Kriminalität

So verändert die Coronakrise das Verbrechen

Laut Stadt- und Kantonspolizei Zürich gab es seit Mitte März weniger Einbrüche und mehr Online-Kriminalität. Die befürchtete Zunahme an häuslicher Gewalt blieb jedoch offenbar aus.

Matthias Scharrer
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Die Zahl der Einbrüche hat seit dem Lockdown abgenommen.

Die Zahl der Einbrüche hat seit dem Lockdown abgenommen.

zvg

Die Coronakrise beeinflusst auch die Kriminalität. So ist in Österreich seit dem 16. März die Zahl der angezeigten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent gesunken, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich meldete. Es habe Tage ohne jeden Wohnungseinbruch gegeben, was seit Beginn der Kriminalstatistik noch nie vorgekommen sei.

Wie sieht es hierzulande aus? In den über 100 Medienmitteilungen, die die Kantonspolizei Zürich seit dem 16. März veröffentlichte, fand sich bis Mittwoch keine einzige zu einem Wohnungseinbruch. Allerdings publiziert die Kantonspolizei bei dieser Deliktart nur Fälle, in denen die Diebe grosse Beute machten, wie eine Kapo-Sprecherin erklärt. «Ich gehe aber davon aus, dass es jetzt tendenziell weniger Wohnungseinbrüche gibt», fügt sie an. Dies sei zum einen saisonal bedingt: Im Winter, wenn es länger dunkel ist, komme es erfahrungsgemäss zu mehr Einbrüchen. Doch auch die Tatsache, dass wegen des Lockdowns und Arbeit im Homeoffice mehr Leute öfters zu Hause sind, dürfte Einbrecher tendenziell abhalten, bestätigt die Polizeisprecherin auf Nachfrage.

Genaue Zahlen lägen zurzeit jedoch nicht vor. Allerdings ergab eine Umfrage dieser Zeitung bei verschiedenen Polizeikorps in der Schweiz schon vor einem Monat, dass die Zahl der Einbrüche im Vergleich zum Vorjahr sank. In der Zürcher Kriminalstatistik fürs Jahr 2019 wurde noch ein leichter Zuwachs der Einbruch- und Einschleichdiebstähle verzeichnet.

Auch in den Medienmitteilungen der Stadtpolizei Zürich findet sich seit dem 16. März, als der Lockdown begann, bis Mittwoch kein Hinweis auf Wohnungseinbrüche. «Diebstähle, Einbrüche und Verkehrsunfälle haben seit dem Lockdown stark abgenommen», sagt ein Stadtpolizei-Sprecher auf Anfrage. Da auch das Nachtleben weitgehend zum Erliegen kam, seien zudem die sogenannten Nachtstadtdelikte zurückgegangen - also Auseinandersetzungen, in denen Personen tätlich angegangen oder verletzt werden. Zugenommen hätten hingegen Lärmklagen von Leuten, die sich durch Nachbarn gestört fühlten. Auch dabei dürfte sich auswirken, dass die Leute vermehrt zu Hause bleiben.

Zum Teil machten sich virtuelle Langfinger die Coronakrise zunutze. Schon Ende März teilte die Kantonspolizei Zürich mit: «Die kantonalen Polizeikorps stellen eine Zunahme von Cyberphänomenen fest, die Bezug zu Covid-19 nehmen. Kriminelle versuchen gezielt, Ängste und Sorgen der Bevölkerung für ihre Machenschaften auszunützen.»

Gefälschte E-Mails und WhatsApp-Kettenbriefe

Dabei kamen sogenannte Phishing-E-Mails zum Einsatz, die angeblich von der Weltgesundheitsorganisation oder vom Bundesamt für Gesundheit stammen; ebenso interaktive Karten auf Webseiten, die die Coronavirusverbreitung aufzeigten und Downloads mit Malware auslösen – also mit Software, die für kriminelle Machenschaften verwendet wird.

In den letzten Wochen machten nun via WhatsApp gefälschte Kettenbriefe von Grossverteilern die Runde, wie die Kantonspolizei Zürich festhält. Angeblich boten damit Coop, Denner und Migros Lebensmittelgeschenke an, um die Bevölkerung in der Coronakrise zu unterstützen. In Wahrheit ging es Kriminellen darum, den Empfängern, die sich durch die WhatsApp-Nachrichten klickten und Kreditkartendaten angaben, Geld abzuluchsen.

Damit setzt sich in der Coronakrise ein Trend fort: «Es gibt von Jahr zu Jahr mehr Online-Kriminalität», sagt die Kapo-Sprecherin. In einem anderen Kriminalitätsbereich blieben von Fachleuten befürchtete Szenarien laut Polizei weitgehend aus: Dass der Lockdown zu mehr häuslicher Gewalt führen würde, lasse sich bislang nicht bestätigen, heisst es sowohl bei der Kantonspolizei als auch bei der Stadtpolizei Zürich.