Agglomerationsverkehr

Freie Fahrt für Radler: Kanton Zürich plant Veloschnellrouten

Bis Ende 2013 soll die neue Velonetzplanung des Kantons vorliegen. Während die alte Strategie das Velo vorwiegend als Freizeitgerät sah, wird es nun vermehrt als Alltagsfahrzeug für Arbeits- und Einkaufswege auch auf längeren Strecken eingeplant.

Matthias Scharrer
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Veloweg in Dietikon. Für die Zukunft peilt der Kanton Zürich im Agglomerationsverkehr eigens Velostrassen und separate Velobahnen an. sar

Veloweg in Dietikon. Für die Zukunft peilt der Kanton Zürich im Agglomerationsverkehr eigens Velostrassen und separate Velobahnen an. sar

Limmattaler Zeitung

15 Millionen Franken stellt der Kanton Zürich Jahr für Jahr zur Verfügung, um Lücken im Radwegnetz zu schliessen. So ist es auch im Strassenbauprogramm 2014 bis 2016 vorgesehen, das der Regierungsrat gestern vorgelegt hat. Grundlage ist die kantonale Radwegstrategie von 2006.

Doch sie ist schon bald überholt. Bis Ende 2013 soll die neue Velonetzplanung des Kantons vorliegen. Während die alte Strategie das Velo vorwiegend als Freizeitgerät sah, wird es nun vermehrt als Alltagsfahrzeug für Arbeits- und Einkaufswege auch auf längeren Strecken eingeplant. Und da sind vor allem schnelle Verbindungen von A nach B gefragt.

Velostrassen und Velobahnen

Deshalb prüft der Kanton für die Zukunft auch Veloschnellrouten, auf denen Radler möglichst ungehindert vorankommen sollen. In Siedlungsgebieten, wo keine separaten Trassees möglich sind, können dies Quartierstrassen sein, die neu als Velostrassen definiert werden. Voraussetzung dafür wäre eine Gesetzesänderung des Bundes, wie Kathrin Hager, Leiterin der kantonalen Koordinationsstelle Veloverkehr, sagt.

Denn die freie Fahrt für Velofahrer sei nicht ohne weiteres vereinbar mit den geltenden Regeln auf Quartierstrassen, namentlich mit dem Rechtsvortritt und Tempo 30. Auch die Idee, dass Velos auf den Velostrassen nebeneinander fahren dürften, stünde im Widerspruch zu den heute geltenden Vorschriften.

Die andere Variante für Velo-schnellrouten, die der Kanton anpeilt, sind sogenannte Velobahnen. Dabei handelt es sich um separate Trassees für Velos auf längeren Routen, zum Beispiel entlang von Bahngleisen. Sie wären kreuzungsfrei durchgängig.

Besonders in dicht besiedelten Gebieten, wo viele Pendler unterwegs sind und sowohl der motorisierte Individualverkehr als auch der öffentliche Verkehr am Anschlag sind, sieht Hager Potenzial für solche Velobahnen. Neben Winterthur kämen dafür primär das Limmattal, das Glatttal und städtische Gebiete im Zürcher Oberland infrage.

Mit einem Pilotversuch in Winterthur will der Kanton zusammen mit der Stadt nun die Möglichkeiten für Velostrassen und Velobahnen ausloten. Das Pilotprojekt soll laut Hager als Grundlage für den kantonalen Velonetzplan und die Prüfung einer Gesetzesänderung dienen.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wären auch für andere Regionen im Kanton wegweisend. Wann der Pilotversuch startet, ist noch nicht festgelegt. Die Planungshoheit dazu liegt bei der Stadt Winterthur, die gestern auf Anfrage nicht antwortete.

Der Pilotversuch kann laut Hager auch ohne Gesetzesänderung durchgeführt werden. Der Bau von Velobahnen im grösseren Stil dürfte aber nach ihrer Einschätzung vom Startschuss an rund vier Jahre in Anspruch nehmen. Mit Einsprachen wäre zu rechnen.