Letzigrund
Zumindest ein langer Zürcher Stadionstreit ist jetzt beendet

Die Stadt Zürich einigt sich mit Implenia im Streit um Baumängel im 2007 eröffneten Letzigrundstadion. Und beim geplanten neuen Hardturmstadion gibts einmal mehr Rekurse.

Matthias Scharrer
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Letzigrund-Baustelle 2007: Das neue Stadion wurde für die Euro 08 eilig aus dem Boden gestampft.

Letzigrund-Baustelle 2007: Das neue Stadion wurde für die Euro 08 eilig aus dem Boden gestampft.

Keystone

Über zehn Jahre zog sich der Streit zwischen der Stadt Zürich und der Baufirma Implenia um Baumängel am Letzigrundstadion hin. Er beschäftigte mehrfach die Gerichte. Doch jetzt haben die Streitparteien sich geeinigt, wie sie am Mittwoch mitteilten.

Ergebnis: Die Stadt Zürich muss die zwölf Millionen Franken schwere Mängelgarantie, die sie von Implenia eingezogen hatte, nicht zurückzahlen. Beide Seiten verzichten auf sämtliche gegenseitig noch offene Forderungen, wie es in der Mitteilung der Stadt heisst.

Von den zwölf Millionen hat die Stadt laut Hochbaudepartementssekretär Urs Spinner bislang schätzungsweise die Hälfte zur Mängelbehebung verbraucht.

2010: Das Letzigrunddach erhält provisorische Stützen. SP-Stadtrat André Odermatt (rechts) inspiziert Baumängel. Keystone

Die Kosten der sichtbarsten Stadionreparatur wurden bereits in einem früheren Verfahren beglichen: 2010 hatten Baufachleute der Stadt Mängel an den Trägern des Stadiondachs festgestellt. Das Letzigrunddach wurde daraufhin zeitweise durch nachträglich montierte provisorische Stahlträger gestützt. 2019 bezahlte Implenia dafür zwei Millionen Franken.

Die Stadt Zürich hält sich schadlos

Mit der nun erzielten Einigung über die zwölf Millionen Franken Mängelgarantie hält sich die Stadt laut Spinner schadlos: «Die Steuerzahler müssen die Schäden nicht bezahlen.» Sie hatten bereits knapp 100 Millionen für den Stadionbau bezahlt.

Auch Implenia gibt sich befriedigt. Ein Firmensprecher mailte auf Anfrage: «Die nun in gegenseitigem Einvernehmen erzielte Einigung ist für beide Seiten zufriedenstellend. Sie ermöglicht es der Stadt Zürich und Implenia, auch in Zukunft konstruktiv zusammenzuarbeiten.»

Der Ärger begann im Vorfeld der Fussball-Europameisterschaft 2008, für die die Schweiz und Österreich gemeinsam den Zuschlag erhielten – mit Zürich als Standort für drei Vorrundenspiele. Die Stadt setzte zunächst auf ein neues Hardturmstadion als Spielstätte. Doch Rekurse blockierten das damalige Projekt. Ob Zürich rechtzeitig ein Euro-08-taugliches Stadion bieten könnte, war fraglich. Der europäische Fussballverband Uefa erwog daher laut Spinner gar, das Turnier einem anderen Land zu übergeben.

In aller Eile zog Zürich daher den Neubau des Letzigrundstadions vor, mit Implenia als Baufirma. Die Euro-08-Spiele konnten wie geplant stattfinden, nun halt im Letzigrund. Der Bau eines neuen Hardturmstadions blieb jedoch auf der Agenda.

Nach dem Scheitern früherer Projekte ist jetzt ein durch zwei Hochhäuser querfinanziertes Stadion geplant. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten stimmten dem bereits zweimal zu, zuletzt im September 2020.

Hardturm-Gegner bleiben hartnäckig

Doch auch gegen dieses Projekt gibt es hartnäckigen Widerstand: Eine Stimmrechtsbeschwerde ist laut Spinner jetzt vor Bundesgericht hängig, eine weitere vor dem Bezirksgericht Zürich. In der ersten moniert ein Bürger, im Abstimmungsbüchlein sei zu wenig auf die Sicherheitsvorkehrungen im Stadion eingegangen worden. In der zweiten wird kritisiert, dass die Stadt erst nach der September-Abstimmung bekanntgab, in einem der geplanten Hochhäuser eine Primar- und Sekundarschule unterbringen zu wollen. Spinner sagt:

«Die Beschwerden zeigen, dass es Leute gibt, die dieses Stadion unbedingt verhindern wollen.»

Noch ausstehend sei zudem der Entscheid des Kantons über den vom Stadtzürcher Stimmvolk gutgeheissenen Hardturm-Gestaltungsplan. Auch dagegen sind Rekurse möglich, ebenso gegen die danach fällige Baubewilligung.

Die unendliche Geschichte um Zürichs Stadionpläne geht also weiter. Nach jetzigem Stand soll 2024 das Eröffnungsspiel in der geplanten Credit-Suisse-Arena auf dem Hardturm-Areal stattfinden. Einstweilen können sich die Fans, wenn sie wieder ins Stadion dürfen, im Letzigrund an den Stützenwürsten vom Grill laben, die an die Baumängel erinnern.

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