Corona-Virus

Noch ging das Leben trotz Einschränkungen weiter

Erst schlossen sie die Schulen, dann fast alles: Ein Streifzug durch die Zürcher Innenstadt an einem historischen Tag im Zeichen des Corona-Virus.

Matthias Scharrer
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Restaurant Pumpstation am Utoquai/Zürichsee am Tag vor der Schliessung wegen des Corona-Virus.

Restaurant Pumpstation am Utoquai/Zürichsee am Tag vor der Schliessung wegen des Corona-Virus.

Matthias Scharrer

Montagmorgen am Südrand von Zürich. Nicht irgendein Tag, sondern der erste, an dem wegen des Corona-Virus die Schulen geschlossen sind – und der letzte, bevor das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen kommt. Der Pöstler liefert Post aus: «Es sind alle daheim, super», sagt er. Offenbar hat der behördliche Aufruf zum Homeoffice bei vielen gefruchtet. So kann er den zu Hause Gebliebenen ihre Post bei Bedarf direkt übergeben.

Vom Üetliberg her ist ein Alphorn zu hören. Darüber rauscht ein Flugzeug. Doch wie ist die Lage in der Innenstadt der Schweizer Metropole an diesem historischen Tag? Mit dem Velo mache ich mich auf nach Downtown Switzerland.

Zwischenstopp in der Bäckeranlage nahe der Langstrasse. Das Restaurant des Quartierzentrums ist noch geöffnet. Doch ein Schild an der Tür mahnt: Wer Husten oder Fieber hat, soll nach Hause. Kurz vor Mittag sind auf dem Spielplatz neben der Gartenbeiz ein paar wenige Eltern mit Kleinkindern. Das Leben geht weiter, wenn auch reduziert. Der Verkehr auf den Strassen ist zurückgegangen. Auch die Trams und Busse sind leerer als sonst.

Rathaus geschlossen: Wegen des Corona-Virus pausieren Zürcher Kantons- und Gemeinderat.

Rathaus geschlossen: Wegen des Corona-Virus pausieren Zürcher Kantons- und Gemeinderat.

Matthias Scharrer

Im Swatch-Laden an der Bahnhofstrasse stehen fünf Angestellte herum. Die Kunden sind klar in der Unterzahl. «Nicht viel los heute», meint eine Angestellte und lächelt. Draussen vor dem Coop St. Annahof trägt jemand eine extragrosse Rolle Haushaltpapier nach Hause.

Noch ist das Stadtleben nicht ganz zum Erliegen gekommen, obwohl es wegen der Corona-Virus-Pandemie bereits eingeschränkt war. Viele Kinos hatten schon geschlossen, die Hallenbäder und der Zoo auch. Und an der Pforte zum Rathaus, wo sonst montags der Kantonsrat tagt, verkündet ein Schild: «Rathaus heute geschlossen». Die Parlamentssitzung sollte zunächst in die Messe Zürich verlegt werden. Am Wochenende blies der Kanton sie dann ganz ab. Auch die Sitzungen des Zürcher Gemeinderats fallen bis auf weiteres aus.

Der Magen knurrt. Zum Fleischkäse-Weggli beim St. Annahof gibt’s einen Sprutz Desinfektionsmittel auf die Hand. Noch fahren Trams im Minutentakt vorbei. Sie sind nur spärlich besetzt. Und die Passagiere gehen auf Distanz. Meistens sitzen sie mehr als zwei Meter voneinander entfernt. Zwölf Uhr am Paradeplatz: Vor den Hauptsitzen der Grossbanken Credit Suisse und UBS sind nur vereinzelt Menschen anzutreffen. Da und dort sieht man Leute mit Mundschutz. Am Ticketschalter der Verkehrsbetriebe Zürich werden die Kunden per Plakat gebeten, wenn möglich bargeldlose Zahlungsmittel zu verwenden – «für ihre und unsere Gesundheit», wie es auf dem Plakat heisst.

Die Mittagssonne sorgt inzwischen für angenehmes Wetter zum Draussensitzen. Das Seeufer ist belebt, aber weit entfernt vom Gedränge, das hier sonst bei Sonne und Wärme herrscht. Im Restaurant Pumpstation an der Seepromenade findet man zur Mittagszeit reihenweise freie Tische.

«Es zeigt, wie wenig wir geschützt sind»

Gesprächsthema am Nebentisch ist das Corona-Virus, was sonst? «Mir macht es keine Angst», sagt ein gut gekleideter, zirka 40-jähriger Mann. «Aber es zeigt, wie wenig wir geschützt sind.» Menschen im Seniorenalter sind nur selten zu sehen an diesem sonnigen Mittag am See. Für sie ist das Corona-Virus besonders gefährlich.

Grillmeister Baba zeigt sich gut gelaunt, obwohl ungewöhnlich wenige Gäste in der «Pumpstation» sind: «Weisst du, wir haben jetzt weniger Leute eingestellt. Besser jetzt als im April, Mai, Juni», meint er. Wie lange die Corona-Krise noch dauern wird, ist unklar. Klar ist: Sie wird auch diese Wirtschaft hart treffen. Am späten Nachmittag gibt der Bundesrat bekannt: Läden, die nicht für die Grundversorgung wichtig sind, Restaurants, Klubs, Museen, Theater, Kinos und weitere öffentliche Orte bleiben ab sofort geschlossen. «Abstand halten kann Leben retten», lautet die Devise.