Zürich

Quereinstieg als Pfarrer: Vom Schreibtisch auf die Kanzel

Ab 2020 fehlen der reformierten Kirche bis zu fünfzig Pfarrer pro Jahr. Abhilfe soll ein verkürztes Studium für Quereinsteiger schaffen. Im Herbst startet der erste Studiengang.

Claudia Peter
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niz Nicole Nars-Zimmer

Die Säkularisierung kommt langsam an ihre Grenzen», sagt Fabian Wildenauer überzeugt. Bei Schicksalsschlägen sei der Mensch nach wie vor auf sich selber zurückgeworfen. Die Religion werde wieder wichtiger, glaubt Wildenauer und fragt sich: «Wer gibt Antworten, wenn es keine Pfarrer mehr gibt?»

Wildenauer ist nicht etwa Theologiestudent, sondern arbeitet in der Immobilienbranche. In den letzten Jahren fragte sich der 39-Jährige aber zunehmend, was für ihn in einer Gesellschaft eigentlich wirklich wichtig ist und was er dazu beitragen kann. Mit seiner Frau Karola hat er nun den Pfarrberuf ins Auge gefasst: «Die Entscheidung ist langsam gereift.»

Quereinsteigerstudium

Quest ist ein Studiengang für Akademikerinnen und Akademiker mit dem Ziel reformiertes Pfarramt. Das Studium dauert berufsbegleitend vier Jahre, ein Jahr davon umfasst die praktische Pfarrausbildung, das Lernvikariat. Bewerber müssen zwischen dreissig und fünfzig Jahre alt sein, einen universitären Masterabschluss besitzen und mindestens fünf Jahre Berufs- oder Familienerfahrung haben. Die Bewerber werden zu einem Aufnahmegespräch und bei positivem Gesamteindruck zu einem Assessment eingeladen. Der erste Studiengang startet im Herbst 2015, Anmeldungen werden bis zum 15. April 2015 entgegengenommen. Ein Info-Abend findet am 17. März, 18.30 Uhr, am Hirschengraben 50 in Zürich statt. (clp)

Weitere Informationen hier.

Die Quest-Studenten werden einen Grossteil ihrer Kurse und auch das Lernvikariat mit den Theologiestudenten der Universitäten Zürich und Basel besuchen. Dass es zu Rivalitäten zwischen den beiden Studiengängen kommt, glaubt Bachmann allerdings nicht. «Man darf die beiden natürlich nicht gegeneinander ausspielen.» Im deutschen Marburg, wo es ein ähnliches Angebot gibt, habe man gute Erfahrungen gemacht, und die unterschiedlichen Studenten hätten voneinander profitiert.

Zudem seien die Anforderungen für den Quest-Studiengang recht hoch, sagt Bachmann weiter. So ist ein Universitätsabschluss nötig. «Die Bewerber verfügen also bereits über akademische Erfahrung.» Sie wüssten bereits, wie man ein Studium effektiv gestaltet, und bringen viele Grundkenntnisse mit. Auch das helfe, dass sich die Theologiestudenten mit ihrem mindestens fünfjährigen Vollzeitstudium nicht benachteiligt sähen.

Quest hat dreissig Ausbildungsplätze zu vergeben. Die Kandidaten werden mit einem Aufnahmegespräch und einem Assessment ausgewählt. Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit werden geprüft. «Das ist nicht nur in unserem Interesse, sondern auch in jenem der Kandidaten», sagt Bachmann. «Wir wollen nicht jemanden ausbilden, der gar nicht recht weiss, worauf er sich einlässt und im schlimmsten Fall erst am Ende des Studiums merkt, dass ihm der Beruf gar nichts sagt.»

Wildenauer derweil hofft, dass er und seine Frau bei Quest einen Platz bekommen werden, und freut sich nach den Jahren in der Arbeitswelt auf die erneute Studienzeit. Und auch die Reaktionen aus seinem Umfeld seien überwiegend positiv: «Du und Pfarrer, sagten mir viele, das passt!»