Neerach

Mit dem Umhang «Sponcho» ist Umkleiden in der Öffentlichkeit kein Problem

Die Idee für einen vielseitig einsetzbaren Frotteeumhang hat die Neeracher Familie Hunziker aus Australien mitgebracht.

Barbara Gasser
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Schwimmponcho als Familienprojekt (von links nach rechts): Mutter Sandra, die 11-jährige Melinda, ihre 14-jährige Schwester Sarina und Vater Rolf Hunziker präsentieren ihre Eigenkreation.

Schwimmponcho als Familienprojekt (von links nach rechts): Mutter Sandra, die 11-jährige Melinda, ihre 14-jährige Schwester Sarina und Vater Rolf Hunziker präsentieren ihre Eigenkreation.

Balz Murer

Anfang Juli stand plötzlich ein grosser Speditionslastwagen vor dem Haus der Familie Hunziker in Neerach. Nur die 14-jährige Tochter Sarina war zu Hause und musste die Sendung mit 1650 in Auftrag der Hunzikers in Portugal produzierten Sponchos entgegennehmen. Das S am Wortanfang steht für Schwimmen, Surfen, Sport oder auch Sauna. Der Poncho war ursprünglich ein Stück Stoff mit einem Schlitz, durch den der Kopf gesteckt wurde. «Inzwischen haben wir alle Exemplare nach Farben und Grössen sortiert in einem Raum in unserem Haus verstaut», sagt Vater Rolf Hunziker, der hauptberuflich im Marketing tätig ist. Fast täglich kommen Bestellungen übers Internet oder telefonisch. Das Geschäft, das die Familie gemeinsam aufgebaut hat und jetzt sozusagen als Hobby betreibt, ist angelaufen.

Der erste Versuch ist gescheitert

Die Idee für die Sponchos stammt aus Australien, wo Familie Hunziker ab 2009 zwei Jahre lang gelebt hat. «Dort gehören diese Umhänge zum Alltag der Wassersportler, speziell der Surfer», sagt Rolf Hunziker. «Wir fanden das sehr praktisch», erklärt Sandra Hunziker. Sie betreibt eine eigene Aurapraxis und arbeitet Teilzeit auf einer Schulverwaltung. «Besonders geeignet sind sie als ‹Umkleidekabine› in der Öffentlichkeit. Wegen ihres weiten Schnitts lassen sie genügend Bewegungsfreiheit fürs An- und Ausziehen.» Der Sponcho ersetzt zum Beispiel den Bademantel, kann für den Besuch der Strandbar übergeworfen werden und dient auch zum Abtrocknen. «Er ist auf jeden Fall vielseitig einsetzbar», sagt Rolf Hunziker.

Bereits 2018 hatte Rolf Hunziker einen Produzenten gesucht, der die Familienidee umsetzen sollte. «Das hat aus verschiedenen Gründen allerdings nicht geklappt», sagt er. «Uns war wichtig, den Oeko-
Tex-Standard einzuhalten und ein europäisches Produktionsland zu finden. Wir fühlen uns der Nachhaltigkeit verpflichtet.» Über Beziehungen und persönliche Kontakte wurde ein Familienunternehmen in Portugal gefunden, das die Schwimmponchos genau nach den Vorstellungen der Hunzikers produziert. Die Batikmuster entstehen in Handarbeit. Deshalb ist jedes Stück ein Unikat. Die Idee für das Design stammt von den Töchtern. Bis die Sponchos jedoch für den Verkauf bereit waren, gab es sehr viel Aufwand.

«Es war zum Beispiel gar nicht einfach, die verschiedenen Grössen zu definieren», sagt Sandra Hunziker. Unterstützung hätten sie dabei von einer Freundin erhalten, die in der Textilbranche tätig ist. Das erste Farbmuster sei eine Enttäuschung gewesen. Auch musste der Schnitt des Sponchos angepasst, das Logo an der richtigen Stelle platziert und die Eigenschaften fürs Waschen und Trocknen geprüft werden. Damit eine richtige Vermarktung im Onlineshop möglich wurde, kamen weitere Helfer aus dem persönlichen Umfeld wie ein Webdesigner und ein Fotograf zum Einsatz.

An Ideen fehlt es nicht

Das Batikmuster gefällt den beiden Mädchen zwar sehr gut, aber sie haben sich bereits weitere Ideen ausgedacht. «Während unserer diesjährigen Ferien im Tessin bin ich von der mediterranen Umgebung inspiriert worden», sagt Sarina. «Eine nächste Kollektion könnte in Lavendelblau, Olivgrün und Zitronengelb daherkommen.» Sie findet das Projekt spannend, weil sie selber gern Handarbeiten ausführt und eine kreative Ader hat.

Ihre Schwester Melinda posiert mit Vergnügen als Model für die Fotos. «Mir gefallen die rot gemusterten Sponchos am besten», erklärt sie. Während sie es gar nicht mag, wenn sie sich beim Umkleiden unter dem Umhang beobachtet fühlt, macht das Sarina gar nichts aus. «Im Gegenteil, ich fühle mich sehr sicher damit.»