Gefängnisausbruch Limmattal
So ein Ausbruch soll nicht mehr möglich sein: Justiz schliesst Lücken im Sicherheitssystem

Vor zwei Monaten konnte Hassan Kiko mit Hilfe von Angela Magdici aus dem Limmattaler Gefängnis ausbrechen. Das Amt für Justizvollzug hat nun eine umfassende Überprüfung der technischen Sicherheitssystem vollzogen, damit so ein Fall nicht noch einmal eintreten kann.

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Hassan Kiko und Angela Magdici sitzen jetzt beide hinter Gittern.

Hassan Kiko und Angela Magdici sitzen jetzt beide hinter Gittern.

KEYSTONE

Nachdem die Aufseherin Angela Magdici dem Häftling Hassan Kiko im Februar zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon verhalf, wurde die Sicherheit in Zürcher Gefängnissen zum heiss diskutierten Thema. Mittlerweile habe man Sicherheitslücken geschlossen, sagte Thomas Manhart, Chef des Amtes für Justizvollzug am Samstag in einem Interview mit dem «Tages Anzeiger». Ein Ausbruch wie jener von Dietikon wäre heute nicht mehr möglich, so Manhart.

Magdici spazierte in der Nacht auf den 9. Februar mit ihrem Geliebten, einem verurteilten Vergewaltiger, aus dem Gefängnis Limmattal, während der zweite Aufseher, der Nachtschicht hatte, schlief. Erst Stunden später bemerkte man die Flucht. Im Anschluss forderte die SVP-Fraktion im Zürcher Kantonsrat mehr Sicherheit, was zu einer Aufstockung des Personalbestands im Gefängnis Limmattal geführt hätte.

Die Sprecherin der Justizdirektion, Rebecca de Silva, sagte Mitte Februar zur Limmattaler Zeitung, es sei nur in grossen Gefängnissen umsetzbar, dass drei Aufseher den Nachtdienst übernehmen. Auf die Frage, ob denn nun eine dritte Person für den Nachtdienst bereitgestellt worden sei, hält sich de Silva heute bedeckt: «Aus Sicherheitsgründen geben wir zu unserem Sicherheitsdispositiv keine detaillierte Auskunft», sagt sie. Man habe die Sicherheit in den Zürcher Gefängnissen unter dem Aspekt von individuellem menschlichen Versagen untersucht und die Lücken geschlossen: «Eine solche Flucht kann heute nicht mehr passieren.»

Magdici im Talk Täglich, 23.Mai 2016 Angela Magdici mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.
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Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.
Sie schloss die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schlief. Und: Bald ist klar, dass Angela M. und Hassan K. ein Liebespaar sind.
Hassan K. kam 2010 in die Schweiz. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen Vergewaltigung einer knapp 16-Jährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil er es an das Zürcher Obergericht weiterzieht.
Angela M. ist in Wohlen AG aufgewachsen, trainierte dort Kickboxen. Vor der Flucht lebte sie seit drei Monaten von ihrem Mann getrennt, den sie 2014 geheiratet hatte.
Nach ihrer Flucht wurde bekannt, dass sie mit einem Auto über die Grenze zu Italien geflüchtet waren. Es handelte sich um einen schwarzen BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411.
Am 21. März tauchte eine Video-Botschaft vom M. und K. auf: Die ehemalige Gefängniswärterin entschuldigte sich darin bei ihrer Familie und beteuerte, Kiko sei «der Mann ihres Lebens».
Gott habe sie für seine Flucht gesandt: So äusserte sich Hassan K. im Video über Angela M. Er beteuerte, er sei zu unrecht verurteilt worden und beklagte sich über die Haftumstände.
Gefängnispaar: Hat es das Video verraten? Wochenlang fahndeten die Behörden nach Angela Magdici und Hassan Kiko. Dann veröffentlichen diese eine Videobotschaft – und gaben der Polizei damit entscheidende Hinweise.
In der Nacht auf Karfreitag, 25. März, klickten die Handschellen: Sie und er waren im Bett, als nachts um 3 Uhr Polizisten die Wohnung stürmten. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus in Romano di Lombardia (I), rund 100 Kilometer von der Schweizer Grenze und 60 Kilometer östlich von Mailand entfernt. Angela M. wehrte sich so sehr, dass vier Beamte nötig waren, um sie zu überwältigen.
Seither sitzen sie in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts haben sie ihrer Auslieferung in die Schweiz zugestimmt.
Nach 66 Tagen war Angela M. am Donnerstag, 14. April 2016, zurück in der Schweiz. Bis zur Urteilsverkündung sass sie in Untersuchungshaft. In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M.

Magdici im Talk Täglich, 23.Mai 2016 Angela Magdici mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.

Screenshot Tele Züri

«Sie sind recht heiter»

Knapp eine Woche mussten Angela Magdici und Hassan Kiko in Isolationshaft ausharren, bevor sie in Zellen mit anderen Insassen eingeteilt wurden. Jeglicher direkte Kontakt zwischen den beiden ist jedoch nach wie vor untersagt.

Wie ihr Pflichtanwalt Mario Campagna gegenüber «Blick» mitteilte, trügen sie dies mit Fassung: «Sie sind recht heiter, soweit das Gefängnisleben es halt erlaubt.»

Er ist nun damit beschäftigt, den Fluchtwagen, einen schwarzen BMW, der zur Hälfte Magdicis Ehemann gehört, aus den Fängen der italienischen Polizei zurzückzubekommen. «Den kann Angelas Familie sicher nächste Woche abholen», zeigt sich Campagna zuversichtlich gegenüber dem «Blick».

Keine Terroristen

Als die italienische Polizei am Karfreitag die Mietwohnung, in der das Paar Unterschlupf gefunden hatte, stürmte, fanden sie an die Wand gemalte Koranverse vor. Spekulationen um terroristische Absichten und Kikos religiösen Hintergrund weist Campagna zurück. Kiko habe nichts mit islamistischem Terror am Hut. Ausserdem hätten beide nicht gewusst, was die Zeichen bedeuteten. Magdici hätte lediglich die Wände mit arabischen Schriften aus dem Koran schmücken wollen, weil sie gerne zeichne.

Anlass zu Spekulationen gaben auch die halbgepackten Koffer, die bei der Festnahme in der Wohnung vorgefunden wurden. Konnte die Polizei Kikos und Magdicis Weiterreise gerade noch vereiteln? Campagna bezweifelt das: Die frisch gestrichenen Wände deuten darauf hin, dass sie sich häuslich einrichteten. «Sie wollten hier in Italien bleiben.», glaubt er gemäss «Blick». (aru/sm)

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