«In jungen Jahren habe ich an Hochzeiten und Beerdigungen gesungen»

Der Baudirektor ist kein Mann fürs Grobe. Dafür wird er auch ausserhalb seiner Partei geschätzt. Manche jedoch, legen ihm dies als Schwäche aus. Markus Kägi über die kommenden Wahlen, seine Bilanz als Regierungsrat und sein Hobby, das Singen.

Heinz Zürcher
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«Ich bin zufrieden, wenn ich unter den ersten 7 bin»: SVP-Regierungsrat Markus Kägi in seinem Büro. Marc Dahinden

«Ich bin zufrieden, wenn ich unter den ersten 7 bin»: SVP-Regierungsrat Markus Kägi in seinem Büro. Marc Dahinden

Landbote

Markus Kägi hat zu tun. Für das Interview in seinem Büro am Walcheplatz werden offiziell nur 30 Minuten gewährt. Eine halbe Stunde, um über seine politische Laufbahn zu sprechen, seine Arbeit als Regierungsrat, über Raumplanung, Energiepolitik, über grosse Bauvorhaben – und darüber, was er tut, wenn er mal frei hat.

Wobei Letzteres schnell beantwortet ist. Denn viel Freizeit bleibt ihm nicht bei seinem Pensum. Um 5 Uhr steht er auf, um 6 besteigt er den Zug Richtung Zürich und erst zwischen 21 und 23 Uhr ist er wieder daheim in Niederglatt.

Vor den Wahlen füllt er seine Agenda mit zahlreichen Veranstaltungen auf. Kaum ein Tag, an dem er nicht auf einem Podium oder an einem Stand steht: Pflichtprogramm – selbst für einen Politiker, der seit acht Jahren im Amt ist, die grösste Partei und das bürgerliche Bündnis der Top 5 hinter sich weiss, der im Volk beliebt ist und auch im gegnerischen Lager Sympathien geniesst.

Auf Kägi angesprochen, sagt Robert Brunner, Kantonsrat der Grünen: «Er ist umgänglich und angenehm, ist nicht gleich pikiert und macht auch mal einen Witz.»

Ähnlich tönt es von SP-Kantonsrat Andrew Katumba, der Kägi in der kantonsrätlichen Kommission für Planung und Bau erlebt: «Er ist zugänglich, zuvorkommend, um eine einvernehmliche und gute Stimmung bemüht.» Und FDP-Fraktionspräsident Thomas Vogel: «Ich schätze ihn. Ich kann nichts Negatives sagen.»

«Mit Vorhaben überfordert»

Erst wenn von Kägis Leistungsausweis die Rede ist, wird Kritik laut. Thomas Vogel bemängelt etwa, dass er immer wieder höre, die Baudirektion – im Speziellen das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – sei dem Gewerbe gegenüber zu wenig kundenfreundlich. «Da erwarte ich von Kägi, dass er das abstellt und als Bürgerlicher einen KMU-freundlichen Geist in seine Direktion bringt.»

Unglücklich habe der SVP-Regierungsrat auch bei der Planung des Polizei- und Justizzentrums (PJZ) in der Stadt Zürich agiert. «Man hat den Eindruck, die Baudirektion ist bei diesem Vorhaben überfordert», sagt Vogel. «Klar, bei der Planung sind mehrere Direktionen involviert, bringen laufend neue Bedürfnisse ein – das ist mühsam. Aber Kägi hat nun mal als Baudirektor die Verantwortung.»

Dazu sagt Kägi: «Das Projekt läuft seit 2000, ab 2007 hab ich es übernommen. Die Welt ist seither nicht stehen geblieben, es gibt neue und gewachsene Anforderungen, beispielsweise die Bekämpfung von Cyberkriminalität. Das benötigt Anpassungen, und die wird es auch bis zum Bezug im Jahr 2019/2020 geben.» Es entstehe nicht weniger als das komplexeste Gebäude der Schweiz, in dem Abteilungen aus 30 verschiedenen Standorten zusammengeführt werden. Es sei selbstredend, dass diese Aufgabe herausfordernd sei.

Für Richtplan-Revision gelobt

Eine weitere grosse Aufgabe – die Revision des Richtplans – hat Kägi bereits gemeistert. Dafür erhielt er viele Komplimente. Auch beim Energieplanungsbericht und bei der Kulturlandinitiative habe er einen pragmatischen Weg eingeschlagen, lobt Thomas Vogel. Die Grünen sehen dies freilich anders. Sie werfen Kägi vor, ihre Initiative zusammen mit der Mehrheit im Kantonsrat begraben zu haben. «Das war mies», sagt Robert Brunner. Schlecht ist der Kantonsrat der Grünen auch auf die Energiepolitik Kägis zu sprechen. Die Atomkraftwerke nachzurüsten und weiterzubetreiben, sei ein grober Fehler.

Dem entgegnet der Kritisierte: «Es kann nicht sein, dass wir wie die Deutschen die Atomkraftwerke abstellen und dafür die Kohlekraft fördern. Mir ist es wichtiger, dass wir den CO2-Ausstoss weiter reduzieren.»

Mit Kritik konfrontiert, bleibt Kägi ruhig. Doch seine Körpersprache – der Blick nun strenger, der Oberkörper gegen die Tischkante gedrückt – ändert sich und zeigt einen angriffigen Regierungsrat. Die Frage, ob es der ehemalige Ombudsmann oft allen recht machen wolle, scheint ihn zu nerven. «Ich will die Leute mitnehmen und überzeugen», antwortet Kägi bestimmt. «Wir diskutieren teilweise hart. Aber am Ende fälle ich einen Entscheid. Und dann erwarte ich, dass meine Mitarbeiter diesen umsetzen. Das funktioniert auch.»

«Es gibt keinen besseren Job»

Von links bis rechts gibt es Stimmen, die daran zweifeln, dass sich Kägi oft genug durchsetzen kann – ob im Regierungsrat oder in seiner Direktion. Ihm diese Schwäche nachzusagen, nur weil er den Menschen zuhöre, sie ernst nehme und freundlich bleibe, findet Kägi unfair. Es sei diese Ungerechtigkeit, die ihn wütend machen könne, bei der es selbst ihn einmal «vertätsche». Im Interview ist Kägi weit davon entfernt. Als er vom Rückhalt seiner Familie, von den (wenig verbliebenen) Stunden auf der Jagd und in der Natur erzählt, lehnt er sich zurück. Die vereinbarte Gesprächszeit von maximal 30 Minuten hat sich inzwischen verdoppelt.

Kägi gefällt seine Rolle als Baudirektor, es gebe keinen besseren Job, weder in Bern noch sonst wo. Ob er auf diesen Posten gezielt hingearbeitet habe? «Nein, ich glaube, das hätte auch nicht funktioniert.»

Gibt es denn etwas, das nicht funktioniert hat in seiner Laufbahn? «Ja, in jungen Jahren habe ich an Hochzeiten und Beerdigungen gesungen.» Seine Stimme habe gar bis ins hohe C gereicht. «Meine Mutter sah mich schon als Caruso», sagt Kägi und lacht. Doch die politischen Interessen überwogen. So ist es noch immer.

Deshalb spart er sich das Singen und Klavierspielen für später auf und tritt an für weitere vier Jahre in der Zürcher Regierung. Ein Spitzenresultat erwartet er nicht. Baudirektoren hätten es bei Wahlen sowieso immer schwer. «Aber das spielt keine Rolle», sagt Kägi und lächelt erneut: «Ich bin zufrieden, wenn ich unter den ersten 7 bin.»