Zürich

Neue Mauer sorgt für rote Köpfe im Kloster Kappel

Die Klosteranlage in Kappel am Albis soll revitalisiert werden – doch eine neue Mauer stösst auf Widerstand.

Katrin Oller
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Ein Teil der Pläne für das ehemalige Zisterzienserkloster in Kappel am Albis sorgt für Unverständnis.

Ein Teil der Pläne für das ehemalige Zisterzienserkloster in Kappel am Albis sorgt für Unverständnis.

Sabine Rock

Das Kloster Kappel ist idyllisch gelegen – leicht erhöht, umgeben von Wiesen am äussersten Zipfel des Kantons Zürich mit Sicht auf Rigi und Pilatus. Heute stehen sich hier nicht mehr Reformierte und Katholiken feindlich gegenüber, doch Fronten haben sich dennoch gebildet. Es geht um Symbole der Weltpolitik und des Christentums: eine Mauer und einen Stall.

Im ehemaligen Zisterzienserkloster führt die Zürcher Landeskirche heute das Seminarhotel und Bildungshaus. Die so genutzten Gebäude sowie die Klosterkirche sind im Schuss. Nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen andere Gebäude, etwa die ehemalige Schreinerei, der Stall und die Wohnungen in der ehemaligen Schlosserei.

Ein Teil der Pläne für das ehemalige Zisterzienserkloster in Kappel am Albis sorgt für Unverständnis.

Ein Teil der Pläne für das ehemalige Zisterzienserkloster in Kappel am Albis sorgt für Unverständnis.

ZVG

Seit 2011 läuft die Planung für eine Revitalisierung der Klosteranlage. Diese ist nicht umstritten. Widerstand regt sich heute aber gegen das Projekt, das 2013 als Sieger des Architekturwettbewerbs gekürt wurde. Es heisst «Intra Muros – Extra Muros» und beinhaltet die Ergänzung einer Umfassungsmauer aus dem 18. Jahrhundert – als das Kloster bereits keines mehr war.

Mehr Struktur und Ordnung

Die Mauer soll die Klosteranlage strukturieren und ordnen, sagt Andreas Müller, der Ende November das Amt des Präsidenten des Vereins Kloster Kappel an seinen Vize übergeben hat. Der Verein ist im Besitz der Klosteranlage. Mitglieder sind die 13 Kirchgemeinden des Bezirks Affoltern und die reformierte Landeskirche Zürich.

Im Süden existiert die ursprüngliche Mauer gegen den Abhang hin noch. Eine Ergänzung im Norden soll den Klosterbezirk von der Landwirtschaft im Westen trennen (siehe Karte). Was bedeutet, dass der heutige Rinderstall umziehen muss. Die Mauer soll auch den Zugang zum Klosterbezirk neu strukturieren. Aus vielen Eingängen werden zwei. Die Parkplätze werden vor die Mauer verlegt. Zudem diene die Mauer dem Lärmschutz, sagt Müller.

Finanziert werden soll die Revitalisierung teils durch Mittel des Vereins, zu einem grossen Teil hofft man aber auf den Lotteriefonds des Kantons. Die Gebäudekosten werden grob auf 10 bis 12 Millionen Franken geschätzt. «Je nach Programm könnte sich dieser Betrag auch verdoppeln», sagt Müller.

Kirche mit Globi-Kapelle, Armenhaus und Seminarhotel

1185 stifteten die Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg in Kappel ein Zisterzienserkloster. Sie sicherten sich dort Gräber sowie Gebete für ihre Seelen über Generationen hinaus. 1250 begann man mit dem Bau der Klosterkirche. Wer beim Bau in Kappel mithalf, dem wurden 40 Tage weniger im Fegefeuer versprochen. Das scheint damals kein schlechter Deal gewesen zu sein: Nach 70 Jahren stand die Kirche.

In der Reformationszeit wurde das Kloster aufgehoben, die Kirche wurde zur Pfarrkirche von Kappel. 1531 fiel der Reformator Huldrych Zwingli in der zweiten Schlacht bei Kappel. Die erste Kappeler Schlacht war noch durch Verhandlungen der Eidgenossen und das legendäre Milchsuppenessen verhindert worden. Zwischen 1541 und dem Einmarsch der Franzosen 1798 setzte die Stadt Zürich im Kloster Kappel ihre Amtsleute ein, die die ehemaligen Klostergüter verwalteten und gleichzeitig für das Armenwesen zuständig waren.

1834 wurde die Anlage verkauft an die Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirks Knonau, die eine Armenanstalt eröffnete. Zeitweise wurde auch eine Schule für Waisenkinder sowie eine Korrektionsanstalt betrieben. Seit dem Jahr 1983 führt die Zürcher Landeskirche ein Seminarhotel und Bildungshaus, zunächst unter dem Namen «Haus der Stille und Besinnung», seit 2008 als «Kloster Kappel». (kme)

«Trennend und abweisend»

«Unverständlich», findet Hans Rudolf Haegi die Idee, um die offene Atmosphäre des Seminarhotels eine «trennende und abweisende» Mauer zu bauen. 200 Jahre lang habe man sich darum bemüht, die bestehende Ringmauer – zum Teil in Fronarbeit – abzubrechen. «Nun soll die eidgenössisch geschützte Klosteranlage mit einer hohen, dicken Mauer verunstaltet werden – das passt nicht in die heutige Zeit», sagt der Agraringenieur und Alt-Kantonsrat aus Affoltern am Albis.

Da die angrenzenden Strassen nur wenig befahren seien und keine Häuser an der Strasse stehen, lässt Haegi auch das Argument des Lärmschutzes nicht gelten. Mit einer Handvoll Gleichgesinnter hat er 2014 den Verein «Ja zum Kloster Kappel» gegründet und bekämpft neben der Mauer vor allem den geplanten Standort des neuen Stalls. Denn dieser ist es, der das Projekt derzeit bremst.

Im Westen der Anlage soll ein neuer, grösserer und tierschutzkonformer Stall gebaut werden. Im vergangenen August lehnte aber die kantonale Baudirektion ein Gesuch um einen Vorentscheid über den Standort ab. Der Stall beeinträchtige die Wirkung der Klosteranlage.

Hans Rudolf Haegi hat sich bereits vor dem abschlägigen Entscheid gegen den geplanten Standort gewehrt und Alternativen geprüft. Sein favorisierter Standort ist jenseits der Uerzlikerstrasse weg von der Klosteranlage: «So wird die Silhouette des Klosters nicht beeinträchtigt». Die Kühe sollen durch einen Tunnel unter der Strasse hindurch zu den Weiden gelangen können.

Der Verein Kloster Kappel hat gegen den kantonalen Entscheid Rekurs eingereicht. Dieser ist laut Andreas Müller aber sistiert zugunsten von Verhandlungen mit dem Amt für Raumentwicklung. «Solange wir noch keine Lösung für die Landwirtschaft gefunden haben, steht die Planung still», sagt Müller.

Der Verein Kloster Kappel wolle sowohl in der Stall- wie auch der Mauerfrage eine mehrheitsfähige Lösung finden, sagt Müller. Alle Entscheide müssen von der Delegiertenversammlung abgesegnet werden. Sollten auch dort die Fronten aufeinanderprallen, wäre ein versöhnendes Mahl zu empfehlen. Die Milchsuppe soll sich in der Gegend bewährt haben.