Kirche
Nur noch 40 Kirchgemeinden im Kanton Zürich

Die reformierte Kirche im Kanton strukturiert sich neu. Der Kirchenrat treibt den Zusammenschluss von Kirchgemeinden voran und beantragt dafür 500000 Franken.

Katrin Oller
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Die reformierten Kirchgemeinden fusionieren.

Die reformierten Kirchgemeinden fusionieren.

Keystone

Kirchgemeinden im heutigen Sinn solle es in Zukunft nicht mehr geben. Es sollen Rahmenorganisationen entstehen, die unabhängig vom Territorium Gläubigen und auch Kirchenfernen Räume bieten, ihre Kirche zu leben. Dieser Wandlungsprozess heisst Kirchgemeinde plus und wurde vom Kirchenrat der reformierten Kirche des Kantons vor drei Jahren angestossen.

Kirchenratspräsident Michel Müller

Kirchenratspräsident Michel Müller

Limmattaler Zeitung

Unterdessen sei viel geschehen, sagte Kirchenrat Daniel Reuter an der gestrigen Medienorientierung. Trotz anfänglicher Skepsis und Orientierungslosigkeit seien heute alle 177 Kirchgemeinden im Kanton in den Prozess involviert. Denn die Zeit drängt: Die Mitgliederzahlen sinken und damit die finanziellen Ressourcen. Wegen der Finanzlage müssen die Reformschritte laut Kirchenrat bis spätestens 2019 aufgegleist sein.

Kirchenrat Daniel Reuter

Kirchenrat Daniel Reuter

Limmattaler Zeitung

Zusammenarbeit oder Fusion

Wie die Kirchgemeinden der Zukunft konkret aussehen sollen, ist noch offen. Es gebe verschiedene Ansätze, sagte Kirchenratspräsident Michel Müller. Er erwähnt die thematische Zusammenarbeit in Bereichen wie der Liegenschaftenverwaltung von fünf Gemeinden im Bezirk Meilen. Oder die Fusion von kleineren Gemeinden wie Bauma und Sternenberg. Im Bezirk Andelfingen ist der Zusammenschluss von sechs Gemeinden als Kirchgemeinde Weinland Mitte geplant.

Wie sich die einzelnen Kirchgemeinden genau organisieren, sollen sie 2016 definieren, dafür beantragt der Kirchenrat bei der Synode 500 000 Franken im Budget. Damit initiiert er nach Gesprächen und der Ausarbeitung erster Modelle die dritte Phase des Projekts Kirchgemeinde plus.

Wichtig sei, dass die Entwicklungen von der Gemeindebasis getragen werden, sagte Müller. Dem Kirchenrat schwebt ein Paradigmenwechsel vor, der den Ansatz der Dienstleistungskirche für alle vereint mit der Idee der profilierten Beteiligungskirche. Im Rahmen von territorial unabhängigen Kirchgemeinden sollen lokal Schwerpunkte gesetzt werden um Gemeinschaften, Personen und verschiedene Frömmigkeits- und Gottesdienststile herum.

Obwohl der Kirchenrat die lokale Verankerung betont, hält er daran fest, die Zahl der Kirchgemeinden zu dezimieren. Zu Beginn des Prozesses wurde noch mit rund 60 Gemeinden gerechnet. Nach einer Umfrage im vergangenen Frühling geht der Kirchenrat davon aus, dass lediglich 35 bis 40 Kirchgemeinden übrig bleiben könnten. «Die Zahl ist aber nicht das Ziel», sagte Reuter.

Vor einem Jahr haben die Stadtzürcher Reformierten entschieden, dass aus den heutigen 34 Kirchgemeinden in der Stadt Zürich bis Januar 2019 eine grosse Gemeinde entstehen soll. Seither legt die Stadt ein hohes Tempo vor: Es sind eine Projektsteuerung und diverse Arbeitsgruppen eingesetzt worden. Verschiedene Fragen seien aber noch offen, schreibt der Stadtverband der reformierten Kirche Zürich in einer Mitteilung, etwa ob 8 oder 10 Kirchkreise auf Stadtgebiet existieren sollen. Dabei wolle man sich an der Anzahl Schulkreise orientieren. Laut dem kantonalen Projektleiter Thomas Schaufelberger werden in Zürich zurzeit wesentliche Fragen diskutiert. Der kantonale Prozess Kirchgemeinde plus werde eng abgestimmt mit der Neustrukturierung der städtischen Kirchgemeinden: «Wir wollen eine homogene, nicht eine disparate Entwicklung im Kanton.» (kme)

Vor einem Jahr haben die Stadtzürcher Reformierten entschieden, dass aus den heutigen 34 Kirchgemeinden in der Stadt Zürich bis Januar 2019 eine grosse Gemeinde entstehen soll. Seither legt die Stadt ein hohes Tempo vor: Es sind eine Projektsteuerung und diverse Arbeitsgruppen eingesetzt worden. Verschiedene Fragen seien aber noch offen, schreibt der Stadtverband der reformierten Kirche Zürich in einer Mitteilung, etwa ob 8 oder 10 Kirchkreise auf Stadtgebiet existieren sollen. Dabei wolle man sich an der Anzahl Schulkreise orientieren. Laut dem kantonalen Projektleiter Thomas Schaufelberger werden in Zürich zurzeit wesentliche Fragen diskutiert. Der kantonale Prozess Kirchgemeinde plus werde eng abgestimmt mit der Neustrukturierung der städtischen Kirchgemeinden: «Wir wollen eine homogene, nicht eine disparate Entwicklung im Kanton.» (kme)

Chris Iseli/ AZ

Das letzte Wort hat die Synode, der 2017 ein Konzept zur Neugestaltung der Kirchgemeinden vorgelegt wird. Sie könnte Gemeinden nach Anhörung auch zum Zusammenschluss zwingen. Dies könnte allenfalls Stammheim drohen, da die Kirchgemeinde im Sommer aus dem Projekt Kirchgemeinde Weinland Mitte ausgestiegen ist. Zuerst zähle er aber auf die Kraft der Argumente, sagte Reuter, denn Druck aufzubauen, sei kontraproduktiv. Stammheim verbaue den Mitgliedern Möglichkeiten, sagte Müller. Denn es stelle sich die Frage, wie lange eine kleine Kirchgemeinde noch in der Lage sei, selber über ihre Geschicke zu entscheiden.

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