und seiner damaligen Frau verübte.

Die Mutter und die Stieftochter werden von den aufgrund einer Strafanzeige des Vaters in einer separaten Anklageschrift erhobenen Vorwürfen der Verleumdung, falschen Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann beim Obergericht angefochten werden.