Reaktionen

Fluglärmorganisationen fordern Regierung zum Handeln auf

Obschon um den Flughafen Zürich weniger Menschen von Fluglärm betroffen sind, hat der neueste Bericht zum Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) bei den Schutzorganisationen keine Freude ausgelöst.

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Die Schutzorganisationen kritisieren, dass der Referenzwert weiterhin massiv überschritten wird (Themenbild).

Die Schutzorganisationen kritisieren, dass der Referenzwert weiterhin massiv überschritten wird (Themenbild).

Keystone

Der Regierungsrat befinde sich "in einem Interessenskonflikt, der kaum zu lösen sein wird", schreibt die "Region Ost". Als Mitbesitzer des Flughafens habe der Kanton die Aufgabe, die Bevölkerung vor schädlichen Auswirkungen des Flugbetriebs zu schützen. Gleichzeitig müsse er die volks- und verkehrswirtschaftlichen Interessen fördern.

Der Regierungsrat sehe keine Massnahmen vor, um den ZFI kurzfristig in den Griff zu bekommen, heisst es weiter. Dabei gäbe es laut der "Region Ost" eine schnell wirksame Massnahme. So müsste die Zahl jener An- und Abflüge verringert werden, die dem Verspätungsabbau dienen, also zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr.

Änderung bei Flugplanung möglich

An diesem Punkt knüpft auch der "Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich" (SBFZ) an. Auch er fordert, dass die Flugbewegungen in den "sensiblen Nachtrandstunden" reduziert werden. Dies sei die "absolut wirksamste Massnahme". Die Umsetzung könnte laut Schutzverband über die Flugplanung erfolgen.

Dass der Richtwert von 47'000 Personen immer noch um gut 20 Prozent überschritten wird, zeigt nach Ansicht der "IG-Nord", dass es rasch wirksame Massnahmen braucht. Ein "erhebliches Reduktionspotenzial" liege bei Lärmschutzmassnahmen sowie bei leiseren Flugzeugen.

Zudem habe der ZFI-Wert lediglich in der Nacht abgenommen. Dies sei auf Kosten der Bewohner im Norden des Flughafens geschehen. Der Flughafen sei dazu übergegangen, in den Randstunden während der deutschen Sperrzeiten vermehrt ab der Piste 32 nach Norden starten zu lassen. Gegen diese "Nordkanalisierung" wehre sich die IG.

Pro Flughafen: ZFI setzt "falsche Zeichen"

Für die Vereinigung "Pro Flughafen" steht fest, dass der ZFI "falsche Zeichen setzt und grundsätzlich zu überdenken ist", wie sie in einer Mitteilung schreibt. Der ZFI trage in keiner Weise der Tatsache Rechnung, dass die Bevölkerung rund um den Flughafen Jahr für Jahr stark zunehme.

Dass Menschen, die bewusst in die Nähe des Flughafens wohnten, vom ZFI pauschal als 'vom Fluglärm belästigt' eingestuft würden, ziele an der Realität vorbei. Dadurch werde die Tatsache verschleiert, dass der Fluglärm Jahr für Jahr abnehme.

Das Komitee "Weltoffenes Zürich" plädiert für einen "politischen Perspektivwechsel". Der zentrale Treiber des ZFI sei das Bevölkerungswachstum in der Region. 98 Prozent der ZFI-Entwicklung sei seit 2000 darauf zurückzuführen. Dagegen hätten nur 2 Prozent ihren Ursprung im Flugbetrieb.

Luftverkehrsseitig seien die Hausaufgaben weitgehend gemacht. Künftig müsse deshalb der Nutzen des Luftverkehrs wieder stärker gewichtet werden. Von weiteren betrieblichen Einschränkungen sei deshalb Abstand zu nehmen.