Zürcher Obergericht

Obergericht entlastet mutmasslichen Exhibitionisten doch noch

Ein Mann aus dem Limmattal wurde beschuldigt, eine Schülerin sexuell belästigt zu haben. Das Zürcher Obergericht entlastete ihn nun. Auch seine Frau, die wegen Begünstigung verurteilt war, wurde freigesprochen.

Attila Szenogrady
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Das Zürcher Obergericht (Archivbild)

Das Zürcher Obergericht (Archivbild)

Keystone

Im letzten Dezember sah es für einen russischen Software-Entwickler und seine Ehefrau noch sehr schlecht aus. Das Limmattaler Ehepaar wurde vom Bezirksgericht Zürich verurteilt. Der heute 39-jährige IT-Spezialist kassierte wegen sexueller Handlungen mit Kindern eine hohe, aber noch bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 200 Franken. Seine Frau erhielt wegen Begünstigung eine ebenfalls bedingte Strafe von 90 Tagessätzen zu 80 Franken.

Anklage: Vor Schülerin onaniert

Das Bezirksgericht war noch den Darstellungen der Anklage gefolgt. Demnach hatte der Familienvater am 28. Februar 2012 im Zürcher Kreis 3 vor einer 15-jährigen Schülerin in den späten Abendstunden auf offener Strasse onaniert. Die Jugendliche begab sich sogleich zur Polizei und gab eine sehr genaue Täterbeschreibung ab. Mit der Folge, dass die Polizei bereits am nächsten Tag in der Nähe des Tatortes einen verdächtigen Mann festnehmen konnte. Es handelte sich um den Computer-Spezialisten aus der Region Birmensdorf.

Trotz Bestreitungen verurteilt

Der verdächtige Russe stritt den Vorwurf vehement ab. Auch nach dem ihn das Opfer angeblich zu «hundert Prozent» als Täter identifiziert hatte. Schon vor dem Bezirksgericht Zürich machte der Osteuropäer eine Verwechslung geltend. Auch seine Ehefrau, die einbrachte, dass sich ihr Mann zur Tatzeit zu Hause aufgehalten habe. Als Beweis reichte sie digitale Fotoaufnahmen als Entlastungsbeweis. Was ihr allerdings prompt eine Verurteilung wegen Begünstigung einbrachte. Das Bezirksgericht stützte sich nämlich auf die Belastungen der Schülerin ab.

Die Verteidiger der Beschuldigten legten Berufung ein und pochten am Freitag vor Obergericht vehement auf einen Freispruch. Eine Rechtsanwältin stellte den Beweisantrag, die Digitalkamera des Ehepaares im Hinblick auf mögliche Manipulationen endlich zu untersuchen. Dann wäre der Beschuldigte als Täter auszuschliessen. Ein Verteidiger führte aus, dass die Geschädigte nicht gelogen, aber sich schlicht geirrt habe. Dabei verwies er auf die schlechten Sichtverhältnisse zur Tatzeit und auf die Angst der Schülerin.

Doch noch Freisprüche

Das Obergericht folgte zum Schluss der Verteidigung und kam doch noch zu Freisprüchen. Es schloss eine Verwechslung nicht aus und führte im Sinne der Unschuldsvermutung begründete Zweifel an der Täterschaft des Limmattalers an. Die Freisprüche kommen den Staatshaushalt allerdings teuer. So sprach das Obergericht dem entlasteten Vater eine ansehnliche Prozessentschädigung von 26 500 Franken zu. Die Frau wird 19 000 Franken erhalten.